Walter Moers – Ensel und Krete

Rezension Walter Moers Ensel und Krete

Das etwas andere Märchen: Walter Moers hat mit Ensel und Krete eine düstere und phantasievolle zamonische Version des Klassikers Hänsel und Gretel geschaffen.

Die Geschwister Ensel und Kretel, zwei junge Fhernhachen, machen mit ihren Eltern Urlaub im Großen Wald. Doch neugierig, wie sie sind, lassen sie sich von der spannenden Flora und Fauna ablenken und kommen vom Weg ab. Immer tiefer geraten sie in den Wald hinein und immer aussichtsloser scheint ihre Situation. Ob ihnen eines der vielen Waldwesen behilflich sein kann? Und existiert die gefürchtete Waldspinnenhexe wirklich?

„Es ist vollkommen gleichgültig, in welche Richtung ihr geht. Der Wald wird mit euch wachsen und euch immer wieder im Kreis führen, bis ihr wieder dahin kommt, wo ihr hergekommen seid. Ihr befindet euch in einem lebendigen Labyrinth. Es gibt keinen Weg hinaus. Es geht nur immer tiefer hinein.“

Kazuaki Takano – 13 Stufen

Rezension Kazuaki Takano 13 Stufen Roman

In seiner Zelle erwartet der Verurteilte Kihara seit sieben Jahren die Todesboten. Immer um neun Uhr morgens holen sie die todgeweihten Kandidaten. Wann er an der Reihe ist, weiß Kihara nicht. In einem Raum ohne natürliches Licht, nur knapp drei Quadratmeter groß, durchlebt er jeden Tag Todesangst: Zittern, Schweißausbrüche und unkontrollierten Harndrang. An die Tat, für die er verurteilt wurde, kann er sich nicht erinnern. Einzig die Erinnerung an eine Treppe kehrt wieder, eine Treppe, die er in Todesangst hinauflief. Kann er dem Urteil doch noch entgehen?

Zitat des Tages: Aus Roberto Bolaños „Die wilden Detektive“

Zitat Roberto Bolano die wilden Detektive

Über einen gewissen Zeitraum hinweg begleitet die Kritik das Werk, ehe sie entschwindet und die Leser seine Begleiter werden. Die Reise kann von sehr langer oder sehr kurzer Dauer sein. Danach sterben die Leser einer nach dem anderen, und das Werk setzt einsam seinen Weg fort, obwohl sich immer wieder neue Kritiken, neue Leser seiner Reise anschließen. Dann stirbt die Kritik ein weiteres Mal, es sterben die Leser, und auf dieser nach und nach mit von Gebeinen bedeckten Straße setzt das Werk seine Reise in die Einsamkeit fort. Sich ihm zu nähern, in seinem Kielwasser zu schwimmen bedeutet den sicheren Tod, und dennoch nähern sich ihm unermüdlich andere Kritiken, andere Leser, die allesamt von Zeit und Geschwindigkeit verschlungen werden. Am Ende reist das Werk in absoluter Einsamkeit durch die unendlichen Weiten. Und eines Tages stirbt es, so wie alle Dinge sterben, so wie die Sonne vergeht, die Erde, das Sonnensystem und die Galaxien und noch die verborgensten Teile des menschlichen Gedächtnisses. Was als Komödie beginnt, endet als Tragödie.

Roberto Bolaño, „Die wilden Detektive“.

Kurz und knackig: Reality-Show & Die Kunst, Champagner zu trinken (Amélie Nothomb)

LRM_EXPORT_20180707_193343

Reality-Show

In Frankreich startet eine neue Reality-Show namens Konzentration. Menschen werden willkürlich verhaftet und in ein Lager eingesperrt. Rund um die Uhr werden sie von Kameras begleitet. Einige von ihnen werden als Kapos eingesetzt und dürfen darüber bestimmen, welche der Gefangenen jeden Tag zur Strecke gebracht werden. Unter den Kandidaten ist auch die junge Pannonica, die sich nicht einschüchtern lassen will und für die anderen Gefangenen schnell zu einer Art Erlöserfigur wird.

