John Burnside – In hellen Sommernächten

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Die Grenzen zwischen Realität und Illusion

Liv wohnt mit ihrer Mutter auf einer Insel in der Nähe des Polarkreises. Sie ist ein verschlossenes Mädchen, das die Einsamkeit sucht und keine wirklichen Freunde hat. Einzig zu ihrer Mutter und ihrem Nachbarn Kyrre, einem Geschichtenerzähler, hat sie mehr Kontakt. Als zwei Klassenkameraden von Liv ertrinken, sind die Bewohner der Insel nicht weiter beunruhigt. Nur Liv, beflügelt von den Geistergeschichten Kyrres, glaubt an die männermordende Huldra, eine alte Sagengestalt. Und welche Rolle spielt Maia, eine weitere Außenseiterin, die mit den Jungen kurz vor ihrem Tod gesehen wurde? Gleichzeitig erhält Liv unverhofft einen Brief, der ihre eigene Lebensgeschichte betrifft…

In seinem Buch In hellen Sommernächten spielt John Burnside gekonnt mit der Vorstellungskraft des Lesers und nie ist wirklich klar, was erzählte Realität ist und was nur der Fantasie Livs entspringt. Liv lebt mit ihrer Mutter, einer Künstlerin, ein fast schon einsiedlerisches Leben auf der Insel und hat nur wenig Kontakt zu anderen Menschen. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter findet ohne viel Kommunikation statt. Beide lassen sich ihre Freiräume und kommen ohne große Worte aus um ein scheinbar glückliches Leben zu führen. Neben ihrer Mutter spielt nur der Nachbar Kyrre eine größere Rolle in Livs Leben. Der Geschichtenerzähler, der aus der Zeit gefallen scheint, hat sie mit erzogen und ihr viele alte Sagen und Geschichten erzählt. Nach dem Ertrinken der Schuljungen erwacht besonders die Geschichte der Huldra in Livs Fantasie zum Leben – oder ist sie doch Realität? Die Grenzen zwischen dem was Liv wirklich sieht und dem was sie sich einbildet werden immer undeutlicher und selbst sie kann den Unterschied kaum erkennen. Für die Geschichte spielen die Natur und die Einsamkeit in der Nähe des Polarkreises eine wichtige Rolle und John Burnside gelingt es ausgezeichnet, diese Natur und das Gefühl des Alleinseins darzustellen. Die Sprache des Autors ist sehr bildreich und beschreibt ausführlich die Natur sowie die Gedanken der Protagonistin. Das Erzähltempo ist dabei sehr gemächlich, wobei Livs Gedanken häufig sehr komplex und mitunter auch verwirrend sind.

Gespenstergeschichte, aber kein Krimi

In Hellen Sommernächten ist ein spannender Roman, der durchaus auch schauerliche Momente bietet, aber ich würde ihn nicht als Krimi bezeichnen. Vieles wird der Interpretation und der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Das was Liv erzählt wird immer sagenhafter und es ist nie wirklich klar, was sie sich nur einbildet und was wirklich passiert ist. Umrahmt wir die Geschichte von John Burnsides gewandter und poetischer Sprache, die sowohl die Natur als auch die Fantasie zum Leben erwecken. Ein wirklich gut gelungener Roman.

4sterne

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