Agustina Bazterrica – The Unworthy (Die Unwürdigen)

Mit The Unworthy setzt Agustina Bazterrica ihre literarische Auseinandersetzung mit Gewalt und Entmenschlichung fort. Der Roman liest sich wie eine Verdichtung: knapp, radikal, ohne erklärende Umwege – und gerade darin so eindringlich.

Zugegeben: Bevor ich mit The Unworthy begonnen habe, dachte ich zunächst, es handle sich um den nächsten Report der Magd-Abklatsch. Eine zerstörte Welt, unterdrückte Frauen, religiöse Strukturen – das klang vertraut. Doch Bazterricas Roman ist düsterer, brutaler, kompromissloser – und in vielerlei Hinsicht ganz anders. Wo Atwood analysiert, schlägt Bazterrica zu. Wo andere erklären, lässt sie aushalten.

Beatrice Salvioni – Malnata

Dieses Debüt hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Beatrice Salvioni erzählt in Malnata von zwei Mädchen im Italien der 1930er Jahre – und von einer Freundschaft, die alles bedeutet: Freiheit, Rebellion, Mut.

Die brave Francesca trifft auf Maddalena, die „Malnata“ – die Unglückbringende, das Mädchen, über das alle reden und das sich an keine Regeln hält. Zwischen den beiden entsteht ein starkes Band, das sie durch eine Zeit trägt, in der Konventionen, Faschismus und (patriarchale) Gewalt das Leben bestimmen.

Warum 2025 das Jahr der Analogen Gegenbewegung wurde – und was das für Blogs bedeuten könnte

Dieses Jahr fühlt sich an wie ein kollektiver Augenöffner. Fast scheint es, als hätten wir irgendwann Mitte 2025 gemeinsam gemerkt: Hoppla, so geht’s nicht weiter. Wir haben genug von endlosem Scrollen, von Nachrichtenfluten, die uns runterziehen, von Algorithmen, die uns nicht zeigen, was uns wirklich interessiert, sondern was uns am längsten hängenbleiben lässt. Stattdessen suchen viele von uns wieder nach echten, haptischen Erfahrungen, nach Dingen, die man fühlt, riecht, anfassen kann – nicht nur nach dem nächsten vertonten 15-Sekunden-Clip.

Unsere besten Bücher 2025

Schon wieder so ein Satz, den man jedes Jahr schreibt und trotzdem jedes Mal neu meint: Wo ist dieses Jahr bitte geblieben? 2025 ist an uns vorbeigerast, vollgepackt mit allem Möglichen – Arbeit, Alltag, Weltschmerz, schönen Momenten, zu wenig Ruhe, zu vielen Gedanken. Und irgendwo dazwischen: Bücher. Viele Bücher. Manche haben uns nur kurz begleitet, andere sind geblieben.

Wenn wir auf dieses Jahr zurückblicken, merken wir auch, wie still es hier auf dem Blog geworden ist. Die Gespräche finden inzwischen fast nur noch auf Instagram statt. Schneller, unmittelbarer, aber auch flüchtiger. Gleichzeitig, durch den neuen Algorithmus, seltener. Und ja: Ich finde das schade und streckenweise echt frustrierend. Das Bloggen war irgendwie schöner. Und Texte wie diese hier brauchen Raum, Zeit, Langsamkeit. Vielleicht ist das ja ein guter Vorsatz für 2026: wieder öfter hierher zurückzukehren. Mehr schreiben, weniger scrollen.

7 Bücher für den Frühling: Geschichten über Aufbruch, Natur und neue Perspektiven

7 Bücher für den Frühling

Der Frühling ist die Jahreszeit des Neubeginns – die Welt erwacht, die Tage werden heller, und alles scheint voller Möglichkeiten. Was könnte besser dazu passen als Bücher, die genau dieses Gefühl einfangen? Hier sind sieben wunderbare Romane und Erzählungen, die perfekt in diese Zeit passen.

Caleb Azumah Nelson – Open Water

Caleb Azumah Nelson - Open Water Rezension

Poetisch, kraftvoll und roh – Open Water von Caleb Azumah Nelson ist ein meisterhafter Roman über die Realität Schwarzer Identität in Großbritannien und die Suche nach Zugehörigkeit.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen ein namenloser junger Fotograf und eine Tänzerin, deren Verbindung als Freundschaft beginnt und sich langsam zu einer innigen Liebe entwickelt. Sie finden in dem jeweils anderen ein Zuhause, eine Zuflucht in einer Welt, die oft unbarmherzig ist. Doch ihre Beziehung bleibt nicht unberührt von äußeren Einflüssen: Polizeigewalt, Alltagsrassismus und der ständige Generalverdacht gegen Schwarze Menschen in London stellen ihre Liebe auf die Probe.

Literarische Jahreshighlights 2024

Literarische Highlights 2024

2024 war glaube ich für mehr oder weniger alle ein herausforderndes Jahr, in dem viel passiert ist. Eine zuverlässige Konstante dabei waren aber die Bücher, vor allem gute Bücher, einnehmende Geschichten und kluge Beobachtungen.

Vorsätze für das neue Jahr machen wir uns wieder einmal nicht, weder allgemein noch aufs Lesen bezogen. Auch ein Jahresziel an gelesenen Büchern haben wir nicht festgelegt, das ist einfach nichts für uns und oft nicht mit weiteren Hobbys, dem Leben in all seinen Facetten und unvorhergesehenen Wendungen vereinbar. Unser Wunsch für 2025 lautet daher: tolle Bücher lesen, neue Autor: innen entdecken, unzählige Stunden in anderen Welten und Lebensrealitäten verbringen, erkunden, dazulernen, abtauchen, abschalten, genießen, ein breites Spektrum an Gefühlen fühlen.

2024 hat das alles ganz gut geklappt mit folgenden Büchern:

Female Rage und Unhinged Women in der Literatur

Female Rage und Unhinged Women in der Literatur
Wir Frauen sind wütend.

Doch diese Wut ist keine neue Erscheinung – sie ist vielmehr eine Emotion, die über Jahrhunderte systematisch unterdrückt und tabuisiert wurde. Doch in der modernen Literatur und Popkultur findet sie endlich ihren Platz. Besonders im englischsprachigen Raum sind Unhinged Women – unberechenbare, wütende, komplexe Protagonistinnen – in den letzten paar Jahren zu einem festen Bestandteil der kulturellen Landschaft geworden. Doch was steckt hinter diesem Phänomen, und warum gewinnt Female Rage gerade jetzt so stark an Bedeutung?

Japanische Literatur abseits von Murakami: Starke weibliche Stimmen aus Japan

Japanische-Literatur-abseits-von-Murakami.jpg

Wenn wir 10 Leute befragen, was oder wen sie mit japanischer Literatur verbinden, werden vermutlich 8 Leute „Haruki Murakami“ antworten. Verdient, würde ich sagen, denn er ist nicht nur einer meiner Lieblingsautoren, sondern extrem populär und erfolgreich. Aber: Bei vielen Menschen hört die Kenntnis genau hier auf.

Dabei hat Japan so viele weitere interessante und talentierte Autor:innen zu bieten. Insbesondere in den letzten paar Jahren haben sich Frauen in Japan selbst, aber auch im englisch- und deutschsprachigen Raum einen Namen mit ihren Büchern gemacht. Allen voran sind wahrscheinlich Banana Yoshimoto und Sayaka Murata zu nennen, DIE weiblichen Stars der aktuellen japanischen Literaturszene.