Karosh Taha – Beschreibung einer Krabbenwanderung

Karosh Taha Beschreibung einer Krabbenwanderung Rezension

Karosh Tahas Debütroman Beschreibung einer Krabbenwanderung ist ein sprachlich wie inhaltlich extrem gelungenes Werk über das Erwachsenwerden zwischen zwei Kulturen.

Ich glaube, Vergessen ist ein schöneres Geschenk als Erinnern.

Sanaa studiert, hat einen Freund und einen Liebhaber. Ihre depressive Mutter Asija verlässt kaum das Schlafzimmer, außer, um nachts auf dem Balkon zu stehen und den Mond anzustarren. Nasser, ihr Vater, entfernt sich immer mehr von der Familie und ist kaum noch zuhause. Ihre Tante Khalida, die schreckliche Nachbarin und all die anderen „Hochhausfrauen“ haben den ganzen Tag nichts besseres zu tun, als vom Balkon zu starren oder in Sanaas Wohnzimmer zu sitzen, eine Zigarette nach der anderen zu qualmen, über andere Leute zu tratschen und sich in Sanaas Leben einzumischen. Nicht gerade die besten Bedingungen, um herauszufinden, wer man ist und was man vom Leben erwartet. Vor allem, wenn die Vergangenheit stets so schwer auf der eigenen Familie lastet und sie unter sich zu erdrücken droht.

Ilka Piepgras (Hg.) – Schreibtisch mit Aussicht

Schreibtisch mit Aussicht Ilka Piepgras Rezension

Ilka Piepgras gewährt in ihrem Buch Schreibtisch mit Aussicht – Schriftstellerinnen über ihr Schreiben spannende und inspirierende Einblicke in das Schaffen von 24 Autorinnen.

Was ist Inspiration? Meines Erachtens ständige Wachsamkeit. Ständig Ausschau halten nach Material, Tag und Nacht, wach und im Schlaf.
– Hilary Mantel

In 24 Texten berichten sowohl deutsche als auch internationale Autorinnen über Ihren Alltag. Es geht unter anderem um das Schreiben im Flow, das Schreiben zwischen Job, Haushalt und der Erziehung eines Kleinkinds, das Schreiben im Schatten des wesentlich erfolgreicheren Partners. Ebenso thematisieren sie Vorurteile, mit denen schreibende Menschen, aber vor allem schreibende Frauen zu kämpfen haben und die Benachteiligungen im Alltag und im Literaturbetrieb.

Kurz und knackig: Unsichtbare Frauen (Caroline Criado-Perez)

Caroline Criado-Perez Unsichtbare Frauen Rezension

„Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ fasst der Untertitel Caroline Criado-Perez‘ Sachbuch Unsichtbare Frauen perfekt zusammen. Denn genau darum geht es hier: um zahlreiche Daten, Statistiken und Informationen, die uns zeigen, dass Entscheidungen in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aus verschiedenen Gründen auf den Erfahrungen, Erlebnissen und auch körperlichen Konstitutionen von Männern basieren.

Es herrscht also der Konsens, Frauen seien anormal, atypisch, einfach falsch. Warum können sie nicht sein wie Männer? Es tut mir leid, dass das weibliche Geschlecht so geheimnisvoll ist, aber wir können eben nicht wie Männer sein. Und diese Tatsache müssen Wissenschaftler, Politiker und Tech-Nerds einfach akzeptieren. Ja, das Einfache ist leichter. Es ist billiger. Aber es entspricht nicht der Realität.

Young-ha Kim – Aufzeichnungen eines Serienmörders

Young-ha Kim Aufzeichnungen eines Serienmörders Rezension

Young-ha Kim ist in Südkorea einer der populärsten Gegenwartsautoren. Mit Aufzeichnungen eines Serienmörders ist nun auch seine erste deutsche Übersetzung erschienen – und macht eine Mords-Lust auf mehr!

Meine letzte Lebensaufgabe steht fest. Ich muss Jutae Park umbringen. Bevor ich vergesse, wer er ist.

Byongsu Kim ist pensionierter Tierarzt – und pensionierter Serienmörder. Seit über 20 Jahren hat er niemanden mehr umgebracht und lebt nun ein ruhiges Leben gemeinsam mit seiner Adoptivtochter Unhi. Doch drei Dinge bereiten Byongsu Unruhe: seine schleichende Alzheimer-Demenz, die ihm den Alltag immer mehr erschwert, die Frauenmorde in seiner Umgebung, sowie der mysteriöse Mann mit dem Geländewagen, der ihm neuerdings ständig begegnet. Ist das etwa Jutae Park, ein Serienmörder-Kollege? Und was hat er im Revier des alten Mannes verloren?

