Jahresrückblick: Unsere besten Bücher 2021

2021 literarische Highlights

Ein frohes neues Jahr allerseits!
Etwas verspätet möchten wir euch nun auch unsere Highlights aus dem Lesejahr 2021 präsentieren. Einige von ihnen haben wir ausführlich auf dem Blog besprochen. Zu ihren Rezensionen gelangt ihr, wenn ihr auf den entsprechenden Titel klickt. Im Folgenden erfahrt ihr, welche Bücher – Romane, Erzählungen und Sachbücher – uns besonders begeistern konnten und warum.

Sayaka Murata – Das Seidenraupenzimmer (Earthlings)

Sayaka Murata Das Seidenraupenzimmer Earthlings

Sayaka Muratas neuer Roman Das Seidenraupenzimmer erzählt wieder von einer Frau am Rande der Gesellschaft – dieses Mal intensiver, morbider und brutaler.

„I want us both to stay safe so we can meet again next summer. I want us to promise that we will do whatever it takes to survive and be in good spirits when we meet up again next year.“

Als Kind ist Natsuki der festen Überzeugung, dass sie ein Alien von einem fernen Planeten ist. Das würde zumindest erklären, warum sie sich in ihrer Familie und in der Schule so fremd fühlt. Nur ihr Cousin Yuu versteht sie – aber vielleicht kommt auch er vom Planeten Popinpobopia? Natsuki und Yuu schmieden einen Pakt: Überleben, was auch immer es kostet.

Judith Hermann – Daheim

Judith Hermann Daheim Büchergilde

Lakonisch, poetisch und atmosphärisch: in Daheim erzählt Judith Hermann von einer Frau, die ein neues Leben beginnt. Ein Roman voller Abgründe, der sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetzt.

Zu Beginn lebt die namenlose Ich-Erzählerin in einer Existenz zwischen ihrer Arbeit in einer Zigarettenfabrik und dem Blick auf eine Tankstelle von ihrem Balkon aus. Dieser feste Rhythmus wird von einem Mann unterbrochen, der sie als Assistentin für einen Zaubertrick gewinnen will. Sie besucht den Magier und dessen Frau und lässt sich in einer Kiste scheinbar zersägen. Statt jedoch das Angebot anzunehmen und auf einem Kreuzfahrtschiff nach Singapur zu fahren, um unterwegs die Gäste zu unterhalten, bleibt sie lieber auf ihrem Balkon und raucht. Darauf folgt ein Sprung von mehreren Jahrzehnten.

Lisa Taddeo – Animal

Lisa Taddeo Animal RezensionLisa Taddeos aktueller Roman Animal ist ein verstörender und dringlicher Roman über toxische Männlichkeit, Macht in Beziehungen und die Verdrängung von Traumata.

I drove myself out of New York City where a man shot himself in front of me. He was a gluttonous man and when his blood came out it looked like the blood of a pig. That’s a cruel thing to think, I know.

Hiromi Kawakami – People from my Neighbourhood

Hiromi Kawakami People from my Neighbourhood RezensionHiromi Kawakamis schmale, episodenhafte Kurzgeschichtensammlung People from my Neighbourhood ist absolut wundersam, merkwürdig, unterhaltsam und bezaubernd.

Auf nur 121 Seiten berichtet eine namenlose Erzählerin in Episoden von jeweils 1 bis 5 Seiten aus ihrem Leben in einer unbekannten japanischen Kleinstadt. Kindheitserinnerungen folgen auf aktuelle Begebenheiten sowie Erzählungen und Tratsch der Bewohner. Dabei bewegen sich alle Kurzgeschichten weitgehend im magischen Realismus bzw. im Surrealismus.

