Irische Literatur

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Irland ist eines der Länder, die gerne schnell übersehen werden. Die Leute zieht es in die schottischen Highlands oder an die englische Küste und auch bei bekannten englischsprachigen Autoren denkt man zunächst eher an amerikanische oder britische Schriftsteller. Dabei hat Irland sowohl für Reisende als auch für Literaturliebhaber einiges zu bieten. Wir möchten euch heute ein paar irische Autoren und ihre Werke vorstellen.

Sebastian Barry – Mein fernes, fremdes Land

Wie es wohl klingen mag, wenn einer Neunundachtzigjährigen das Herz bricht? Leise und zart, vermutet die Irin Lilly Bere. Viele Herausforderungen hat sie gemeistert, seit sie als junge Frau vor der IRA nach Amerika fliehen musste. Nun verlässt sie der Lebensmut – doch bevor sie geht, hält sie in einem großen Haushaltsbuch ihre Erinnerungen fest: Sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn Männer als bloße Schatten aus dem Krieg zurückkommen, wie entwürdigend es sein kann, im Land der Freiheit die falsche Hautfarbe zu haben, wie hoffnungsvoll die erste Liebe ist – und wie bitter der Verrat eines Freundes. Herzergreifend und poetisch.

John Boyne – Cyril Avery

Seit seiner Geburt steht Cyril Averys Leben unter einem ungünstigen Stern. Als uneheliches Kind hat er nämlich keinen Platz in der konservativen irischen Gesellschaft der 1940er Jahre. Ein exzentrisches Dubliner Ehepaar nimmt ihn in die Familie auf, doch auch dort findet er nicht das Zuhause, nach dem er sich sehnt. In dem katholischen Jungeninternat, auf das sie ihn schicken, lernt er schließlich Julian Woodbead kennen und schließt innige Freundschaft mit ihm. Bis er mehr für den rebellischen Lebemann zu empfinden beginnt und auch dieser Halt für ihn verloren geht. Einsam und verzweifelt verlässt Cyril letztendlich das Land – ohne zu wissen, dass diese Reise über Amsterdam und New York ihn an den Ort führt, nach dem er immer gesucht hat: Heimat.

James Joyce – Dubliner

Lässt sich eine Stadt durch die Menschen beschreiben, die in ihr leben? Und umgekehrt ein Mensch durch die Stadt, aus der er kommt? James Joyce ist dies mit seinem Reigen von Erzählungen über die Seele Dublins und seiner Bewohner auf bahnbrechende Weise gelungen. Dubliner porträtiert in berührenden Menschenschicksalen eine Metropole zwischen Kleinmut und Aufbruch. Der erste Wurf des jungen Joyce fasziniert durch die andeutende und doch tiefenscharfe Zeichnung der Figuren und ihrer Konflikte. Es verschafft den besten Zugang in das Werk des großen irischen Schriftstellers.

John Banville – Die See

John Banvilles erfolgreichster Roman, ausgezeichnet mit dem Man Booker Prize
Anna und der Kunsthistoriker Max sind glücklich verheiratet, als sie erfahren, dass Anna unheilbar an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Nach ihrem Tod flüchtet Max ans Meer, in den Ort, in dem er als Kind aufregende Sommer verlebte. Damals lernte er die unkonventionelle Familie Grace kennen mit ihrem Zwillingspaar Myles und Chloe. Mrs Grace zieht den jungen Max magisch an und erweckt eine große Sehnsucht in ihm. Indem sich Max fast manisch erinnert, an seine erwachende Sexualität in diesem Sommer, an seine erotischen Fantasien und die spätere Liebe zu Chloe, an seine glückliche Zeit mit Anna und ihre letzten Tage im Krankenhaus, versucht er, sich mit dem erlittenen Verlust zu versöhnen.

In einer poetischen Sprache und mit Anspielungen auf Literatur, Kunst und Mythologie zeigt dieser Roman, wie Erinnerung, Verlust und Identität zusammenhängen. 2005 erhielt John Banville dafür den Man Booker Prize.

Emma Donoghue – Raum

Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es noch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen…

Edna O’Brien – Die kleinen roten Stühle

In einer kalten, dunklen Nacht taucht in Cloonoila an der irischen Westküste ein Fremder auf und bringt Unruhe ins eingeschlafene Dorfleben. »Ein bisschen Romantik« erhoffen sich die einen, »Skandal« wittern die anderen. Denn Dr. Vladimir Dragan, kurz Vuk: »Wolf«, aus Montenegro will sich als Heiler und Sexualtherapeut bei ihnen niederlassen. Priesterliche Bedenken gegen seine Behandlungen zerstreut der Doktor im Nu, einen misstrauischen Polizisten wickelt er um den Finger. Der ganze Ort erliegt nach und nach dem Charisma des mysteriösen Fremden, der martialische Gedichte schreibt, lateinische Verse rezitiert und vor allem bei den Frauen scheinbar Wunder bewirkt. Die schöne, mit einem viel älteren Mann verheiratete Fidelma hat ihn sogar als Vater des Kindes auserwählt, nach dem sie sich so verzweifelt sehnt. Doch Vuk ist wirklich ein Wolf unter Schafen, ein gesuchter Kriegsverbrecher, und Fidelma wird für ihren Pakt mit ihm bitter bezahlen. Ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung.

