Monatsrückblick: Unsere Bücher im Februar

Monatsrückblick BÜcher im Februar 2018

Zum allerersten Mal in drei Jahren (unser Blog hatte tatsächlich am Donnerstag Geburtstag!) präsentieren wir euch unseren Monatsrückblick. Der Februar war ziemlich abwechslungsreich, insgesamt zwölf Bücher haben wir gelesen, eines davon abgebrochen. Welche Bücher uns überzeugen konnten und welche nicht, erfahrt ihr im Folgenden.

Fuminori Nakamura – Die Maske

In der japanischen Kuki-Familie herrscht die Tradition, den jeweils jüngsten Sohn dazu zu erziehen, Böses über die Menschen zu bringen. Doch Fumihiro wehrt sich gegen die Bestimmung und geht seinen eigenen Weg und wendet sich gegen den Vater. Nakamura hat hier ein sehr eigenes Buch geschrieben, das unterschiedliche Themen verbindet. Die Gedankenwelt mancher Protagonisten erscheint erst einmal grotesk, doch dem Autor gelingt es, diese glaubwürdig darzustellen. Getragen wird der Roman vor allem durch Fumihiro und dessen Selbstzweifel an seinem Tun. Eine Rezension erscheint in den nächsten Tagen.

Fernando Aramburu – Patria

Dieser Roman über den Konflikt im Baskenland ist bereits jetzt für mich ein Anwärter für die Liste der Bücher, die für mich zu den besten des Jahres gehören. Anhand zweier Familien zeigt er die Folgen der Gewalt auf, sowohl für Einzelpersonen als auch für eine Gesellschaft. Doch nicht nur inhaltlich ist der Roman absolut gelungen, auch stilistisch kann er durch seine spannende Erzählkonstruktionen überzeugen. Für mich das Lesehighlight in diesem Monat und eine absolute Empfehlung. Zur Einzelbesprechung geht es hier.

Yaa Gaysi – Heimkehren

Der Roman begleitet zwei Schwestern und ihre Nachkommen über Generationen hinweg. Während Effia und ihre Familie in Ghana bleiben und dort in die Geschäfte des Sklavenhandels einsteigen, wird Esi nach Amerika verkauft, wo ihre Kinder und Kindeskinder als Sklaven schuften und gegen Rassismus und Rassentrennung ankämpfen.
Immer wieder bin ich um dieses Buch herumgeschlichen und sehr froh, es endlich gelesen zu haben. Die Autorin besitzt unglaubliches Potenzial und wird, denke ich, schriftstellerisch noch einiges erreichen in den nächsten Jahren. Ein großartiges und beklemmendes Familienporträt, das ich hier im Detail besprochen habe.

Frank Witzel – Direkt danach und kurz davor

Frank Witzel widmet sich hier Deutschland in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Nachdem ich von dem mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969 sehr beeindruckt war, habe ich mich diesen Monat an sein neues Werk gewagt und es nach 40 Seiten erst mal abgebrochen. Sprachlich hat mich der Autor wieder sofort gepackt, aber ich habe überhaupt keinen Zugang zu dem Inhalt des Romans gefunden. Aber das heißt nicht, dass ich es schon aufgegeben habe. In einigen Wochen werde ich einen neuen Versuch wagen.

Gloria Steinem – My Life on the Road

Gloria Steinem, Ikone des Feminismus, beschreibt in diesem autobiografischen Buch ihr Leben, ihre Kindheit, den Beginn ihrer politischen sowie aktivistischen Laufbahn. Erschütternde Erlebnisse und witzige Anekdoten reihen sich aneinander und vermitteln nicht nur ein Bild der Autorin, sondern vor allem auch ein Bild Amerikas der letzten Jahrzehnte. Steinem zeigt Rassismus und Sexismus auf, wo ich ihn bisher nicht vermutet hatte, zumindest nicht so extrem. Es ist ein unterhaltsames und zugleich sehr lehrreiches Buch, das eine starke Frau und ihre Lebensgeschichte porträtiert.

Matt Haig – How to stop time

Tom Hazard wird einfach nicht älter: obwohl er schon über 400 Jahre auf der Welt ist, sieht er gerade mal aus wie Anfang vierzig. Und obwohl er viele verschiedene Leben an vielen interessanten Orten gelebt hat, kann Tom einfach nicht glücklich werden. Er lebt in ständiger Angst davor, dass man sein Geheimnis entdeckt und ihm oder seinen Liebsten Schaden zufügt.
Matt Haig hat auch mit diesem Roman wieder ein kluges und einfühlsames aber auch sehr humorvolles Buch geschrieben. Einfallsreich und rasant zeigt das Buch, was den Menschen ausmacht und wie wichtig Zeit für uns ist. Hier findet ihr unsere Rezension zu dem Roman.