Buchmesse Spezial: Kanadische Literatur

Frankfurter Buchmesse Kanadische Literatur

Die Frankfurter Buchmesse 2021 steht bevor: Vom 20. bis zum 24. Oktober findet DAS Event der Literaturbranche statt. In diesem wie auch bereits im letzten Jahr ist Kanada das Gastland. Seit jeher steht das Land trotz weltbekannter und renommierter Künstler*innen wie Margaret Atwood, Alice Munro, Neil Young, Joni Mitchell oder Leonard Cohen ein wenig im Schatten seines unmittelbaren Nachbarn, den Vereinigten Staaten. Doch als vielseitiges, lebendiges und multikulturelles Land bietet Kanada eine breite Literaturlandschaft und viele interessante Autor*innen, die es zu entdecken gilt. Einige von ihnen möchten wir euch mitsamt ihrer Werke im Folgenden vorstellen.

Carlos Ruiz Zafón – Der Friedhof der vergessenen Bücher

Carlos Ruiz Zafón Der Friedhof der vergessenen Bücher Rezension

Carlos Ruiz Zafóns Geschenk an seine Leser*innen: Der Friedhof der vergessenen Bücher ist ein gelungener Abschied des verstorbenen Autors.

Der junge David Martín verliebt sich in das mysteriöse Mädchen Blanca, die kleine Laia wird von ihrem Vater als Tochter-Ersatz an eine fremde Familie verkauft und der Schriftsteller Miguel de Cervantes geht einen gefährlichen Pakt ein, um endlich erfolgreich zu sein. In elf mal kürzeren, mal längeren Erzählungen entführt uns der spanische Altmeister der modernen Schauergeschichten erneut nach Barcelona.

Weit hinten wucherte das Viertel Poble Nou einem Horizont aus Asche und Schatten entgegen. Die Stadt der Fabriken zeichnete den dunklen Widerschein eines von Schloten entflammten Barcelonas, die zu Hunderten ihren schwarzen Atem in den scharlachroten Himmel ausdünsteten.

Douglas Stuart – Shuggie Bain

Douglas Stuart Shuggie Bain Rezension

Zwischen Elend, Gewalt, Hoffnung und tiefer Zuneigung: Douglas Stuarts Debütroman Shuggie Bain über eine verzweifelte Mutter-Sohn-Beziehung geht nahe und bleibt noch lange in Erinnerung.

Umgeben von der Armut einer Arbeiterfamilie ist Shuggie anders: zart, gefühlvoll und feminin. Er wächst in den 80er Jahren in Glasgow auf, wo die Wirtschaftskrise allgegenwärtig ist. Seine Mutter ist die einzige, die ihn zu verstehen scheint. Sie trotzt der grauen Wirklichkeit durch auffälliges Makeup und glamouröse Kleidung – und sucht immer mehr Zuflucht im Alkohol. Shuggies Ziel ist es, sie zu beschützen, mit unerschütterlicher Liebe und großer Hingabe. Eine Aufgabe, an der letztlich scheitern muss.

Haemin Sunim – The Things You Can See Only When You Slow Down

Haemin Sunim The Things You Can See Only When You Slow Down Rezension

In The Things You Can See Only When You Slow Down schreibt  der südkoreanische buddhistische Mönch Haemin Sunim in Anekdoten, Zitaten und Ratschlägen über das moderne hektische Leben und die Vorteile, zu entschleunigen, die Dinge aus der Distanz zu betrachten und die Schönheit in unserem Alltag zu entdecken. Dieses wundervolle Büchlein ist 2012 erstmals erschienen und stand ganze 41 Wochen lang in Südkorea auf dem ersten Platz der Bestsellerliste, während es gleich mehrere Preise für das beste Buch des Jahres abgeräumt hat. Ich habe es in einer absolut herrlichen Ausgabe von Penguin mit Illustrationen von Young-Cheol Lee.

Patrícia Melo – Gestapelte Frauen

Patricia Melo Gestapelte Frauen Rezension

Patrícia Melo hat mit Gestapelte Frauen einen wichtigen brasilianischen Roman geschrieben – sprachlich und inhaltlich eine Wucht.

„Sind das Einzelfälle?“, fragte die Frau der Grünen Steine.
„Nein“, antwortete ich. „Das Gemetzel hat System.“
„Dann ist es ein Krieg“, sagte die Frau der Grünen Steine.
„Eine Epidemie“, behauptete eine schwangere Frau.
Ich sagte: „Tatsache ist, dass die Männer töten und wir sterben.“