Amanda Lovelace – the witch doesn’t burn in this one

Rezension Amanda Lovelace the witch doesn't burn in this one

Amanda Lovelace ist mit ihrem neuen Gedichtband the witch doesn’t burn in this one zurück. Die Hexe brennt zwar tatsächlich nicht, dafür aber ziemlich viele Männer – female empowerment mal sehr radikal.

Amanda Lovelace, die nicht nur mich, sondern auch unzählige Leser mit ihrem Erstling the princess saves herself in this one begeistern konnte und somit den Goodreads Choice Award in der Kategorie „poetry“ gewann, ist nach Rupi Kaur vermutlich die am meisten gelesene und besprochene junge Lyrikerin der sogenannten tumblr poets bzw. insta poets. Im März ist ihr neues Buch erschienen, ein Gedichtband mit fast 200 Seiten, der sich eigentlich dem Feminismus widmen möchte, sich aber leider viel zu oft an der Grenze zur Misandrie bewegt.

for the girl on fire.
thank you for inspiring me to
gently set the world alight.
you may have
a gown of flames,
but those same flames
run through my
veins.

So wunderschön und vielversprechend beginnt der Lyrikband und verkündet zwischen den Zeilen Aufklärung, Revolution, Verbundenheit und Unterstützung – und vor allem Frieden. „Gently set the world alight“ ist das, was ich von den Gedichten erwartet habe, aber nur teilweise finden konnte. Gerade diese sanfteren Gedichte sind es jedoch, die Lovelace so gut schreiben kann.

the witch doesn’t burn in this one ist quasi ein einziges großes #meetoo-Werk. Lovelace schreibt von Missbrauch und Vergewaltigung, von Gewalt gegen Frauen, von Unterdrückung durch den Vater oder den Freund. Hochaktuelle Themen, die immer noch viel zu oft verschwiegen werden. Die Gedichte sind mutig, sie sind emotional und für mich als Leserin wirklich berührend bis verstörend.

she’s
so scared
to
takeupspace
that even
the weight
of her
bones
sometimes
feels like
too much

Wenn ich ganz ehrlich bin, sind allerdings nicht alle Gedichte zu dieser Thematik gelungen und zum Teil wird einfach einiges wiederholt, ohne einen neuen Mehrwert beizutragen. Hier ist natürlich die Frage, ob Lovelace nicht gerade aufgrund der Aktualität so viel wie möglich anbieten wollte, sodass die Qualität bei einigen Gedichten ein wenig leiden musste.

Sehr lesenswert wiederum sind auch die Zeilen, die sich mit dem Thema female empowerment auseinandersetzen, das Amanda Lovelace bereits in ihrem vorherigen Band angesprochen hat und dem sich auch Rupi Kaur in ihren beiden Büchern milk and honey sowie the sun and her flowers widmet.

you
gentle
(comma)
strong
(comma)
resilient
(comma)
deadly
creature
(comma)
you
(period)

– you are an unstoppable force.

Was mich allerdings wahnsinnig an diesem Buch gestört hat, ist die Wut und der Hass, die in manchen Zeilen mitschwingen. Klar, female empowerment wird hier oft mit Feuer, Stärke und Macht in Verbindung gebracht, was an sich nichts Schlimmes ist, aber nach einer gewissen Anzahl wütender Gedichte habe ich mich gefragt, ob man das nicht alles schöner hätte lösen können. Lovelace spricht zwar eigentlich nur von den Männern, die uns Frauen schaden, leider wirken viele Gedichte sehr generalisierend und vermitteln völlig falsche Einstellungen, wie die, Feuer mit Feuer zu bekämpfen oder die Idee „vengeance is the new moving on“, die ich persönlich so nicht unterschreiben würde.

women,
i implore you:
build your fire.
let them get
nice & relaxed
until their lungs
have more
smoke
than they do
air
&no way
to call out
for
help.

Bei diesem Punkt scheinen sich auch die Leser recht uneinig zu sein – bei Goodreads sind viele einer ähnlichen Meinung wie ich, die Amazon-Rezensionen jedoch sind hauptsächlich von begeisterten jungen Frauen, die sich durch diese Gedichte verstanden, unterstützt und stärker als zuvor fühlen.

Lovelace schreibt viel über Misogynie, verfällt aus meiner Sicht aber öfter in das Gegenstück, die Misandrie. Meiner Meinung nach sollte man nicht versuchen, sich gegenseitig zu stärken, indem man andere schwächt und auf dem Scheiterhaufen verbrennt.

Die aggressive Stimmung in einigen Teilen dieses Bandes verhindert leider, dass ich die inspirierenden und bewegenden Gedichte richtig genießen und wertschätzen kann. Ich hätte mir mehr empowerment im positiven Sinne gewünscht. So bin ich am Ende recht zwiegespalten, was the witch doesn’t burn in this one angeht. Es sind zwar einige tolle Gedichte dabei, aber im Gegensatz zu Amanda Lovelaces erstem Buch ist es doch eher nur mittelmäßig.

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