Monatsrückblick: Unsere Bücher im April

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Unser April war literarisch gesehen ein recht voller Monat – auch, was Themen und Genres betrifft, war einiges dabei. Ein paar Bücher konnten uns richtig begeistern, aber die ein oder andere Lektüre auch leider nicht.

Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore II

Endlich, Murakamis von mir heiß ersehnter zweiter Band! Die Geschichte knüpf nahtlos an Band 1 an: der Protagonist porträtiert Marie weiter, forscht nach der Vergangenheit des Malers Tomohiko Amada, distanziert sich von seinem Nachbarn Menshiki. Als Marie plötzlich verschwindet, sieht sich der Protagonist gezwungen, tief in sein eigenes Ich hineinzusehen – und das nicht nur im übertragenen Sinne. Mich konnte der zweite Teil genauso wie der erste begeistern! Besonders die abgedrehten Ereignisse im späteren Verlauf, die schon ein wenig an Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt erinnern, fand ich absolut fantastisch! Ein spannendes, rasantes und wunderbar magisch-realistisches Abenteuer, das viele Fragen aufwirft und seine Leser mit ausreichend Denkanstößen zurücklässt. Eine ausführliche Rezension gibt es hier.

Ken Follett – Das Fundament der Ewigkeit

Den neuen Ken Follett habe ich vor allem aus nostalgischen Gründen gelesen, nachdem ich in meiner Jugend die beiden ersten Kingsbridge-Romane gerne gelesen habe. Der neuste Teil war leider eine ziemliche Enttäuschung. Das Fundament der Ewigkeit spielt in der Epoche Elizabeths I. und folgt wie gewohnt verschiedenen Figuren, die aus Kingsbridge stammen. England ist von Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten geschwächt. Ned Willard tut alles, um seine Königin vor ihren Feinden zu schützen. Doch die Glaubenskämpfe haben ihn auch von seiner großen Liebe Margery getrennt. Gibt es für die beiden eine Zukunft? Was mir besonders negativ aufgefallen ist, sind die platten Figuren, die ganz klar in Gut und Böse getrennt sind, Abweichungen muss man mit der Lupe suchen. Dazu ist die Geschichte ziemlich spannungsarm, denn letztlich weiß eigentlich jeder, wie es ausgehen wird. Des Weiteren stören überflüssige Nebenschauplätze und (unnötige) Sex-Szenen, die mittlerweile anscheinend in jedem historischen-Roman zu finden sind. Somit war dieser Teil eine weitere Enttäuschung, nachdem ich bereits die Jahrhundert-Trilogie nicht zu Ende gelesen habe. Auf eine ausführliche Rezension möchte ich bei diesem Buch verzichten.

Benjamin von Stuckrad-Barre – Ich glaub‘, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen (Remix 3)

In seinem dritten Band Remix mit dem unglaublich langen aber fabulösen Titel geht es unter anderem um Boris Becker, Madonna, Christian Ulmen, Ferdinand von Schirach, Axel Springer, Tattos, Pharrell Williams Hit-Song „Happy“ und noch viel viel mehr. Hier beweist Stuckrad-Barre, dass er keinerlei Können eingebüßt hat und immer noch einer der akkuratesten und unterhaltsamsten Chronisten Deutschlands ist. Mir war das Buch allerdings ein wenig zu inaktuell und mit zu vielen älteren Herren im Fokus. Ein bisschen mehr zu dem Buch aber vor allem auch zur völlig abgedrehten Lesung in Bochum verrate ich in diesem Beitrag.

David Gilbert – Was aus uns wird

Mein Lesehighlight des Monats April. Eine Geschichte über schwierige und belastende Vater-Sohn Beziehungen und Schuld. Der Autor A. N. Dyer hat mit seinem Roman „Ampersand“ Weltruhm erlangt, ist privat aber gescheitert. Geschickt spielt David Gilbert mit Klischees über Autoren und mit einem nicht immer vertrauenswürdigen Erzähler. Was sich der deutsche Verlag bei der Titelübersetzung (&Sons) gedacht hat, bleibt mir allerdings schleierhaft. Aber dessen ungeachtet war Was aus uns wird ein Roman, der mir bis jetzt nicht aufgefallen war, dafür aber umso mehr Eindruck hinterlassen hat. Hier unsere Rezension zu dem Buch.

Patrick Rothfuss – Der Name des Windes

Der Name des Windes zählt zu den wohl bekanntesten und beliebtesten Fantasybüchern – völlig zurecht! Die Geschichte um den Gastwirt Kvothe, der einem Chronisten seine Lebensgeschichte erzählt, ist einfach wunderschön und wahnsinnig spannend. Der Roman ist deutlich ruhiger und unblutiger als die meisten anderen dieses Genres, aber gerade dieses unübliche Tempo und der Fokus auf Kvothes Entwicklung und Ausbildung machen es zu etwas ganz Besonderem. Rothfuss ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler! Mehr zu dem Buch könnt ihr hier nachlesen.

Adrian Tchaikovsky – Die Kinder der Zeit

Nachdem die Menschen die Erde aufgeben mussten, fliegen sie zu einem weit entfernten Planeten. Doch jemand war bereits vor ihnen dort und hat ein Evolutionsvirus ausgesetzt, das Wesen mit menschenähnlicher Intelligenz erschaffen hat. Die Kinder der Zeit ist ein spannender Evolutionsroman, vor allem in Hinblick auf die Wesen, die sich durch den Virus entwickeln: Spinnen. Dabei wechselt der Roman in kurzen Kapiteln immer wieder die Perspektive zwischen Menschen und Spinnen. Ein außergewöhnliches Werk, das mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde. Die ausführliche Rezension erfolgt hier.