Jonathan Swift – Gullivers Reisen

Jonathan Swifts ‚Gullivers Reisen‘ gilt vielen Lesern noch immer als Kinderbuch – zahllose speziell gekürzte Ausgaben haben diesen falschen Eindruck noch befördert. Die Originalfassung aber ist eine überaus scharfzüngige Gesellschaftssatire, in der Swift virtuos mit verschiedenen literarischen Stilen spielt und äußerst originell Ausschnitte der Lebenswirklichkeit seiner Zeit mit phantastisch-märchenhaften Motiven vermengt. Die sagenhaften Gestalten, denen Gulliver auf seinen abenteuerlichen Reisen begegnet, werden für immer unvergesslich bleiben.

Paul Murray – Skippy stirbt

Ruprecht Van Doren ist ein übergewichtiges Genie, seine Hobbies sind komplexe Mathematik und die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Mit Daniel Skippy Juster teilt er sich ein Zimmer im Turm des Seabrook College, einer altehrwürdigen Dubliner Institution, in der sich keiner so richtig für die beiden interessiert. Aber als Skippy sich in Lori verliebt, eine Frisbee spielende Schönheit aus der Mädchenschule gegenüber, haben auf einmal alle möglichen Leute Interesse auch Carl, Teilzeit-Drogendealer und offizieller Schulpsychopath. Während seine Lehrer mit der Modernisierung kämpfen und Ruprecht versucht, ein Portal in ein paralleles Universum zu öffnen, steuert Skippy, im Namen der Liebe, auf einen Showdown zu in Form eines fatalen Doughnut-Wettessens, das nur eine Person überleben wird … »Skippy stirbt« ist eine Tragikomödie von epischer Dimension, die von großer Freundschaft und der ersten, unerwiderten Liebe erzählt, von tiefer Einsamkeit und tragischem Verlust, von der fundamentalen Traurigkeit und dem existentiellen Hochgefühl des Erwachsenwerdens und ein grandioser Gesellschaftsroman, der uns wie durch ein Kaleidoskop die heutige Zeit entdecken lässt.

Kevin Barry – Dunkle Stadt Bohane

Bohane ist ein heimtückischer, mörderischer, intriganter Ort – und verdammt sexy. Eine Stadt voll brutaler Killer und Ganoven. Das Buch erzählt von einem Bandenführer, dessen Herrschaft zu Ende geht, und ist anders als alles, was Sie zuvor gelesen haben. Ein Buch für alle, die eine grellbunte, vergnügte Zeit verbringen wollen.

Die einst bedeutende Stadt Bohane an der irischen Westküste liegt darnieder. Es herrschen Gewalt und Chaos, die Clans sind gespalten. Auch wenn noch ein wenig vom alten Glanz geblieben ist, findet das eigentliche Leben in den Slums und verwahrlosten Wohnblocks von Smoketown statt. Scheinbar seit Ewigkeiten steht alles unter der Kontrolle von Logan Hartnett, dem adretten Paten der Hartnett-Fancy-Gang. Aber es liegt Ärger in der Luft. Gerüchte gehen um, dass Logans Erzfeind Gant Broderick nach fünfundzwanzig Jahren zurück in der Stadt ist, und seine Schergen entwickeln auf einmal ihren ganz eigenen Ehrgeiz. Logans bessere Hälfte drängt ihn, alles aufzugeben und sich zurückzuziehen. Doch da kennt die Missus ihren Langen Lulatsch schlecht.

Colm Tóibín – Das Feuerschiff von Blackwater

Eine junge Frau aus Dublin hat gerade ihren Mann mitsamt den beiden kleinen Söhnen in die Ferien verabschiedet und versucht sich an das Alleinsein zu gewöhnen. Da erfährt sie, daß ihr jüngerer Bruder Declan sehr krank ist und sie sehen möchte. Helen hat nicht gewußt, daß ihr Bruder Aids hat, aber nun, da feststeht, daß er sterben wird, setzt sie alles daran, daß er heimkommt in das Haus der Großmutter hoch über dem Meer.

Die alte Frau ist zunächst nicht erfreut, zumal sich auch noch zwei Freunde Declans einquartieren, und Helens Mutter hätte ihren Sohn lieber bei sich. Eine Notgemeinschaft entsteht zwischen diesen Menschen aus drei Generationen. Ob es um unterdrückte Sexualität oder verdrängte Wut geht – das Aussprechen von verborgenen Dingen hat eine heilende Wirkung. Um der Liebe zu einem Menschen willen werden verhärtete Fronten aufgebrochen, behutsame Schritte zu einer Annäherung vollzogen, Familienbande auf einmal neu definiert.

3 Antworten auf „Irische Literatur

    1. Den haben wir rausgelassen, um auch einigen vielleicht nicht so bekannten Autoren ihren Platz zu geben. Im letzten Oktober hatten wir bereits einen Beitrag kurz nach unserem Irland-Urlaub, in dem wir eher klassische Schriftsteller erwähnt haben. Dort haben wir dann auch Samuel Beckett genannt.

      LG Alex

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