
Es gibt diese Momente nach der letzten Seite eines Romans, in denen man das Buch nicht einfach ins Regal zurückstellt. Man legt es weg, fast ein wenig vorsichtig, und spürt eine seltsame Unruhe. Es ist kein gutes Gefühl im Sinne von Entspannung oder Bestätigung. Es ist Reibung. Ein geistiger Muskelkater, der tagelang anhält.
In letzter Zeit beobachte ich jedoch – sowohl in den Kommentarspalten von Social Media als auch in der internationalen Literaturkritik –, dass genau diese Reibung zunehmend als Defizit wahrgenommen wird. Wir erleben eine schleichende Remoralisierung der Belletristik. Ein Buch soll heute oft gut tun, es soll validieren oder zumindest moralisch auf der richtigen Seite stehen. Doch was passiert mit der Kunst, wenn wir die Ambivalenz aus ihr herausfiltern, um sie konsumierbar zu machen?









