Astrid Rosenfeld – Kinder des Zufalls

Astrid Rosenfeld Kinder des Zufalls Rezension Kampa Verlag

Astrid Rosenfeld, die vom Diogenes Verlag zum neuen Kampa Verlag gewechselt ist, legt mit Kinder des Zufalls ihren neuen Roman vor, der bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte.

Als Kind verbringt Maxwell viel Zeit auf den Highways Amerikas. Charlotte, seine Mutter, zieht es immer von einem Ort zum nächsten. Sie stammt eigentlich aus Deutschland und kam mit dem Schiff in die USA. Über Maxwells Vater Collin erzählt Charlotte seltsame Geschichten,  doch kennengelernt hat Maxwell ihn nie. Elisabeth lebt in Stuttgart, bis sie sich dazu entscheidet, mit dem Schiff nach Amerika zu fahren. Dort ist sie auf der Suche nach ihrem Glück und trifft auf Maxwell.

Zu dem Zeitpunkt als sich Maxwell und Elisabeth auf einer Party begegnen, haben beide ihre großen Karrieren bereits hinter sich. Beide haben eingesehen, dass der Erfolg vorbei ist. Maxwell war 17 Jahre lang Cowboy Jill, der wöchentlich die Menschen vor dem Fernseher begeistert hat. Nach dem Serientod erhält er keine neuen Rollen mehr. Elisabeth ist nach ihrer Tanzausbildung nach New York gekommen und wurde Solistin, doch als ihr Knie kaputt geht, ist ein neues Engagement ausgeschlossen. Doch der Zufall führt die beiden zusammen. Maxwell plant einen Saloon in Myrthel Spring zu eröffnen, wo er als Kind für kurze Zeit lebte. Der Ort in der texanischen Wüste ist nach einem Roman, der zum Bestseller wurde, sagenumwoben und zieht viele Menschen an. Hier kann Maxwell seinen Traum vom Cowboy weiterleben.

Maxwell war eingeschlafen. Elisabeth stand auf, schaltete den Fernseher aus und deckte Maxwell zu. Sie war hellwach. Leise schlich sie aus dem Haus. Am Himmel funkelten Tausende Sterne. Sie lief die Straße hinunter. In der Ferne heulten Kojoten, ansonsten war es still. Ganz Myrthel Spring schien zu schlafen. Es war, als würden Himmel und Erde ihr allein gehören.

Astrid Rosenfeld erzählt in ihrem Roman Kinder des Zufalls mit hohem Tempo, vielen Schauplatzwechseln und sehr dialoglastig. Dabei werden dem Leser sowohl große als auch kleinere Lebensdramen präsentiert, die mal gut und mal schlecht ausgehen. Die Figuren sind größtenteils titelgebende Kinder des Zufalls, die versuchen, ihr Schicksal zu meistern und dabei auch ihre Träume aufgeben müssen. Der Leser wird mit vielen verschiedenen Lebensbiographien konfrontiert, die häufig nur oberflächlich gestreift werden. Ebenso vielfältig sind die Orte des Geschehens: Deutschland, verschiedene Gegenden der USA und der Vietnam. Als größere Klammer funktioniert die Liebesgeschichte zwischen Maxwell und Elisabeth.

Dazwischen werden nicht nur die Lebensgeschichten der beiden erzählt, sondern auch die ihrer Eltern und manch anderer Personen. Es braucht viele Zufälle und bewusste Entscheidungen, bis sie aufeinandertreffen können. Rosenfeld verlässt sich auf pointiert geschilderte kurze Szenen. Dennoch bleibt immer wieder die Frage unbeantwortet, wozu manches im Gesamtkontext dient. Hier prallen zu viele kleine Handlungen und Figuren aufeinander. Dabei bleiben allerdings eine tiefergehende Handlung und ausgearbeitete Charaktere auf der Strecke. So erscheint Maxwell an verschiedenen Stellen wie ein wandelndes Cowboy-Klischee. Ein zu viel Whiskey trinkender Mann, der eigentlich einen weichen Kern besitzt und immer wieder die Geschichten von früher zum Besten gibt. So macht er nicht nur die Anhänger von Cowboy Jill glücklich, sondern auch sich selbst.

„Also soll man gar nichts machen“, hatte Elisabeth gefragt, „wenn alles vergeblich ist? Glenn hatte den Kopf geschüttelt. „Es ist eher so, als würde man ein Schiff bauen. Man stellt sich eine elegante Yacht vor. Man werkelt und hämmert, und am Ende hat man ein Floß. Damit kann man keinen Ozean durchkreuzen, aber ein bisschen rumpaddeln. Man dreht sich im Kreis, und am Ende landet man dort, wo man in See gestochen ist.“

Der knapp 270 Seiten lange Roman lässt sich recht schnell lesen. Doch leider ist bei mir nicht viel hängen geblieben. Viel Tempo, immer wieder andere Schauplätze und Figuren, nur hat das bei mir nichts ausgelöst: weder ein Reflektieren des eben Gelesenen noch eine emotionale Anteilnahme am Schicksal der Figuren. So bleibt für mich nur ein Buch, das an verschiedenen Stellen starke Szenen zeigen kann, die im Gesamten aber nicht ausreichen, um dem Roman Tiefe zu verleihen.

Erschienen ist Kinder Zufalls im neu gegründeten Kampa Verlag mit Sitz in Zürich. Aufsehen erregt hat vor allem die Meldung, dass der Verlag nun das Werk von Georges Simenon verlegt, das 40 Jahre lang bei Diogenes erschienen ist. Auch der neue Roman von William Boyd wird im Frühjahr 2019 im Kampa Verlag veröffentlicht. Ein Interview mit dem Gründer Daniel Kampa über seine eigene Zeit bei Diogenes und weitere Themen findet ihr beim Deutschlandfunk.

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