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Megan Hunter – Vom Ende an

Während England von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird, bekommt eine Frau ihr erstes Kind. Auf der Flucht erlebt sie Schrecken und Angst, aber vor allem empfindet sie eine tiefe Liebe für ihr Kind. Der nur knapp 150 Seiten lange Debütroman zeichnet sich durch kurze und klare Sätze aus, in denen auf der einen Seite die ganze Zerstörung der Flutwellen und die damit einhergehende Verzweiflung mitschwingt und auf der anderen Seite eine tiefe und ehrliche Liebe zwischen Mutter und Kind. Durch die starke Fokussierung auf die Mutter-Kind Beziehung gerät das Szenario in den Hintergrund, die Figuren bleiben auf Distanz und auch die Atmosphäre leidet darunter. Der Leseeindruck war daher eher gespalten.

Haruki Murakami – Wilde Schafsjagd

In dem frühen Werk von Murakami erhält der gewohnt namenlose Protagonist einen mysteriösen Anruf und soll sich für einen sehr einflussreichen Mann auf die Suche nach einem ganz besonderen Schaf begeben. Diese Schafsjagd ist in der Tat ziemlich wild, verknüpft sie nämlich auch Murakamis Erstling Wenn der Wind singt/Pinball 1973 mit dem später folgenden Tanz mit dem Schafsmann. Es ist verrückt, es ist surreal, es tauchen viele abgedrehte aber extrem liebenswürdige Charaktere auf – was will man mehr?! Für mich nach wie vor eines von seinen besten Büchern, auch nach diesem Re-Read. Eine Besprechung findet ihr hier.

Donald Ray Pollock – Die himmlische Tafel

Nach dem Tod ihres Vaters ziehen die Jewett-Brüder 1917 raubend und mordend durchs Land. Auch mit seinem neuen Roman Die himmlische Tafel beweist Donald Ray Pollock, dass er ein gutes Gespür für außergewöhnliche Charaktere hat und sich für die gescheiterten Existenzen interessiert. Dabei verliert er sich aber nie in den Biographien seiner Figuren, sondern folgt den Jewett-Brüdern. Obwohl das Buch im Jahr 1917 spielt, sind in dem Amerika von Pollock Bildung und Fortschritt Fremdwörter. Zur kompletten Rezension gelangt ihr hier.

Amanda Lovelace – the witch doesn’t burn in this one

Der zweite und aktuelle Lyrikband von Amanda Lovelace befasst sich weitgehend mit dem Thema Feminismus – mit häuslicher und sexueller Gewalt, mit Body Shaming und Misogynie, aber auch mit dem Ausbrechen aus solchen Strukturen. Als zentrales Märchenmotiv werden hier die Hexen, welche die Frauen repräsentieren, gewählt. Auch wenn mir einige Gedichte sehr gut gefallen haben, habe ich doch einen deutlichen qualitativen Unterschied zu the princess saves herself in this one gespürt und bin vor allem mit dem wütenden, gar aggressiven Unterton mancher Gedichte überhaupt nicht einverstanden. Genaueres könnt ihr in unserer Rezension nachlesen.

Yasmina Reza – Babylon

Nach der Frühlingsfeier steht mitten in der Nach Elisabeths Nachbar vor der Tür und bittet sie und ihren Mann um Hilfe: Er hat seine Frau erwürgt und weiß nicht, was er tun soll. Wie wird Elisabeth reagieren? In ihrem Roman Babylon bleibt Yasmina Reza ihrem Stil und Thema treu. Jetzt könnte man ihr vorwerfen, sie sollte doch mal von ihrem Muster abweichen und etwas Neues ausprobieren. Aber warum ändern, was gut funktioniert? Auch Babylon ist gut durchdacht, funktioniert dramaturgisch einwandfrei, auch wenn es keine Überraschungen gibt. Die Dialoge sind dabei der Höhepunkt des Romans, aber ebenso kommen auch einige komische Momente nicht zu kurz. Wer von Yasmina Reza und ihrer Kunst der Eskalation noch nicht genug hat, wird auch mit Babylon seine Freude haben. Die gesamte Rezension findet ihr hier.

2 Antworten auf „Monatsrückblick: Unsere Bücher im April

  1. Hallo 👋

    Mich hat der dritte Teil der Kingsbridge-Reihe auch sehr enttäuscht :(
    Für mich hatte das Ganze nichts mehr mit Kingsbridge und den schönen Bauwerken zu tun..

    Das hätte auch der Beginn einer neuen Reihe werden können.

    Liebe Grüße,

    Donatha

    Gefällt 1 Person

    1. Das finde ich auch sehr schade. In den ersten beiden Bänden spielte der Großteil der Geschichte in Kingsbridge und die Kathedrale stand im Mittelpunkt der Handlung. Jetzt könnte der Roman letztlich auch in jedem anderen Ort spielen. Einen weitere Fortsetzung (die ja schon am Ende ein bisschen angedeutet wird) werde ich wohl nicht mehr lesen.

      Liebe Grüße

      Alex

      Gefällt 1 Person

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