21 Bücher für 2021

21 Bücher für 2021

Nachdem uns dieses Format in den letzten drei Jahren (2018, 2019, 2020) so viel Spaß gemacht hat, stellen wir euch auch in diesem Jahr 21 Bücher vor, die wir 2021 gerne lesen würden. Vollkommen an die Liste halten können, wollen und werden wir uns vermutlich nie (es war sonst immer schon eine Leistung, wenn wir die Hälfte der Bücher auch wirklich lesen), aber in erster Linie dient sie uns sowieso als hervorragende Erinnerung daran, welche interessanten Bücher im Jahr noch so erscheinen und was wir dringend einmal von der Backlist aufholen wollen.

Haruki Murakami – Erste Person Singular

Wer bin ich, wer war ich, wer werde ich sein? Diese Fragen beschäftigen die Ich-Erzähler der acht Geschichten in ›Erste Person Singular‹, dem neuen Erzählband des von Kritik und Publikum gefeierten Weltbestsellerautors Haruki Murakami.

Mieko Kawakami – Brüste und Eier

Mieko Kawakami Brüste und Eier Rezension

Mieko Kawakamis Debütroman Brüste und Eier zeichnet das Porträt einer patriarchalischen japanischen Gesellschaft, die sich langsam aber sicher wandelt – und erlaubt dadurch völlig neue Blickwinkel in der japanischen Literatur.

Der Roman basiert auf der gleichnamigen Novelle Kawakamis, die in Japan bereits 2008 erschien. Im ersten Teil begleiten wir Natsuko, eine aufstrebende Autorin, in dem heißen Sommer, als ihre Schwester Makiko und deren Tochter Midoriko sie besuchen. Makiko arbeitet als Hostess, um sich und Midoriko ernähren zu können, und leidet unter dem gesellschaftlichen Druck, gut aussehen zu müssen – gerade in ihrem Beruf.

Unsere besten Bücher 2020

Unsere besten Bücher 2020 - literarische Jahreshighlights

2020 – was für ein Jahr! Nicht nur in der Welt hat sich viel getan, sondern auch bei uns. Unser Lesetempo hat zwischendurch ordentlich abgenommen und auf dem Blog erscheinen deutlich seltener neue Beiträge. Dafür haben wir in diesem Jahr unsere Leidenschaft für Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen entdeckt und unser Interesse für Kurzgeschichten vertieft. Trotz zahlreicher mittelmäßiger Lektüren konnten wir ein paar eindeutige Highlights ausmachen und wollen sie euch im Folgenden vorstellen.

Zitat des Tages: Maxim Biller über Literatur

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Ich aber glaube, dass gerade der Realismus für die Literatur lebensnotwendig ist. Er ist die absolute Grundvoraussetzung der Literatur – nicht der Malerei, nicht der Musik! –, die aus dem einzigen Grunde entstand, weil es immer wieder Menschen geben wird, besonders empfindliche, verrückte, egoistische Menschen, die auf eine sehr konkrete Weise für die andern über das Leben und also die Wirklichkeit nachdenken. Die herauszufinden versuchen, warum die Welt so ein verrotteter Misthaufen ist und zugleich das Schönste, Herrlichste, was wir uns vorstellen können.

Maxim Biller, „So viel Sinnlichkeit wie der Stadtplan von Kiel“.

Anne Weber – Annette, ein Heldinnenepos

Anne Weber Annette, ein Heldinnenepos Rezension

Anne Webers Annette, ein Heldinnenepos ist die Geschichte einer Freiheitskämpferin zwischen ihren eigenen Idealen und zerstörten Illusionen. Ein literarisches Ereignis, sowohl in seiner Form wie auch in seinem Inhalt, das mit dem Deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnet wurde.

In Kooperation mit der Büchergilde Gutenberg verlosen wir im Rahmen des Büchergilde-Adventskalenders auf unserem Instagram-Kanal ein Exemplar des Buches. Schaut doch dort vorbei, wir wünschen viel Glück!

Susanna Clarke – Piranesi

Susanna Clarke Piranesi Rezension

Susanna Clarke ist nach 16 Jahren mit einem neuen Roman zurück: Doch so interessant Piranesi auch ist, kann er nicht an die Klasse von Jonathan Strange & Mr. Norrell anknüpfen.

Piranesi lebt in Dem Haus, das mit seinen tausenden von Sälen und wiederkehrenden Fluten viele Geheimnisse birgt. Bloß Menschen gibt es hier keine – außer Piranesi und Dem Anderen. Der Andere war es auch, der Piranesi seinen Namen gab. Denn an seinen eigentlichen Namen und an sein Leben vor Dem Haus kann er sich nicht mehr erinnern.