Roberto Bolaño – Die wilden Detektive

Roberto Bolano die wilden Detektive Rezension

Roberto Bolaño macht die Leser selbst zu Detektiven. Sein Werk Die wilden Detektive ist mit Worten kaum zu beschreiben und die einfache Frage „Worum geht es denn?“ wohl nur mit „So ziemlich alles“ zu beantworten.

Der junge Student Juan García Madero wird eingeladen am viszeralen Realismus teilzunehmen. Angeführt wird diese literarische Avantgarde von Ulises Lima und Arturo Belano, die um eine genaue Definition ihrer Bewegung alles andere als bemüht sind.

Ryan Gattis – Safe

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Drogen, Gangs und Los Angeles. Mit seinem zweiten Thriller Safe gelingt Ryan Gattis ein weiterer außergewöhnlicher Roman, der aber nicht das Niveau des Debüts erreicht.

Er selbst nennt sich nur Ghost. Eigentlich heißt er Ricky Mendoza und arbeitet für die DEA als Tresorknacker. In Los Angeles ist er der Beste. Doch so lebte Ghost nicht immer. Früher war er ein Gangster und Junkie, bis er an einem Tumor erkrankte und sein Leben änderte. Er plant Geld abzuzweigen, so viel wie möglich und es Menschen mit Geldproblemen geben.

Italo Calvino – Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Italo Calvino Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Italo Calvino hat mit seinem Roman Wenn ein Reisender in einer Winternacht eine literarische Schnitzeljagd geschaffen – ein außergewöhnliches Werk über Wahrheit und Täuschung, über den Leser und den Autor.

Du, lieber Leser, der du vom Autor direkt angesprochen wirst in diesem Roman, kaufst dir das neue Buch des Schriftstellers Italo Calvino. Leider stellst du nach einigen Seiten enttäuscht fest, dass die Geschichte mittendrin abbricht – ein Fehldruck. Auf der Suche nach dem Rest des Romans erhältst du allerdings wieder ein fehlerhaft gedrucktes Werk, dieses Mal jedoch das eines anderen Autors. So geht es immer weiter, bis du so viele Geschichten angefangen und nicht beendet hast, dass es dich fast in den Wahnsinn treibt.

William T. Vollmann – Arme Leute

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In seinen Reportagen unter dem Titel Arme Leute versucht William T. Vollmann sich auf Augenhöhe mit armen Menschen zu begeben und direkt von ihnen die Gründe für ihre Armut zu erfahren.

„Warum bist du arm?“ Mit dieser Frage ist der amerikanische Schriftsteller William T. Vollmann (u.a. Europe Central) um die Welt gereist und hat Menschen am Rande der Gesellschaft portraitiert. Das Ergebnis sind Reportagen, die einerseits schonungslos sind und andererseits den Menschen eine eigene Stimme geben.

Haruki Murakami – Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Haruki Murakami Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Haruki Murakamis Sammlung Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah enthält neun wunderschöne und herrlich verrückte Kurzgeschichten.

Murakami schreibt über einen Studenten, der das letzte Mal einen Rasen mäht, bevor er seinen Job aufgibt, über eine Frau, die sich wegen deutscher Lederhosen von ihrem Mann trennte, über einen professionellen Briefeschreiber und seine postalischen Bekanntschaften, über ein grünes Monster, das draußen vor dem Fenster einer Frau auflauert, über die Legende eines tanzenden Zwerges, über einen jungen Mann, seine Schwester und dessen Verlobten, über das 100%ige Mädchen, das der Protagonist leider versäumte anzusprechen und über die mysteriösen TV-People, die scheinbar grundlos in Wohnungen und Büros einbrechen, ihren Fernseher dort aufstellen und auf den weiß-flimmernden Bildschirm starren.

Carsten Jensen – Der erste Stein

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Carsten Jensens Politthriller Der erste Stein über verfehlte Afghanistan-Politik und die Brutalität des Krieges leidet im zweiten Teil an zu einfachen Erklärungen, die den Gesamteindruck schwächen.

In einem Militärcamp in Afghanistan treffen neue Soldaten ein. 24 Männer und die einzige Frau Hannah stehen unter der Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Nach ihrer Ausbildung sind sie motiviert, ihren Dienst in dem fremden Land zu verrichten. Doch schnell zeigt sich, dass die Tage monoton vergehen und auch die Patrouillen keine Abwechslung bieten.

Monatsrückblick: Unsere Bücher im Juli

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Hallo August! Tschüss, heißer Juli, der zum Teil so verschwitzt und anstrengend war, dass es kaum möglich war zu lesen. Deshalb ist das Lesepensum letzten Monat etwas geringer – vor allem kürzere Literatur hat ihren Weg zu uns gefunden, wie Murakamis Kurzgeschichtensammlung, Peter Stamm, Jon Krakauer und Philip Roth. Es folgt unser Monat Juli in Büchern:

Haruki Murakami – Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Das 100%ige Mädchen, die Beziehung zwischen Bruder, Schwester und ihrem Verlobten, Miniaturmenschlein, die einen Fernseher in die Wohnung tragen, um sich dann dort weißes Rauschen anzusehen und danach wieder zu verschwinden als wäre nichts gewesen, ein tanzender Zwerg, ein grünes Monster und das letzte Mal Rasenmähen – Murakami umreißt alle bei ihm denkbaren Themen in seiner Kurzgeschichtensammlung aus dem Jahr 1993.

Cory Doctorow – Walkaway

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Eine Welt, in der alles im Überfluss produziert werden kann und trotzdem künstlich für Verknappung gesorgt wird? Cory Doctorow entwickelt in seiner Utopie Walkaway Ideen für das Zusammenleben in der Zukunft.

Die Welt in der Zukunft: Ein Großteil der Menschen lebt in den Städten, wo es kaum Arbeit gibt und das Leben von Superreichen, den sogenannten Zottas, kontrolliert wird. Eigentlich ist die Technik soweit, dass alles Notwendige per Knopfdruck produziert werden kann. Doch immer noch ist das Geld das Wichtigste, weswegen Produkte künstlich verknappt werden, um mit ihrem Verkauf weiterhin Profit machen zu können.

Jon Krakauer – In die Wildnis

Jon Krakauer In die wildnis Rezension

Der (ewige) Traum der unberührten Wildnis und das Drama eines jungen Mannes. Jon Krakauers Reportage In die Wildnis.

Was veranlasst einen jungen Mann im Jahr 1990 dazu, kurz nach seinem Abschluss alles aufzugeben und zu verschwinden? Er nimmt einen neuen Namen an, spendet seine gesamten Ersparnisse einer gemeinnützigen Organisation, setzt sich ins Auto und fährt los. Immer Richtung Westen. Auf dem Weg lässt er seinen Wagen stehen, verbrennt auch noch das letzte Geld und trampt fortan. Sein Ziel: das Leben für sich neu erfinden.

Peter Stamm – Agnes

Peter Stamm Agnes Rezension

Peter Stamms Debütroman Agnes erschien bereits 1998. Es ist ein kurzes Werk, das zärtlich und voller Melancholie vom Scheitern einer Liebe erzählt.

„Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.“ – So beginnt der nur 153 Seiten kurze Roman des Schriftstellers Peter Stamm. Doch anstatt Antworten zu liefern, auf die Fragen, die durch jene ersten Worte aufgeworfen werden, führt uns der Ich-Erzähler zurück an den Anfang, als er Agnes zum ersten Mal begegnete.