John Burnside – Die Spur des Teufels

 

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Von dunklen Geheimnissen

Michael Gardiner lebt zurückgezogen abseits des schottischen Küstendorfes Coldhaven. Eines Morgens liest er in der Zeitung, dass sich eine Frau namens Moira Birnie umgebracht hat und dabei auch ihre beiden Söhne mit in den Tod gerissen wurden. Einzig die Tochter Hazel blieb am Leben. Erst nach einiger Zeit wird Michael klar, dass es sich bei Moira um die Frau handelt, mit der er eine kurze Affäre hatte. Plötzlich sind die Erinnerungen an seine Jugend wieder da: wie seine Eltern von den Dorfbewohnern tyrannisiert wurden und er selbst von Moiras Bruder gequält wurde. Und ebenso an Mrs. Collings, die ihm riet, sich nicht alles gefallen zu lassen. Seitdem trägt er ein düsteres Geheimnis mit sich.

Der Beginn des Romans Die Spur des Teufels von John Burnside hat bei mir die Erwartung an einen düsteren Thriller hervorgerufen, die sich beim Lesen allerdings nicht erfüllt hat. Der Beginn ist noch sehr mysteriös, so wird davon berichtet, dass der Teufel angeblich in Coldhaven an Land gekommen wäre und zudem erscheint der Zeitungsartikel, der von dem Suizid und dem Tod der Kinder berichtet. Was dann aber folgt, ist eher ein Monolog von Michael, der sich an seine schwere Kindheit erinnert. Das Verhältnis zu den Eltern macht keinen besonders guten Eindruck. Weder erzählt er ihnen davon, wie er gemobbt wird, noch berichten sie ihm, dass sie als Fremde in dem Dorf nicht willkommen sind. Zum Zeitpunkt des Erzählens ist Michael längst erwachsen, wohlhabend und, wie mir schien, auch etwas gelangweilt. Die fehlende Kommunikation, die bereits seine Beziehung zu den Eltern prägte, findet sich nun in seiner Ehe wieder, die nicht gerade als glücklich zu bezeichnen ist. Leider bin ich Michael während der Lektüre nie richtig nahe gekommen. Dadurch wurde die Handlung für mich öfter etwas zäh. Zu Beginn fand ich eigentlich nur die Abschnitte interessant, die sich mit Michaels Eltern, einem Künstlerehepaar, beschäftigten (leider wird hier ein Geheimnis zwischen den beiden angesprochen, aber nicht aufgeklärt).

Zum Glück hat sich dieser negative Anfangseindruck im weiteren Verlauf geändert. Der zweite Teil hat mich dafür mehr gefesselt. Nachdem Michael klar geworden ist, dass er mit Moira vor vierzehn Jahren eine Affäre hatte und die überlebende Tochter genauso alt ist, kommt eine neue Dynamik in die Erzählung. So wird Michael zu einer Art Stalker und die Geschichte wird schon fast zu einem Roadtrip, bei dem der intertextuelle Bezug zu Nabokovs Lolita so offensichtlich ist, dass Michael ihn selber anspricht.

Was mir, wie schon bei anderen Romanen Burnsides, außerordentlich gut gefallen hat, ist der Stil des Autors. Vor allem seine ruhigen, bildreichen Naturbeschreibungen erzeugen eine besondere Atmosphäre.

Manchmal kam ich im Sommer frühmorgens mit dem Rad her und betrachtete aus halb offener Tür den Sonnenaufgang. An diesem Feldrain ging die Sonne über Bäumen und nicht über dem Wasser auf, weshalb sie hier ganz anders aussah als auf der Landzunge oder der Strandpromenade. Manchmal schimmerte sie weißlich, beinahe gespenstisch, und man musste zwischen den all den Blättern schon fast danach suchen, dann wieder, vor allem zu Beginn des Frühlings, schien sie wie ein großer roter Ball am Horizont hochzuschnellen und die kahlen Bäume in glosendes, glutrotes Feuer zu tauchen.

Generell wirkt der Roman an manchen Stellen sprunghaft und scheint keiner klaren Chronologie oder klaren Struktur zu folgen. Die Übergänge entsprechen den Gedanken von Michael und so folgt der gesamte Roman seinen Assoziationen und Kommentaren zum Geschehen und Erinnern.

Mit Abstrichen überzeugend

Die Spur des Teufels ist für mich bis jetzt der schwächste Roman von John Burnside. Gerade den ersten Teil der Handlung fand ich langweilig, was vor allem daran lag, dass ich keinen Bezug zu Michael herstellen konnte, der das Geschehen wie in einem Monolog darstellt. Und wenn der Stil von John Burnside nicht so gut wäre und ich nicht ein Fan von ihm wäre, hätte ich es vermutlich nicht zu Ende gelesen. Der weitere Teil der Handlung ist dann zum Glück spannender und konnte mich etwas für den Anfang entschädigen.

3sterne

3 thoughts on “John Burnside – Die Spur des Teufels

  1. Mir ging es ähnlich, allerdings habe ich dieses Buch im Gegensatz zu Dir dann doch abgebrochen.
    Welche Titel von Burnside würdest Du mir denn empfehlen?

    Viele Grüße,
    Friederike

    Gefällt 1 Person

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