Mercedes Lauenstein – Blanca

Mercedes Lauenstein Blanca Rezension

Blanca von Mercedes Lauenstein ist ein wilder und rotziger Roadtrip vom Ausbrechen und Suchen, von Loslassen und Finden.

Blanca ist fünfzehn Jahre alt, als sie von Zuhause ausreißt. Zuhause ist vielleicht zu viel gesagt – denn Blanca und ihre Mutter Anna haben kein normales, festes Zuhause, sondern ziehen ständig umher und wohnen immer dort, wo es gerade passt. Nach einem heftigen Streit in der Hamburger WG, in der sie gerade unterkommen, hat Blanca genug von ihrer unberechenbaren, streitsüchtigen und egozentrischen Mutter und macht sich auf den Weg nach Italien zu Toni und Karl, wo sie vor einigen Jahren als Kind zum allerersten Mal so etwas wie Familie und Normalität spüren durfte.

Nicole Seifert – Frauen Literatur

Nicole Seifert Frauen Literatur Rezension

Nicole Seiferts literaturwissenschaftliches Sachbuch Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt ist informativ, interessant und macht dabei unfassbar wütend.

Sogenannte „Frauenliteratur“ (Literatur von Autorinnen) wird oft in eine Schublade gesteckt: Seicht, irrelevant, nur für Leserinnen interessant. Auch heute noch. Seit Jahrhunderten meinen Männer, Frauen hätten nichts zu sagen und geben ihnen dementsprechend keinerlei Raum im literarischen Bereich. Sie wurden am Schreiben gehindert, nicht beachtet, nicht veröffentlicht, nicht in die Literaturkanons der Welt aufgenommen. In der Literaturkritik wurden und werden sie deutlich weniger und deutlich negativer besprochen und von der „Hochliteratur“ systematisch ausgeschlossen. The list goes on.

Fernanda Melchor – Paradais

Fernanda Melchor Paradais Rezension

Fernanda Melchors neuer Roman Paradais ist ein sprachlich wie atmosphärisch großartiger Roman über Frauenhass und Klassenunterschiede und festigt ihre Position als eine der wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen Mexikos.

Polo ist 16, hat keinen Schulabschluss und arbeitet als Gärtner in der Luxus-Wohnanlage „Paradais“. Doch ein Paradies ist es für den Jungen bei weitem nicht: Um seiner anstrengenden Mutter und seiner hochschwangeren Cousine zu entkommen, betrinkt er sich jeden Abend mit einem der Bewohner, Franco. Dieser hat ein Auge auf die wesentlich ältere und extrem attraktive Señora Marián geworfen, von der er geradezu besessen ist. Jeden Tag erträgt Polo Francos ekelhafte und brutale Fantasien, nur um seinem eigenen trostlosen Leben für ein paar weitere Stunden zu entfliehen – bis aus Francos Fantasien Realität wird.

Jahresrückblick: Unsere besten Bücher 2021

2021 literarische Highlights

Ein frohes neues Jahr allerseits!
Etwas verspätet möchten wir euch nun auch unsere Highlights aus dem Lesejahr 2021 präsentieren. Einige von ihnen haben wir ausführlich auf dem Blog besprochen. Zu ihren Rezensionen gelangt ihr, wenn ihr auf den entsprechenden Titel klickt. Im Folgenden erfahrt ihr, welche Bücher – Romane, Erzählungen und Sachbücher – uns besonders begeistern konnten und warum.

Sayaka Murata – Das Seidenraupenzimmer (Earthlings)

Sayaka Murata Das Seidenraupenzimmer Earthlings

Sayaka Muratas neuer Roman Das Seidenraupenzimmer erzählt wieder von einer Frau am Rande der Gesellschaft – dieses Mal intensiver, morbider und brutaler.

„I want us both to stay safe so we can meet again next summer. I want us to promise that we will do whatever it takes to survive and be in good spirits when we meet up again next year.“

Als Kind ist Natsuki der festen Überzeugung, dass sie ein Alien von einem fernen Planeten ist. Das würde zumindest erklären, warum sie sich in ihrer Familie und in der Schule so fremd fühlt. Nur ihr Cousin Yuu versteht sie – aber vielleicht kommt auch er vom Planeten Popinpobopia? Natsuki und Yuu schmieden einen Pakt: Überleben, was auch immer es kostet.

