Min Jin Lee – Ein einfaches Leben

Min Jin Lee ein einfaches Leben Rezension

Min Jin Lees Roman Ein einfaches Leben erzählt die Geschichte einer ganzen Familie – vier Generationen auf der bewegenden Suche nach Identität und Heimat.

„Was können wir tun, mein Kind, außer durchhalten?“

Korea in den 1920er Jahren. Nachdem ihr Vater früh verstarb, arbeitet Sunja in dem Gasthaus ihrer Mutter in einem kleinen Dorf in Yeongdo, an der Südküste Koreas. Korea steht unter der japanischen Herrschaft, Arbeit und Nahrungsmittel werden knapper, während die Japaner die Einheimischen unterdrücken, ihnen den Gebrauch ihrer eigenen Sprache verbieten und junge Frauen mit dubiosen Angeboten locken, um sie dann als sogenannte Trostfrauen als Sexsklavinnen für die japanische Armee arbeiten zu lassen. Als Sunja eines Tages schwanger wird, steht sie vor der Wahl: hier bleiben, in einem Land ohne Hoffnung und Zukunft, oder mit dem Priester Isak nach Japan zu dessen Bruder auszuwandern.

Celeste Ng – Kleine Feuer überall

Celeste Ng kleine Feuer überall Rezension

In einer Vorstadt treffen zwei Lebensphilosophien aufeinander. Celeste Ngs Roman Kleine Feuer überall ist großartig konstruiert und zieht den Leser in einen Sog, der ihn nicht mehr loslässt.

In jedem der Schlafzimmer brennt es. Elena Richardson muss mitansehen, wie das Familienhaus von dem Feuer zerstört wird. In Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland, Ohio, wo die Familie lebt, wird alles von Regeln bestimmt: die Höhe des Rasens, der Anstrich der Häuser und auch das Leben der Bewohner.

Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Apokryphen

Marc-Uwe Kling Die Känguru-Apokryphen Rezension

Marc-Uwe Kling ist zurück! Und mit ihm der wohl verrückteste haarige Mitbewohner in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur. Die Känguru-Apokryphen sind witzig, gesellschaftskritisch, politisch – aber leider nicht ganz so stark wie der Trilogieauftakt.

Es war einmal ein Punkt, an dem die Materie- und Energiedichte unendlich war. Eine Singularität, in der die allgemeine Relativitätstheorie nicht galt. Dann hat es geknallt. Etwa 13,8 Milliarden Jahre später ist ein kommunistisches Känguru in mein Wohnzimmer eingezogen. Seitdem knallt es die ganze Zeit. Der Rest ist selbsterklärend.

Leigh Bardugo – Die Sprache der Dornen

Leigh Bardugo Die Sprache der Dornen Rezension

Moderne Märchen im traditionellen Stil: Leigh Bardugo erzählt in Die Sprache der Dornen sechs wunderschöne Geschichten, die von dunkler Magie und starken Protagonistinnen handeln und virtuos illustriert wurden.

Die hier versammelten Geschichten heißen Ayama und der Dornenwald, Der zu kluge Fuchs, Die Hexe von Duva, Kleines Messer, Der Soldatenprinz und Als das Wasser Feuer ersang und erzählen von starken Heldinnen, gar nicht so bösen Hexen, verschwundenen Kindern und lodernden Rachegelüsten.

Zwischen Bewunderung und Abneigung – Karl Ove Knausgårds autobiographisches Projekt „Min Kamp“

Karl Ove Knausgard Mein Kampf Sterben Lieben Spielen Leben

Für die einen schreibt er nur Belanglosigkeiten, für die anderen ist er einer der besten Schriftsteller seiner Generation: Karl Ove Knausgård polarisiert sowohl Leser als auch Kritiker.

Jedem, der sich für Literatur interessiert, wird dieser Name in den letzten Jahren auf die eine oder andere Weise begegnet sein: Karl Ove Knausgård. Der momentan wohl wichtigste Autor Norwegens hat durch sein sechsbändiges Projekt Min Kamp (wörtlich übersetzt: Mein Kampf) für viel Aufsehen gesorgt.

