Carsten Jensen – Der erste Stein

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Carsten Jensens Politthriller Der erste Stein über verfehlte Afghanistan-Politik und die Brutalität des Krieges leidet im zweiten Teil an zu einfachen Erklärungen, die den Gesamteindruck schwächen.

In einem Militärcamp in Afghanistan treffen neue Soldaten ein. 24 Männer und die einzige Frau Hannah stehen unter der Führung des charismatischen Rasmus Schrøder. Nach ihrer Ausbildung sind sie motiviert, ihren Dienst in dem fremden Land zu verrichten. Doch schnell zeigt sich, dass die Tage monoton vergehen und auch die Patrouillen keine Abwechslung bieten.

Monatsrückblick: Unsere Bücher im Juli

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Hallo August! Tschüss, heißer Juli, der zum Teil so verschwitzt und anstrengend war, dass es kaum möglich war zu lesen. Deshalb ist das Lesepensum letzten Monat etwas geringer – vor allem kürzere Literatur hat ihren Weg zu uns gefunden, wie Murakamis Kurzgeschichtensammlung, Peter Stamm, Jon Krakauer und Philip Roth. Es folgt unser Monat Juli in Büchern:

Haruki Murakami – Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Das 100%ige Mädchen, die Beziehung zwischen Bruder, Schwester und ihrem Verlobten, Miniaturmenschlein, die einen Fernseher in die Wohnung tragen, um sich dann dort weißes Rauschen anzusehen und danach wieder zu verschwinden als wäre nichts gewesen, ein tanzender Zwerg, ein grünes Monster und das letzte Mal Rasenmähen – Murakami umreißt alle bei ihm denkbaren Themen in seiner Kurzgeschichtensammlung aus dem Jahr 1993.

Cory Doctorow – Walkaway

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Eine Welt, in der alles im Überfluss produziert werden kann und trotzdem künstlich für Verknappung gesorgt wird? Cory Doctorow entwickelt in seiner Utopie Walkaway Ideen für das Zusammenleben in der Zukunft.

Die Welt in der Zukunft: Ein Großteil der Menschen lebt in den Städten, wo es kaum Arbeit gibt und das Leben von Superreichen, den sogenannten Zottas, kontrolliert wird. Eigentlich ist die Technik soweit, dass alles Notwendige per Knopfdruck produziert werden kann. Doch immer noch ist das Geld das Wichtigste, weswegen Produkte künstlich verknappt werden, um mit ihrem Verkauf weiterhin Profit machen zu können.

Jon Krakauer – In die Wildnis

Jon Krakauer In die wildnis Rezension

Der (ewige) Traum der unberührten Wildnis und das Drama eines jungen Mannes. Jon Krakauers Reportage In die Wildnis.

Was veranlasst einen jungen Mann im Jahr 1990 dazu, kurz nach seinem Abschluss alles aufzugeben und zu verschwinden? Er nimmt einen neuen Namen an, spendet seine gesamten Ersparnisse einer gemeinnützigen Organisation, setzt sich ins Auto und fährt los. Immer Richtung Westen. Auf dem Weg lässt er seinen Wagen stehen, verbrennt auch noch das letzte Geld und trampt fortan. Sein Ziel: das Leben für sich neu erfinden.

Peter Stamm – Agnes

Peter Stamm Agnes Rezension

Peter Stamms Debütroman Agnes erschien bereits 1998. Es ist ein kurzes Werk, das zärtlich und voller Melancholie vom Scheitern einer Liebe erzählt.

„Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.“ – So beginnt der nur 153 Seiten kurze Roman des Schriftstellers Peter Stamm. Doch anstatt Antworten zu liefern, auf die Fragen, die durch jene ersten Worte aufgeworfen werden, führt uns der Ich-Erzähler zurück an den Anfang, als er Agnes zum ersten Mal begegnete.

Walter Moers – Ensel und Krete

Rezension Walter Moers Ensel und Krete

Das etwas andere Märchen: Walter Moers hat mit Ensel und Krete eine düstere und phantasievolle zamonische Version des Klassikers Hänsel und Gretel geschaffen.

Die Geschwister Ensel und Kretel, zwei junge Fhernhachen, machen mit ihren Eltern Urlaub im Großen Wald. Doch neugierig, wie sie sind, lassen sie sich von der spannenden Flora und Fauna ablenken und kommen vom Weg ab. Immer tiefer geraten sie in den Wald hinein und immer aussichtsloser scheint ihre Situation. Ob ihnen eines der vielen Waldwesen behilflich sein kann? Und existiert die gefürchtete Waldspinnenhexe wirklich?

