Zitat des Tages: Aus Matt Haigs „Mach mal halblang“

Zitat Matt Haig Mach mal halblang Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten

Das Lesen ist die innige Verbindung zu der Vorstellungskraft eines anderen Menschen.

Häufig wird das Lesen auf seine pädagogische Funktion reduziert. Aber hier liegt ein Missverständnis vor. Das Lesen ist nicht deshalb wichtig, weil es uns Fakten beibringt oder zu einem Job verhilft. Es ist wichtig, weil es uns einen Raum gibt, wo wir jenseits der uns vorgegebenen Realität existieren können. Einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Einen Ort, an dem sich Gedanken finden. Träume. Mitgefühl. Verständnis. Auswege.

Lesen ist ins Wort übertragene Liebe.

Matt Haig, „Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten“.

Michel Houellebecq – Karte und Gebiet

Michel Houellebecq Karte und Gebiet Rezension

Michel Houellebecq schreibt sich selbst in einen Roman ein. Der Künstlerroman Karte und Gebiet ist eines seiner besten Werke.

Der Gegenwartskünstler Jed Martin wird aufgrund seiner Porträts berühmt. Einer der Porträtierten ist der bekannte Schriftsteller Michel Houellebecq. Für eine Ausstellung soll er ein Kapitel zum Katalog beisteuern. Houellebecq erweist sich bei den Treffen mit Jed ganz anders als dieser ihn erwartet hat.

Christoph Ransmayr – Atlas eines ängstlichen Mannes

Christoph Ransmayr Atlas eines ängstlichen Mannes Rezension

Christoph Ransmayr nimmt seine Leser in Atlas eines ängstlichen Mannes mit auf einebeeindruckende Reise um die Welt, erzählt in poetischer Sprache und ausgeschmückt mit stimmungsvollen Details.

Auf dieser Pirschfahrt hatten wir Buckelwalbullen gesehen, die mit wenigen Flukenschlägen die Gesamtheit ihrer ungeheuren Masse aus dem Wasser katapultierten, dann für einen Augenblick in voller Größe über den Wellen und vor den weißen Wolkenfäusten des Tropenhimmels schwebten, bevor sie in einer Explosion schneeiger Gischt und zerreißender Wasservorhänge wieder ins Meer zurückstürzten.

Rückblick: Lesemonat Mai

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Insgesamt acht Bücher haben wir im Mai gelesen, darunter Fantasy, einen Klassiker, Kurzgeschichten und einen äußerst polarisierenden Autor. Im Folgenden erfahrt ihr, welche davon uns besonders überzeugen konnten:

Daniel Kehlmann – Tyll

Daniel Kehlmann versetzt die legendäre Figur des Tyll Ulenspiegel in die Zeit des dreißigjährigen Krieges. Tylls Vater wird wegen Hexerei verurteilt, Tyll flieht mit der Bäckerstochter und zieht fortan als Schausteller durch das vom Krieg zerstörte Land.

Kurz und knackig: Blitzeis (Peter Stamm)

Peter Stamm Blitzeis Kurzgeschichten Rezension

Ein Eisweiher bei Nacht, ein New Yorker Pub an einem verregneten Tag, eine junge, todkranke Frau in einer Klinik, zwei Pärchen, die sich auseinandergelebt haben, ein Mann, der mehr Liebe schenkt als er zurück bekommt, zwei verlorene Seelen, die zueinander finden und sich gegenseitig retten. Peter Stamms Kurzgeschichtenband Blitzeis nimmt seine Leser mit in die klaffende Leere des menschlichen Herzens.

Jeff Vandermeer – Borne

Jeff Vandermeer Borne Rezension

Eine Welt voller mutierter Kinder und einem riesigen fliegenden Bären. Auch mit Borne zeigt Jeff Vandermeer, dass Genre-Grenzen für ihn keine Rolle spielen.

In der nahen Zukunft überlebt Rachel, indem sie in einer zerstörten Stadt nach Überresten von Biotech-Abfall sucht. Dabei wird der Ort von dem riesenhaften Bären Mord heimgesucht. Im Fell von Mord findet Rachel eines Tages ein Wesen, dessen Anziehung sie nicht widerstehen kann.

Karen Thompson Walker – Die Träumenden

Karen Thompson Walker Die Träumenden Rezension

Karen Thompson Walkers Roman Die Träumenden entwirft ein faszinierendes dystopisches Szenario, eingebettet in poetische Sprache.

Es beginnt an einem College in der fiktiven Stadt Santa Lora, Kalifornien. Zuerst ist es nur eine einzelne Studentin, dann kommen weitere junge Mädchen hinzu. Sie fühlen sich fiebrig und müde, fast wie bei einer Grippe, doch nachdem sie ins Bett gehen, wachen sie nicht mehr auf. Sie schlafen, und niemand weiß wieso, oder wie lange. Bald beginnt sich die mysteriöse Krankheit zu verbreiten – und mit ihr die Gerüchte und Ängste unter den Anwohnern.

Zitat des Tages: Aus Françoise Sagans „Bonjour Tristesse“

Francoise Sagan Bonjour Tristesse Zitat

Ich zögere, diesem unbekannten Gefühl, dessen Wehmut und Süße mich bedrücken, einen Namen zu geben, den schönen, ernsten Namen Trauer. Es ist ein so umfassendes, so egoistisches Gefühl, dass ich mich seiner fast schäme, während mir Trauer doch immer als etwas Achtbares erschienen ist. Ich kannte sie vorher nicht, ich kannte nur die Wehmut, das Bedauern, seltener die Reue. Heute aber umschließt mich etwas wie Seide, zermürbend und weich, und trennt mich von den anderen.

Françoise Sagan, „Bonjour Tristesse“

Jaroslav Rudiš – Winterbergs letzte Reise

Jaroslav Rudis Winterbergs letzte Reise Rezension

Jaroslav Rudiš beschreibt in Winterbergs letzte Reise eine Bahnfahrt durch Mitteleuropa und seine Geschichte. Die eigentlich mehr als interessante Handlung leidet unter den ständigen Wiederholungen.

Der in Vimperk geborene Jan Kraus arbeitet als Altenpfleger in Berlin und begleitet schwerkranke Menschen während den letzten Tagen ihres Lebens. Warum er seine Heimat, die Tschechoslowakei, verlassen hat, ist sein Geheimnis. Einer seiner Patienten ist der 1918 geborene Wenzel Winterberg, der nach dem Krieg als Sudetendeutscher vertrieben wurde.

Geliehene Zeit, geliehene Welt: Postapokalyptische Romane

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Postapokalypsen verbinden die meisten Leute vermutlich zunächst mit Zombies, Gewalt und eventuell noch etwas SciFi à la I, Robot. Dass dieses Genre nicht immer sein vorausgehendes Klischee erfüllen muss, zeigen allerdings auch sehr viele Ausnahmen.