Buchmesse Spezial: Französische Autoren

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Frankreich, das Land der Dichter und Denk- ach nein, das war ja Deutschland. Dennoch steht unser Nachbar uns in Sachen Literatur keinesfalls nach. Seit dem 12. Jahrhundert werden im französischsprachigem Raum Romane geschrieben. Zu den wohl bekanntesten französischen Autoren gehören unter anderem Victor Hugo (Der Glöckner von Notre-Dame, Die Elenden), Gustave Flaubert (Madame Bovary), Voltaire (Candide), Jean-Paul Satre (Der Ekel, Geschlossene Gesellschaft), Honoré de Balzac (Die Menschliche Komödie) und Marcel Proust (Auf der Suche der Verlorenen Zeit).

Da Frankreich das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist, wollen wir euch ein paar großartige Bücher französischer Autoren vorstellen. Vielleicht habt ihr den ein oder anderen schon gelesen, falls nicht, ist die nahende Buchmesse doch der ideale Anlass, es mal mit einem der Schriftsteller und ihren Werken zu versuchen.

Édouard Louis – Im Herzen der Gewalt

Der Weihnachtsabend in Paris: Auf dem Place de la République begegnet Édouard auf dem Weg nach Hause einem jungen Mann. Eigentlich will er sich nicht aufhalten lassen und in ein Gespräch verwickeln lassen, doch der Fremde übt eine starke Anziehung auf ihn aus. Nach der spontanen Begegnung nimmt Édouard Reda mit in seine Wohnung. Was zunächst als Flirt beginnt entwickelt sich zu einer dramatischen Nacht, in der Édouard mit einer Waffe bedroht wird. Édouard Louis autobiografischer Roman zeichnet schonungslos ein Bild von sich selbst, seiner Angst, Scham und Wut und kämpft dabei mit der Macht der Worte und verschiedenen Formen von Gewalt.

Mathias Énard – Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten

Im Jahr 1506 folgt Michelangelo der Einladung des Sultans Bajezid II. nach Konstantinopel, um in dessen Auftrag eine Brücke über das Goldene Horn zu bauen. Die Stadt ist ein kosmopolitisches und tolerantes Weltzentrum, in dem sich alle frei bewegen dürfen. Zunächst hat Michelangelo keine Idee für den Brückenbau und streift scheinbar ziellos durch die fremde Stadt. Erst nachdem er das Nachleben der Stadt kennenlernt, entsteht in ihm eine Vision für seine Brücke. Eine Brücke, die Orient und Okzident verbinden soll. Ein historischer Roman fernab der üblichen Klischees mit einem spannenden und zeitlosen Thema.

Amélie Nothomb – Der Japanische Verlobte

Mit Anfang zwanzig kehrt Amélie nach Japan zurück, um die Sprache wieder besser zu lernen. Der einfachste Weg für sie scheint es zu sein, Französisch zu unterrichten. Ihr erster Schüler ist Rinri, der aus einer reichen Tokioter Familie stammt und der Amélie in die Sitten des Landes einführt. Auf sprachlicher Ebene gibt es aber zunächst Probleme. Doch Rinri ist hoch motiviert, vor allem, da ihm seine Lehrerin gefällt. Amélie Nothomb erzählt mit viel Witz und Ironie aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit über ihre Zeit in Japan und ihre Beziehung zu ihrem ersten und einzigen Sprachschüler.

Henri Alain-Fournier – Der große Meaulnes

François Seurel ist der Sohn eines Volksschullehrers im Norden Frankreichs. Im November des Jahres 1890 kommt der etwas ältere Augustin Meaulnes als neuer Schüler in den kleinen Ort. Obwohl die beiden völlig unterschiedlich sind, der eine still und zurückhaltend, der andere wild und ungezügelt, werden die beiden sofort zu Freunden. Auf einem Streifzug stößt Meaulnes auf das Mädchen Yvonne de Galais. Die Begegnung bedeutet einen Wendepunkt im Leben der beiden, denn Meaulnes tut alles, um das schöne Mädchen wiederzufinden. Selten habe ich es erlebt, dass die Zeit der Jugend mit ihren Träumen und der Suche nach Glück so gekonnt literarisch verarbeitet wurde wie von Henri Alain-Fournier.