„Es ist vollkommen gleichgültig, in welche Richtung ihr geht. Der Wald wird mit euch wachsen und euch immer wieder im Kreis führen, bis ihr wieder dahin kommt, wo ihr hergekommen seid. Ihr befindet euch in einem lebendigen Labyrinth. Es gibt keinen Weg hinaus. Es geht nur immer tiefer hinein.“

Kazuaki Takano – 13 Stufen

Rezension Kazuaki Takano 13 Stufen Roman

In seiner Zelle erwartet der Verurteilte Kihara seit sieben Jahren die Todesboten. Immer um neun Uhr morgens holen sie die todgeweihten Kandidaten. Wann er an der Reihe ist, weiß Kihara nicht. In einem Raum ohne natürliches Licht, nur knapp drei Quadratmeter groß, durchlebt er jeden Tag Todesangst: Zittern, Schweißausbrüche und unkontrollierten Harndrang. An die Tat, für die er verurteilt wurde, kann er sich nicht erinnern. Einzig die Erinnerung an eine Treppe kehrt wieder, eine Treppe, die er in Todesangst hinauflief. Kann er dem Urteil doch noch entgehen?

Zitat des Tages: Aus Roberto Bolaños „Die wilden Detektive“

Zitat Roberto Bolano die wilden Detektive

Über einen gewissen Zeitraum hinweg begleitet die Kritik das Werk, ehe sie entschwindet und die Leser seine Begleiter werden. Die Reise kann von sehr langer oder sehr kurzer Dauer sein. Danach sterben die Leser einer nach dem anderen, und das Werk setzt einsam seinen Weg fort, obwohl sich immer wieder neue Kritiken, neue Leser seiner Reise anschließen. Dann stirbt die Kritik ein weiteres Mal, es sterben die Leser, und auf dieser nach und nach mit von Gebeinen bedeckten Straße setzt das Werk seine Reise in die Einsamkeit fort. Sich ihm zu nähern, in seinem Kielwasser zu schwimmen bedeutet den sicheren Tod, und dennoch nähern sich ihm unermüdlich andere Kritiken, andere Leser, die allesamt von Zeit und Geschwindigkeit verschlungen werden. Am Ende reist das Werk in absoluter Einsamkeit durch die unendlichen Weiten. Und eines Tages stirbt es, so wie alle Dinge sterben, so wie die Sonne vergeht, die Erde, das Sonnensystem und die Galaxien und noch die verborgensten Teile des menschlichen Gedächtnisses. Was als Komödie beginnt, endet als Tragödie.

Roberto Bolaño, „Die wilden Detektive“.

Kurz und knackig: Reality-Show & Die Kunst, Champagner zu trinken (Amélie Nothomb)

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Reality-Show

In Frankreich startet eine neue Reality-Show namens Konzentration. Menschen werden willkürlich verhaftet und in ein Lager eingesperrt. Rund um die Uhr werden sie von Kameras begleitet. Einige von ihnen werden als Kapos eingesetzt und dürfen darüber bestimmen, welche der Gefangenen jeden Tag zur Strecke gebracht werden. Unter den Kandidaten ist auch die junge Pannonica, die sich nicht einschüchtern lassen will und für die anderen Gefangenen schnell zu einer Art Erlöserfigur wird.

„Wenn es eine Hölle gibt, werde ich halt dort schmoren, mir doch egal.“
„Es gibt eine Hölle, und wir sind mittendrin.“

Michael Ondaatje – Warlight/Kriegslicht

Michael Ondaatje Warlight Rezension Kriegslicht

Das Leben einer Mutter: Michael Ondaatjes neuestes Werk Warlight nimmt den Leser mit auf eine Reise ins London der Nachkriegszeit. Am Ende bleibt der Eindruck, dass hier trotz hohem Niveau mehr möglich gewesen wäre.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs werden Nathaniel und seine Schwester Rachel von ihren Eltern in London zurückgelassen. Sie bleiben in der Obhut des geheimnisvollen „The Moth“ und dessen Freunden, die, so vermuten die Geschwister, sich im kriminellen Milieu bewegen. In diesen Kreisen werden die beiden erwachsen und beschützt.