Patrícia Melo – Gestapelte Frauen

Patricia Melo Gestapelte Frauen Rezension

Patrícia Melo hat mit Gestapelte Frauen einen wichtigen brasilianischen Roman geschrieben – sprachlich und inhaltlich eine Wucht.

„Sind das Einzelfälle?“, fragte die Frau der Grünen Steine.
„Nein“, antwortete ich. „Das Gemetzel hat System.“
„Dann ist es ein Krieg“, sagte die Frau der Grünen Steine.
„Eine Epidemie“, behauptete eine schwangere Frau.
Ich sagte: „Tatsache ist, dass die Männer töten und wir sterben.“

Megan Hunter – Die Harpyie

Megan Hunter Die Harpyie Rezension
Megan Hunters Roman Die Harpyie erzählt eindrücklich und hypnotisch von einer gescheiterten Ehe und einer Frau, die langsam aber sicher an ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter zerbricht.

Die Harpyie ist eine Expertin im Stehlen. […] Sie fährt herab wie eine Sturmbö: nimmt alles fort.

Lucy ist gefangen in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter in einer englischen Kleinstadt – bis sie eines Tages herausfindet, dass ihr Ehemann Jake sie mit einer Arbeitskollegin betrügt. Um ihre Ehe zu retten, einigen sich die beiden, dass Lucy Jake dreimal Schmerzen zufügen darf. Wie, ist ihr frei überlassen und soll für Jake überraschend kommen. Doch ist es genug, die eigenen Rachefantasien auszuleben, um die verlorengegangene Vertrautheit wiederherzustellen?

Gabriel Josipovici – Wohin gehst du, mein Leben?

Gabriel Josipovici Wohin gehst du, mein Leben? Rezension

Gabriel Josipovici erzählt in Wohin gehst du, mein Leben? von Routinen und einem scheinbar klaren Lebensweg. Ein Roman voller Poesie und Vieldeutigkeit.

Nach dem Tod seiner ersten Frau ist er von London nach Paris gezogen, später, mit seiner zweiten Frau, von Paris nach Wales. Überall lebt er zurückgezogen als Übersetzer aus dem Französischen, mit festen Routinen und Abläufen. Als Kenner von Musik und Literatur ist er ein Mann mit festen Meinungen. Was und wie er ist, ist er scheinbar schon immer gewesen und mit seinem Tun ist er bereits länger beschäftigt, als er sich erinnern kann.

Bae Suah – Untold Night and Day

Bae Suah Untold Night and Day Rezension

Bae Suahs kurzer Roman Untold Night and Day liest sich wie ein fiebriger Traum in einer heißen Sommernacht.

Ayami arbeitet in einem Audiotheater in Seoul, in dem Performances für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen stattfinden. Es ist ein ruhiger Job, denn nicht viele Leute wissen um die Existenz des Theaters. In diesem unglaublich heißen und stickigen Sommer jedoch findet die letzte Aufführung statt und das Theater muss für immer schließen. Ayami fühlt sich verloren, bis ihre Bekannte und Deutschtutorin sie mit der Aufgabe betreut, einen ausländischen Poeten am Flughafen abzuholen und in Seoul zu begleiten. Doch bei ihrer Rückkehr zu ihrem Apartment müssen die beiden feststellen, dass die Frau spurlos verschwunden ist.

Oyinkan Braithwaite – Meine Schwester, die Serienmörderin

Oyinkan Braithwaite Meine Schwester die Serienmörderin Rezension

Oyinkan Braithwaites Roman Meine Schwester, die Serienmörderin ist bizarr, düster, rasant und amüsant – und damit beste Unterhaltung für Zwischendurch.

Korede und ihre jüngere Schwester Ayoola haben ein angespanntes Verhältnis: Ayoola ist deutlich hübscher, beliebter, geht völlig egozentrisch und ignorant durchs Leben – und hat ihren dritten Freund ermordet. Trotz ihrer Differenzen hält Korede zu ihrer Schwester und hilft ihr jedes Mal aus. Die Krankenschwester ist geübt darin, blutige Spuren zu verwischen und zeigt ein erstaunliches Talent bei der Beseitigung der Leichen und der Tatortreinigung. Doch die Spannungen zwischen den beiden ungleichen Schwestern werden größer, als Ayoola an Koredes Arbeitsplatz auftaucht und ein Auge auf deren Schwarm, den attraktiven Doktor, wirft. Was ist, wenn er ihr nächstes Opfer wird?

Haruki Murakami – Erste Person Singular

Haruki Murakami Erste Person Singular Rezension

Haruki Murakami ist zurück: Sein neuer Kurzgeschichtenband Erste Person Singular erzählt eindrucksvoll von den banalen und besonderen Momenten des Lebens.

