Zitat des Tages: Aus Haruki Murakamis „Kafka am Strand“

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„Wir alle verlieren ständig Dinge, die uns wichtig sind“, sagte er, nachdem das Klingeln aufgehört hat. „Wichtige Gelegenheiten und Möglichkeiten, oder unwiederbringliche Gefühle. Das macht das Leben aus. Aber in unserem Kopf – oder vielleicht sogar der Kopf selbst – ist ein kleines Zimmer, in dem diese Dinge als Erinnerungen aufbewahrt bleiben. Ein Zimmer wie unsere Bibliothek. Und um über unseren genauen geistigen Zustand auf dem Laufenden zu sein, müssen wir die Karteikarten in diesem Zimmer ständig ergänzen. Wir müssen reinigen, lüften und das Blumenwasser wechseln. Anders ausgedrückt, man lebt auf Ewigkeit in seiner eigenen Bibliothek.“

Haruki Murakami, „Kafka am Strand“

Zitat des Tages: Aus L. Frank Baums „Der Zauberer von Oz“

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„Als ich verliebt war, war ich der glücklichste Mann auf Erden. Aber niemand kann lieben, der kein Herz hat, und deshalb bin ich entschlossen, Oz um ein Herz zu bitten. Gibt er mir eines, will ich zurück zu dem Munchkinmädchen gehen und sie heiraten.“
Dorothy und Vogelscheuche hatten der Geschichte des Blechholzfällers sehr interessiert zugehört und wußten jetzt, weshalb er unbedingt ein neues Herz haben wollte.
„Gleichviel,“ sagte Vogelscheuche, „ich werde um Verstand statt um ein Herz bitten, denn ein Dummkopf wüßte nicht, was er mit einem Herz anfangen soll, falls er eins hat.“
„Ich werde das Herz nehmen,“ entgegnete der Blechholzfäller, „denn Verstand macht einen nicht glücklich, und Glück ist die beste Sache der Welt.“

L. Frank Baum, „Der Zauberer von Oz“

Zitat des Tages: Aus Carlos Ruiz Zafóns „Der Schatten des Windes“

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Einmal hörte ich einen Stammkunden in der Buchhandlung meines Vaters sagen, wenige Dinge prägten einen Leser so sehr wie das erste Buch, das sich wirklich einen Weg zu seinem Herzen bahne. Diese ersten Seiten, das Echo dieser Worte, die wir zurückgelassen glaubten, begleiten uns ein Leben lang und meißeln in unserer Erinnerung einen Palast, zu dem wir früher oder später zurückkehren werden, egal, wie viele Bücher wir lesen, wie viele Welten wir entdecken, wie viel wir lernen oder vergessen.

Carlos Ruiz Zafón, „Der Schatten des Windes“.

Zitat des Tages: Aus Thomas Glavinics „Die Arbeit der Nacht“

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Eigentlich war er ein Klumpen Fleisch, der sich durch die Welt tastete. Was er über sie wußte, wußte er vor allem durch seine Augen.Durch sie konnte er sich orientieren, Entscheidungen treffen, vermied er Zusammenstöße. Aber nichts und niemand konnte ihm garantieren, daß sie die Wahrheit sagten. Farbenblindheit war nur ein harmloses Beispiel für mögliche Unwahrheiten. Die Welt konnte so aussehen oder anders. Für ihn existierte sie auf eine einzige mögliche Weise, nämlich in der Form, die ihm seine Augen gestatteten. Sein Ich, das war ein blindes Etwas in einem Käfig. Sein Ich war alles, was sich innerhalb seiner Haut befand. Die Augen, sie gehörten dazu – und auch nicht.

Zitat des Tages: Aus Paul Austers „Winterjournal“

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Du kannst dich selbst nicht sehen. Du weißt, wie du aussiehst, Spiegeln und Fotos sei Dank, aber wenn du dich draußen in der Welt  unter deinen Mitmenschen bewegst, seien es Freunde, Fremde oder die innigst Geliebten, ist dein Gesicht für dich unsichtbar. Du kannst andere Teile von dir sehen, Hände und Füße, Schultern und Oberkörper, aber nur die Vorderseite, nicht die Rückseite, außer der Rückseite deiner Beine, wenn du sie in die richtige Position verdrehst, aber nicht dein Gesicht, nie dein Gesicht, aber letztendlich – zumindest soweit es andere betrifft – ist dein Gesicht doch, wer du bist, die wesentliche Tatsache deiner Identität. Pässe enthalten keine Fotos von Händen und Füßen. Selbst du, der du jetzt vierundsechzig Jahre in deinem Körper lebst, wärst wahrscheinlich nicht in der Lage, deinen Fuß auf einem einzelnen Foto deines Fußes zu erkennen, zu schweigen von deinem Ohr, deinem Ellbogen oder einem deiner Augen in Nahaufnahme. Alles so vertraut im Kontext des Ganzen, aber absolut anonym, wenn es Stück für Stück betrachtet wird. Wir alle sind uns selbst fremd, und wenn wir irgendeine Ahnung haben, wer wir sind, dann nur, weil wir in den Augen anderer leben.

 

  • Paul Auster: Winterjournal.