„Wenn es eine Hölle gibt, werde ich halt dort schmoren, mir doch egal.“
„Es gibt eine Hölle, und wir sind mittendrin.“

Michael Ondaatje – Warlight/Kriegslicht

Michael Ondaatje Warlight Rezension Kriegslicht

Das Leben einer Mutter: Michael Ondaatjes neuestes Werk Warlight nimmt den Leser mit auf eine Reise ins London der Nachkriegszeit. Am Ende bleibt der Eindruck, dass hier trotz hohem Niveau mehr möglich gewesen wäre.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs werden Nathaniel und seine Schwester Rachel von ihren Eltern in London zurückgelassen. Sie bleiben in der Obhut des geheimnisvollen „The Moth“ und dessen Freunden, die, so vermuten die Geschwister, sich im kriminellen Milieu bewegen. In diesen Kreisen werden die beiden erwachsen und beschützt.

Monatsrückblick: Unsere Bücher im Juni

LRM_EXPORT_20180703_152643

Der Juni ist vorbei und mit ihm ein spannender und vielseitiger Lesemonat. Wir haben sehr breitgefächert gelesen – von Knausgård und Bolaño über Fantasy und Satire bis hin zum historischen Roman und zur Bandbiographie. Wir haben für euch eine Übersicht über unsere Leseeindrücke zusammengestellt.

Roberto Bolaño – Die wilden Detektive

Der Student Juan Garciá Madero schließt sich während der 70er in Mexiko den viszeralen Realisten an, einer literarischen Avantgarde. Deren Köpfe, Ulises Lima und Arturo Belano, machen sich auf die Suche nach der Urmutter des Realviszeralismus. Dabei ergibt sich sich ein detektivisches Doppelspiel, sie werden in Europa und Israel gesehen, treffen auf allerhand Personen, die von ihnen berichten. Ein Buch wie Die wilden Detektive habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Emma Donoghue – Das Wunder

LRM_EXPORT_20180519_165450

In ihrem neuen Roman Das Wunder entführt Emma Donoghue ihre Leser ins Irland des 19. Jahrhunderts – eine Zeit geprägt von Hunger und Elend und dem Kampf zwischen Glauben, Aberglauben und Wissenschaft.

Irland, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die elfjährige Anna O’Donnell hat angeblich seit vier Monaten keinen Bissen Nahrung mehr zu sich genommen. Menschen aus ganz Irland und auch aus dem Ausland reisen nach Athlone, um das kleine Wunder zu bestaunen. Doch es gibt Kritiker, die einen Schwindel vermuten – so wird eine permanente Überwachung des Kindes veranlasst, um jegliche Zweifel aus der Welt zu schaffen.

Garth Greenwell – Was zu dir gehört

LRM_EXPORT_20180626_143622

Garth Greenwells Debütroman Was zu dir gehört über Scham, Begehren und schwules Selbstverständnis. Vielleicht eines der Bücher des Jahres?

Es beginnt auf den öffentlichen Herrentoiletten des Kulturpalastes in Sofia. Hier trifft der amerikanische Lehrer und namenlose Ich-Erzähler auf Mitko, den er für Sex bezahlt. Er ist sofort fasziniert von dem jungen Bulgaren, dem ein Teil eines Vorderzahns fehlt. In den darauffolgenden Wochen treffen sie sich immer.

Irische Literatur

LRM_EXPORT_20180623_133834

Irland ist eines der Länder, die gerne schnell übersehen werden. Die Leute zieht es in die schottischen Highlands oder an die englische Küste und auch bei bekannten englischsprachigen Autoren denkt man zunächst eher an amerikanische oder britische Schriftsteller. Dabei hat Irland sowohl für Reisende als auch für Literaturliebhaber einiges zu bieten. Wir möchten euch heute ein paar irische Autoren und ihre Werke vorstellen.

Sebastian Barry – Mein fernes, fremdes Land

Wie es wohl klingen mag, wenn einer Neunundachtzigjährigen das Herz bricht? Leise und zart, vermutet die Irin Lilly Bere. Viele Herausforderungen hat sie gemeistert, seit sie als junge Frau vor der IRA nach Amerika fliehen musste.

Heinrich Böll – Irisches Tagebuch

LRM_EXPORT_20180620_150500

Auch nach über 60 Jahren mehr als lesenswert: Heinrich Böll nähert sich in Irisches Tagebuch Irland und seinen Bewohnern.

Mittlerweile ist Heinrich Bölls Irisches Tagebuch 61 Jahre alt. Die Auflage hat die Millionengrenze überschritten. Im Jahr 1954 war der Schriftsteller zum ersten Mal auf Achill Island, einer Insel die zur Grafschaft Mayo gehört und abgesehen von der Hauptinsel die größte Insel des Landes ist. Hier sind bis heute ungefähr 87% Prozent der Fläche mit Torfmooren bedeckt.