Monatsrückblick: Unsere Bücher im Oktober

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Nachdem der September schon ein recht überschaubarer Lesemonat war, ist der Oktober nicht unbedingt stärker, was die Romananzahl betrifft. (Vielen Dank an dieser Stelle an meine Hausarbeit, die geschrieben werden wollte!) Dennoch haben zwei ganz schöne Schinken ihren Weg in unser Bücherregal gefunden sowie ein paar dünnere Buchperlen.

Steffen Mensching – Schermanns Augen

Der Graphologe Rafael Schermann landet als Gefangener in einem russischen Gulag. Da er aus Handschriften Vorhersagen ableiten kann, zieht er sofort viel Aufmerksamkeit auf sich. Der junge deutsche Kommunist Otto fungiert für Schermann als Übersetzer, gemeinsam müssen die beiden im Gefangenenlager ums Überleben kämpfen.

Astrid Rosenfeld – Kinder des Zufalls

Astrid Rosenfeld Kinder des Zufalls Rezension Kampa Verlag

Astrid Rosenfeld, die vom Diogenes Verlag zum neuen Kampa Verlag gewechselt ist, legt mit Kinder des Zufalls ihren neuen Roman vor, der bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

Als Kind verbringt Maxwell viel Zeit auf den Highways Amerikas. Charlotte, seine Mutter, zieht es immer von einem Ort zum nächsten. Sie stammt eigentlich aus Deutschland und kam mit dem Schiff in die USA. Über Maxwells Vater Collin erzählt Charlotte seltsame Geschichten,  doch kennengelernt hat Maxwell ihn nie.

Nicole Krauss – Waldes Dunkel

Nicole Krauss Waldes Dunkel Rezension

Nicole Krauss‘ Roman Waldes Dunkel erzählt von zwei Menschen, die in Israel nach sich selbst suchen. Schöne, mystische Momente werden allerdings von zu viel Verwirrung überschattet und der Leser fühlt sich am Ende ähnlich verloren wie die beiden Protagonisten.

Jules Epstein, ein erfolgreicher und wohlhabender New Yorker Anwalt, lässt eines Tages alles stehen und liegen und steigt in den Flieger nach Tel Aviv. Kontakt hält er nur sporadisch zu seiner Assistentin, niemand aus seiner Familie weiß, wo er genau ist und was er vorhat. Auch eine amerikanische Autorin und Journalistin fühlt sich von Israel angezogen: sie flieht ins Hilton Hotel in Tel Aviv, um dort vielleicht endlich an ihrem neuen Buch weiterschreiben zu können.

Christopher Ruocchio – Das Imperium der Stille

Zwischen erstklassigem Worldbuilding und inhaltlichen Längen: Trotz einiger negativer Aspekte macht Christopher Ruocchios Debüt Das Imperium der Stille Lust auf mehr.

In einer weit entfernten Zukunft haben die Menschen die Galaxie besiedelt und ein Imperium errichtet. Doch seit Jahrhunderten stehen sie einem Feind gegenüber, den sie nicht besiegen können. Die Zivilisation der Cielcin zerstört mit ihren Schiffen immer mehr Planeten und versklavt die Menschen.

Tomas Espedal – Bergeners

Tomas Espedal Bergeners Rezension

Die Heimat als Sehnsuchtsort. In seinem neuen Werk Bergeners reist Tomas Espedal immer wieder an ihm fremde Orte, nur um die Liebe zu Bergen neu zu entdecken. Ein Buch, das von seiner Heimatliebe und seinem ausgeprägten Gefühl von Einsamkeit erzählt.

Tomas Espedal berichtet von seinem Leben als Bergener. Obwohl er hier aufgewachsen ist und sich der Stadt sehr verbunden fühlt, zieht es ihn immer wieder fort. Nach New York, nach Berlin, nach Madrid und nach Griechenland.