Judith Hermann – Daheim

Judith Hermann Daheim Büchergilde

Lakonisch, poetisch und atmosphärisch: in Daheim erzählt Judith Hermann von einer Frau, die ein neues Leben beginnt. Ein Roman voller Abgründe, der sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetzt.

Zu Beginn lebt die namenlose Ich-Erzählerin in einer Existenz zwischen ihrer Arbeit in einer Zigarettenfabrik und dem Blick auf eine Tankstelle von ihrem Balkon aus. Dieser feste Rhythmus wird von einem Mann unterbrochen, der sie als Assistentin für einen Zaubertrick gewinnen will. Sie besucht den Magier und dessen Frau und lässt sich in einer Kiste scheinbar zersägen. Statt jedoch das Angebot anzunehmen und auf einem Kreuzfahrtschiff nach Singapur zu fahren, um unterwegs die Gäste zu unterhalten, bleibt sie lieber auf ihrem Balkon und raucht. Darauf folgt ein Sprung von mehreren Jahrzehnten.

Lisa Taddeo – Animal

Lisa Taddeo Animal RezensionLisa Taddeos aktueller Roman Animal ist ein verstörender und dringlicher Roman über toxische Männlichkeit, Macht in Beziehungen und die Verdrängung von Traumata.

I drove myself out of New York City where a man shot himself in front of me. He was a gluttonous man and when his blood came out it looked like the blood of a pig. That’s a cruel thing to think, I know.

Hiromi Kawakami – People from my Neighbourhood

Hiromi Kawakami People from my Neighbourhood RezensionHiromi Kawakamis schmale, episodenhafte Kurzgeschichtensammlung People from my Neighbourhood ist absolut wundersam, merkwürdig, unterhaltsam und bezaubernd.

Auf nur 121 Seiten berichtet eine namenlose Erzählerin in Episoden von jeweils 1 bis 5 Seiten aus ihrem Leben in einer unbekannten japanischen Kleinstadt. Kindheitserinnerungen folgen auf aktuelle Begebenheiten sowie Erzählungen und Tratsch der Bewohner. Dabei bewegen sich alle Kurzgeschichten weitgehend im magischen Realismus bzw. im Surrealismus.

Buchmesse Spezial: Kanadische Literatur

Frankfurter Buchmesse Kanadische Literatur

Die Frankfurter Buchmesse 2021 steht bevor: Vom 20. bis zum 24. Oktober findet DAS Event der Literaturbranche statt. In diesem wie auch bereits im letzten Jahr ist Kanada das Gastland. Seit jeher steht das Land trotz weltbekannter und renommierter Künstler*innen wie Margaret Atwood, Alice Munro, Neil Young, Joni Mitchell oder Leonard Cohen ein wenig im Schatten seines unmittelbaren Nachbarn, den Vereinigten Staaten. Doch als vielseitiges, lebendiges und multikulturelles Land bietet Kanada eine breite Literaturlandschaft und viele interessante Autor*innen, die es zu entdecken gilt. Einige von ihnen möchten wir euch mitsamt ihrer Werke im Folgenden vorstellen.

Carlos Ruiz Zafón – Der Friedhof der vergessenen Bücher

Carlos Ruiz Zafón Der Friedhof der vergessenen Bücher Rezension

Carlos Ruiz Zafóns Geschenk an seine Leser*innen: Der Friedhof der vergessenen Bücher ist ein gelungener Abschied des verstorbenen Autors.

Der junge David Martín verliebt sich in das mysteriöse Mädchen Blanca, die kleine Laia wird von ihrem Vater als Tochter-Ersatz an eine fremde Familie verkauft und der Schriftsteller Miguel de Cervantes geht einen gefährlichen Pakt ein, um endlich erfolgreich zu sein. In elf mal kürzeren, mal längeren Erzählungen entführt uns der spanische Altmeister der modernen Schauergeschichten erneut nach Barcelona.

Weit hinten wucherte das Viertel Poble Nou einem Horizont aus Asche und Schatten entgegen. Die Stadt der Fabriken zeichnete den dunklen Widerschein eines von Schloten entflammten Barcelonas, die zu Hunderten ihren schwarzen Atem in den scharlachroten Himmel ausdünsteten.