Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Apokryphen

Marc-Uwe Kling Die Känguru-Apokryphen Rezension

Marc-Uwe Kling ist zurück! Und mit ihm der wohl verrückteste haarige Mitbewohner in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur. Die Känguru-Apokryphen sind witzig, gesellschaftskritisch, politisch – aber leider nicht ganz so stark wie der Trilogieauftakt.

Es war einmal ein Punkt, an dem die Materie- und Energiedichte unendlich war. Eine Singularität, in der die allgemeine Relativitätstheorie nicht galt. Dann hat es geknallt. Etwa 13,8 Milliarden Jahre später ist ein kommunistisches Känguru in mein Wohnzimmer eingezogen. Seitdem knallt es die ganze Zeit. Der Rest ist selbsterklärend.

Neben 33 völlig neuen Geschichten liefert Kling hier mehrere bereits durch Live-Programme und Anthologien bekannte Kapitel und für mich eines der Highlights dieses Buches: einen Comic über Migraine-Man, mit dem ich mich nur allzu gut identifizieren kann. Marc-Uwe und sein kommunistischer Freund diskutieren in verschiedenen episodenartigen Kapiteln bei Herta in der Kneipe über Politik, gehen wieder einmal dubiosen Geschäftsideen nach, gehen missionieren, reisen nach Bangkok, führen allerlei sinnige und unsinnige Gespräche und spielen Open-Schnick, eine Freestyle-Variante von Schnick-Schnack-Schnuck, bei der auch ein Tyrannosaurus Rex und Bruce Willis zum Einsatz kommen.

„Man bekommt am Ende von den Spanner-Seminaren sogar seine Leistung bescheinigt und, wenn man bestanden hat, ein Zertifikat.“
„Das heißt, da sitzt dann einer im Baum und spannt, und wenn er plötzlich entdeckt wird, zeigt er seine Bescheinigung und sagt: >Keine Angst! Ich bin Profi!<?“ „Ja, und daraufhin sind bestimmt alle anderen erleichtert und sagen: >Ach so! Na dann!<“

Zur perfekten Einstimmung auf das neue Buch habe ich mir extra vorher noch einmal den ersten Teil der Känguru-Trilogie, Die Känguru-Chroniken, vorgenommen und war somit die ganzen letzten Wochen abends im Bett schwer damit beschäftigt, Marc-Uwe und das Känguru bei ihrem Unfug zu begleiten. Ich hatte schon ganz vergessen, was das für ein fantastisches Duo ist! Kling zeigt, dass Unterhaltung nicht stupide sein muss, keine flachen Witze braucht oder ein niedriges Niveau. Die Känguru-Apokryphen ist, genau wie die Trilogie zuvor auch schon, anspruchsvoller Humor.

Vielleicht lag es daher am Känguruüberschuss, dass ich Die Känguru-Apokryphen zwar sehr gelungen, aber auch ein wenig schwächer als Die Känguru-Chroniken fand. Vielleicht können sie aber auch wirklich nicht ganz mithalten, wie so oft bei Reihen, in denen der erste Band der stärkste ist. Teil zwei und drei, Das Känguru-Manifest sowie Die Känguru-Offenbarung, habe ich damals glaube ich gar nicht gelesen, von daher kann ich den neuen Teil nicht mit ihnen vergleichen. Dennoch würde ich mich jederzeit über weitere neue Geschichten des Beuteltiers freuen – enttäuschen kann Kling höchstwahrscheinlich nie!

Das ständig provozierende, sture und absolut nervtötende Känguru ist und bleibt einfach einer der abgedrehtesten Protagonisten der deutschen Gegenwartsliteratur. Gepaart mit genügend Absurditäten sorgt das ikonische Duo auch in Die Känguru-Apokryphen wieder für viel Vergnügen, auch wenn diese im Vergleich zum ersten Band von Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie doch ein wenig schwächeln.

Eine Antwort auf „Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Apokryphen

  1. […] Kommunisten-Känguru is back! Marc-Uwe und sein beuteltragender Mitbewohner erleben in episodenartigen Kapiteln verschiedene Abenteuer – meistens jedoch eher auf dem Sofa oder in der Stammkneipe bei Herta als in der großen, weiten, gefährlichen Welt. Es wird Open-Schnick gespielt, philosophiert, missioniert, entnazifiziert und generell recht viel Unsinn geredet. Kling ist wieder einmal verrückt, witzig und politisch. Da ich kurz vorher auch noch Teil 1, Die Känguru-Chroniken, gelesen hatte, konnte mich das neue Buch zwar gut unterhalten, dennoch fiel es im direkten Vergleich von der Qualität für mich ein wenig ab. Einige detailliertere Gedanken dazu findet ihr hier. […]

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