Womöglich erscheint einem der Tod eines Traums trauriger als der eigentliche Tod.

Erste Person Singular ist eine Sammlung von acht Erzählungen, die von einfachen und besonderen Momenten im Leben ihrer Ich-Erzähler handeln. Eine Frau schenkt einem der Erzähler einen Gedichtband mit merkwürdigen Tankas, die von Enthauptungen handeln. Ein anderer Protagonist veröffentlicht einen Text über eine fiktive Bossa Nova-Platte Charlie Parkers, um ihn später genau diese Songs spielen zu hören, die es doch gar nicht gibt. Murakamis Kurzgeschichten zeigen uns auf so alltägliche und vertraute, gleichzeitig aber herrlich merkwürdige und spezielle Art verschiedene Facetten ihrer Erzähler – und ihres Autors selbst.

7 starke Buchempfehlungen zum Indiebookday 2021

Indiebookday 2021

Es ist wieder soweit – Heute, am 20. März, ist Indiebookday! Ins Leben gerufen wurde diese unglaublich tolle Initiative im Jahr 2013 vom mairisch-Verlag, einem, genau, Independent-Verlag mit Sitz in Hamburg.

Der Plan: Jeder Buchliebhaber geht an einem bestimmten Tag im März in den Buchhandel seines Vertrauens (dieses Jahr ist es Samstag, der 20.03.) und kauft sich ein Buch aus einem Independent-Verlag, um die Indie-Literaturszene zu entdecken und zu fördern. Besonders wichtig hierbei ist auch, nicht einfach nur auf Amazon zu bestellen, sondern neben den kleinen Verlagen auch die kleinen Buchhandlungen zu unterstützen.

Melanie Raabe – Kreativität. Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht

Melanie Raabe Kreativität Rezension

Thriller-Autorin Melanie Raabe hat mit Kreativität. Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht ein unterhaltsames und inspirierendes Sachbuch zum Thema Kreativität geschrieben.

Kreativität ist die Fähigkeit in uns, die Zauberei am nächsten kommt. Mit dieser Fähigkeit können wir die Welt verbessern, verschönern. Nicht nur berühmte Künstlerinnen oder geniale Erfinder. Wir alle.

Was ist Kreativität? Wie finden wir sie und können sie aktiv nutzen? Melanie Raabe nähert sich in ihrem Sachbuch/Ratgeber diesen Fragen. Sie schreibt in sieben Kapiteln über ihren eigenen Weg, über Routinen und Beharrlichkeit, die Schwierigkeiten des Anfangens, wie man „sein Ding“ findet und wie Kreativität nicht nur in Krisen erblüht, sondern uns auch durch diese hindurch hilft.

Julian Barnes – Der Mann im roten Rock

Julian Barnes Der Mann im roten Rock Rezension

In Der Mann im roten Rock erzählt Julian Barnes von einer neurotisch anmutenden Epoche und dem Arzt Samuel Pozzi. Pointiert mischt Barnes Fakten und zeitgenössische Gerüchte zu einer Kulturgeschichte.

Julian Barnes porträtiert in seinem neuen Buch Der Mann im roten Rock den Arzt Samuel Pozzi (1846-1918), einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie. Wer die Romane von Julian Barnes kennt, weiß, dass Kunst in ihnen häufig eine wichtige Rolle spielt.

Samanta Schweblin – Hundert Augen

Samanta Schweblin Hundert Augen Rezension

Samanta Schweblins Hundert Augen ist ein spannender und kurzweiliger dystopischer Roman, der unseren heutigen Umgang mit den sozialen Medien klug weiterspinnt, aber leider keinen dauerhaft bleibenden Eindruck hinterlässt.

Mehrere Männer, Frauen und Jugendliche, sowie zahlreiche kleine, mit Kameras ausgestattete Plüsch-Roboter namens Kentukis sind die Protagonisten in Schweblins Roman. Sie sitzen in Deutschland, Mexiko, Kanada. Diejenigen, die einen besitzen, teilen ihr Leben und ihren Alltag mit denjenigen, die auf der anderen Seite der Kentuki-Augen sitzen. Kentukis sind stumm, das bedeutet, es gibt keinen direkten Austausch, außer Besitzer und Beobachter tauschen Telefonnummern oder E-Mail-Adressen aus, oder erfinden ihr eigenes Kommunikationssystem. Das ist spannend für alle Beteiligten – führt nach und nach aber zu heiklen Situationen, ungeahnten Bindungen und großen Konflikten. Denn nicht alle User nutzen Kentukis, um neue Freundschaften zu schließen.