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Sylvia Plath – Die Glasglocke

Esther Greenwood schlägt sich mit einer mehrwöchigen Hospitanz bei einem New Yorker Modemagazin, ihren jungen Mitstreiterinnen und grausamen Partys herum. Doch als sie wieder nach Hause zurückkehrt, fällt sie in ein tiefes Loch. Gefangen zwischen traditionellem Frauenbild und ihrem innigsten Wunsch, Dichterin zu werden, auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und einer lebenswerten Zukunft, wird der psychische Druck immer größer, bis Esther schließlich in einer Klinik landet.
Sylvia Plath nahm sich vier Wochen, nachdem ihr einziger Roman erschien, das Leben. Im Angesicht dessen ist Die Glasglocke ein schockierender Spiegel ihrer selbst, der sehr viele Parallelen zu Plaths Leben aufweist. Trotzdem ist es zugleich auch eines der witzigsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Mit schwarzem Humor und viel Zynismus beschreibt Protagonistin Esther ihr gesellschaftliches Umfeld sowie ihre Suizidversuche.
Eine ausführliche Rezension folgt in den nächsten Tagen.

Adam Haslett – Stellt euch vor, ich bin fort

Wie geht eine Familie damit um, wenn der Vater an einer manischen Depression erkrankt und auch der älteste Sohn eine ähnliche Veranlagung zeigt? Eine zentrale Frage in Adam Hasletts Roman. Ausgehend von eigenen autobiografischen Erfahrungen erzählt er eine feinfühlige und sensible Familiengeschichte, in der jedes Mitglied eine eigene Stimme erhält und unterschiedliche Sichtweisen auf die Situation offenbart. Besonders hervorzuheben sind die sprachlichen Beschreibungen der Krankheitszustände. Eine lange Besprechung haben wir bereits hier geschrieben.

Ann Leckie – Die Maschinen

Für ihren Debütroman hat die Autorin eigentlich alle großen Preise des Science-Fiction Genres erhalten. Hinter Breqs menschlicher Fassade verbirgt sich eine Maschine, dazu geschaffen zu erobern und Befehle auszuführen. Doch nun ist sie auf Rache aus und will ihren eigenen Erschaffer töten. Ihr Ziel ist die Freiheit. Zu viel will ich zu diesem Roman an dieser Stelle erst mal nicht verraten, aber trotzdem die besondere Schreibweise hervorheben: Im Roman wird ausschließlich das generische Femininum benutzt und somit jede Figur und jede Bezeichnung mit der weiblichen Form gekennzeichnet ist. Dieser Umstand kommt in der deutschen Übersetzung aufgrund der grammatischen Unterschiede zur englischen Sprache deutlich stärker zum Vorschein als im Original. So wird aus „visitor“ und „friend“ konsequent immer „Besucherin“ und „Freundin“. Die ausführliche Rezension erscheint in der zweiten Hälfte des März.

Dennis Gastmann – Der vorletzte Samurai

Journalist Dennis Gastmann und seine Frau Natsumi reisen in ihren Flitterwochen quer durch Japan. Zwischen Familientreffen und chinesischen Touristenströmen, zwischen heiligen Tempeln und verrückten Robo-Shows fängt Gastmann einzigartige Momente ein.
Ganz durchgelesen habe ich es noch nicht, aber ich finde das Buch total interessant, da eine Japan-Rundreise noch ganz weit oben auf unserer Liste steht. Gastmann ist ein Meister im Entdecken von skurrilen Situationen. Mal schreibt er bildhaft poetisch und mal wahnsinnig komisch. Für alle, die sich für Japan interessieren oder allgemein gerne auf Reisen gehen und Neues kennenlernen möchten.

Deborah Feldman – Unorthodox

In ihrem autobiografischen Bericht beschreibt die Autorin ihr Leben in einer ultraorthodoxen Gemeinde in Williamsburg, New York. Sie erzählt anschaulich von den strengen religiösen Regeln, der Unterdrückung der Frauen und einer in sich geschlossenen Gemeinde, die sich gegen Einflüsse von außen abschottet. Deborah Feldman hat es geschafft, aus diesem Leben auszubrechen und sich in Berlin eine neue Existenz aufzubauen. Ihr Bericht ist schockierend und liefert schonungslose Einblicke in den Alltag und die Organisation dieser Gemeinde. Unorthodox haben wir bereits hier ausführlich besprochen.

Einar Kárason – Die Sturlungen

In seinem historischen Roman erweckt der isländische Autor eine der wichtigsten Epochen seines Heimatlandes zum Leben. Das 13. Jahrhundert war in Island geprägt von Familienfehden, die sich zu einem Bürgerkrieg entwickelt haben. Eine der beteiligten Familien trug den Namen Sturlungen. Die Ereignisse der Zeit wurden von den Zeitgenossen in den Sturlungen-Sagen festgehalten, wobei einige Autoren selbst an den Auseinandersetzungen beteiligt waren. Einar Kárason hat sich über zwanzig Jahre mit dem Werk beschäftigt und einen vielstimmigen Roman geschaffen, der die Kämpfe, die Intrigen und Verwicklungen deutlich werden lässt. Gerade für Interessierte der isländischen-Geschichte eine Empfehlung. Zur ausführlichen Rezension geht es hier.

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