Laurent Binet – Die Siebte Sprachfunktion

Paris im Jahr 1980: Nach einem Essen mit dem Präsidentschaftskandidaten François Mitterrand wird Roland Barthes von einem Wäschelieferanten überfahren. Dabei verschwindet auch ein Manuskript, das er bei sich trug. Ein Zeuge des Unfalls, Michel Foucault, behauptet, es sei Mord gewesen. Kommissar Bayard steht vor einem Rätsel und engagiert den Sprachwissenschaftler Simon Herzog als Assistenten. Die Spur der Mörder führt durch Paris, nach Bologna zu Umberto Eco und zur Cornell University im Staat New York. Nach und nach kommen die beiden Ermittler dem Geheimnis des Manuskripts auf die Spur, der siebten Sprachfunktion. Die Spurensuche mit Bayard und Simon ist witzig, skurril, spannend und verarbeitet dabei gekonnt wissenschaftliche Inhalte, ohne dozierend zu wirken. Trotz des Auftauchens vieler Intellektueller und ihrer Theorien ist das Buch für Leser ohne Vorwissen zu verstehen und ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen, das zum Mitdenken und Nachdenken einlädt.

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Charles Baudelaire – Die Blumen des Bösen

Charles Baudelaire ist einer der bekanntesten französischen Dichter und vor allen Dingen einer der Wegbereiter der Moderne in der europäischen Literatur. 1821 in Paris geboren zog es ihn als jungen Erwachsenen in die Pariser Bohéme. Er führte einen exzessiven Lebensstil als Dandy, inklusive Alkohol, Drogen und Sex. Mit 36 Jahren erschien sein weltberühmter Lyrikband, sein Hauptwerk Les Fleurs du Mal – Die Blumen des Bösen mit seinen abgründigen, makaberen und erotischen Gedichten. Jetzt, 150 Jahre nach Baudelaires Tod, hat der Rowohlt Verlag eine wunderschöne Neuauflage des Bandes herausgebracht. Neu übersetzt wurde es auch – von Simon Werle. Auch wenn manche Zeilen etwas vollgepackt und schleppend scheinen, finde ich die Übersetzung im Allgemeinen sehr gelungen, gerade wenn man sie mit den älteren vergleicht, die mich nie so zufrieden stellen konnten wie beispielsweise die englischen Versionen von Les Fleurs du Mal. Ganz wichtig, und ganz ganz toll finde ich außerdem, dass das Werk zweisprachig ist – das französische Original direkt neben der deutschen Übersetzung. Besonders optisch ist die neue Ausgabe ein Highlight – Einband, Buchrücken und -deckel sind wunderschön gestaltet und machen aus diesem Klassiker somit auch ein außergewöhnliches Sammlerstück.

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Welche französischen Autoren konnten euch so begeistern? Was wollt ihr unbedingt noch lesen?

12 Antworten auf „Buchmesse Spezial: Französische Autoren

      1. Ich bin so gar nicht mit der aktuellen Literatur aus Frankreich vertraut – aber das Buch von Binet reizt mich schon seit der Besprechung von Claudia vom grauen Sofa, und jetzt nach eurem Beitrag möchte ich unbedingt auch endlich was von Énard lesen … aber zuerst kommt bei mir der Bayerische Buchpreis, das ist eh schon heftig viel …

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  1. Vernon Subutex kann ich auch vorbehaltlos empfehlen – aber es sind weitere tolle Bücher von französischen Autoren erschienen:
    Reza/Babylon – raffiniertes Kammerspiel um einen Mord, Hauptschauplatz der Handlung ist das Treppenhaus eines Mietshauses in Paris.
    Lemaitre/Drei Tage und ein Leben – der Titel gibt die Gliederung des Romans wieder; der seltene Fall eines Buches mit besserem Ende als Anfang.
    Vian/Die Gischt der Tage – tolle Neuübersetzung des Klassikers der frühen Nachkriegszeit mit Einsprengseln von magischem Realismus.

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      1. Ja… Mir ging es nämlich ähnlich. Als ich hörte, daß Frankreich Gastland ist dachte ich: Hurra, wenigstens habe ich so gut wie alles von Amelie Nothomb gelesen! Und fünf Sekunden später: Oh. 😉
        Na, schön daß ihr mir gleich eine tolle Ausrede mitliefert. Besonders viele französische Autoren hab ich nämlich in letzter Zeit nicht gelesen. Aber Nothomb. :)

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      2. Sie wird auf der Seite der Buchmesse unter den französischen Autoren geführt und ist auch selber anwesend. Es wird wohl ein Gespräch (mit Annette Gerlach von Arte über ihren neuen Roman) und eine Signierstunde mit ihr am 11. Oktober im Vorfeld der Messe geben.

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  2. Bei mir kommt Anfang nächster Woche ein Blog-Beitrag über die Franzosen, vielmehr Französinnen. Ich habe festgestellt, dass ich sehr viele Bücher von Autorinnen besprochen habe. Ein Lyrikband ist auch dabei. Die Klassiker lass ich mal beiseite …

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