Zitat des Tages: Aus Roberto Bolaños „Die wilden Detektive“

Zitat Roberto Bolano die wilden Detektive

Über einen gewissen Zeitraum hinweg begleitet die Kritik das Werk, ehe sie entschwindet und die Leser seine Begleiter werden. Die Reise kann von sehr langer oder sehr kurzer Dauer sein. Danach sterben die Leser einer nach dem anderen, und das Werk setzt einsam seinen Weg fort, obwohl sich immer wieder neue Kritiken, neue Leser seiner Reise anschließen. Dann stirbt die Kritik ein weiteres Mal, es sterben die Leser, und auf dieser nach und nach mit von Gebeinen bedeckten Straße setzt das Werk seine Reise in die Einsamkeit fort. Sich ihm zu nähern, in seinem Kielwasser zu schwimmen bedeutet den sicheren Tod, und dennoch nähern sich ihm unermüdlich andere Kritiken, andere Leser, die allesamt von Zeit und Geschwindigkeit verschlungen werden. Am Ende reist das Werk in absoluter Einsamkeit durch die unendlichen Weiten. Und eines Tages stirbt es, so wie alle Dinge sterben, so wie die Sonne vergeht, die Erde, das Sonnensystem und die Galaxien und noch die verborgensten Teile des menschlichen Gedächtnisses. Was als Komödie beginnt, endet als Tragödie.

Roberto Bolaño, „Die wilden Detektive“.

Monatsrückblick: Unsere Bücher im Juni

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Der Juni ist vorbei und mit ihm ein spannender und vielseitiger Lesemonat. Wir haben sehr breitgefächert gelesen – von Knausgård und Bolaño über Fantasy und Satire bis hin zum historischen Roman und zur Bandbiographie. Wir haben für euch eine Übersicht über unsere Leseeindrücke zusammengestellt.

Roberto Bolaño – Die wilden Detektive

Der Student Juan Garciá Madero schließt sich während der 70er in Mexiko den viszeralen Realisten an, einer literarischen Avantgarde. Deren Köpfe, Ulises Lima und Arturo Belano, machen sich auf die Suche nach der Urmutter des Realviszeralismus. Dabei ergibt sich sich ein detektivisches Doppelspiel, sie werden in Europa und Israel gesehen, treffen auf allerhand Personen, die von ihnen berichten. Ein Buch wie Die wilden Detektive habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Continue reading „Monatsrückblick: Unsere Bücher im Juni“

Irische Literatur

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Irland ist eines der Länder, die gerne schnell übersehen werden. Die Leute zieht es in die schottischen Highlands oder an die englische Küste und auch bei bekannten englischsprachigen Autoren denkt man zunächst eher an amerikanische oder britische Schriftsteller. Dabei hat Irland sowohl für Reisende als auch für Literaturliebhaber einiges zu bieten. Wir möchten euch heute ein paar irische Autoren und ihre Werke vorstellen.

Sebastian Barry – Mein fernes, fremdes Land

Wie es wohl klingen mag, wenn einer Neunundachtzigjährigen das Herz bricht? Leise und zart, vermutet die Irin Lilly Bere. Viele Herausforderungen hat sie gemeistert, seit sie als junge Frau vor der IRA nach Amerika fliehen musste. Continue reading „Irische Literatur“

6 Literarische Highlights im Herbst

Die Verlage haben ihre Herbstprogramme veröffentlicht – und da sind einige spannende Bücher, die auf uns warten. Sechs Highlights aus den Vorschauen möchten wir euch hier vorstellen.

 

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Jorge Barón Biza – Die Wüste und ihre Samen

Kurz bevor er Selbstmord beging, verwandelte Jorge Barón Biza die Katastrophe im Zentrum seines Lebens in ein literarisches Meisterwerk. In Die Wüste und ihr Samen beschwört er einen radikalen Formverlust. Dieser Roman führt in eine Sphäre, in der Linien, Konturen, Grenzen keinen Halt mehr geben und vom Menschsein nichts bleibt als ein Schwindel. Continue reading „6 Literarische Highlights im Herbst“

#WomeninSciFi – Ann Leckies „Die Maschinen“

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Einige von euch werden es sicherlich schon mitbekommen haben, dass Sabine vom Blog bingereader.org vor einiger Zeit für das Jahr 2018 das Thema „Women in SciFi“ ausgerufen hat. Wie sie darauf gekommen ist und worum es sich dabei genau handelt, erfahrt ihr hier. Wir möchten jedem von euch Sabines Blog und auch ihre Aktion „Women in SciFi“ mit Nachdruck empfehlen. Continue reading „#WomeninSciFi – Ann Leckies „Die Maschinen““