Neil Gaiman – Nordische Mythen und Sagen

Rezension Neil Gaiman Nordische Mythen und Sagen

Neil Gaimans neustes Buch, Nordische Mythen und Sagen, ist eine spannende, aber wenig originelle Sammlung von Nacherzählungen der altnordischen Göttergeschichten.

In seiner Sammlung von Mythen erzählt Gaiman unter anderem wie Göttervater Odin die Welt erschuf, die anderen Götter und die Menschen. Oder wie Odin sein Auge verlor aber Weisheit gewann, wie Loki drei uneheliche und äußerst gefährliche Kinder zeugte, wie die Götter die Riesen um die Hand der schönen Freya betrogen, wie der Met der Dichter hergestellt wurde, von den Äpfeln der Unsterblichkeit und von der gefürchteten Götterdämmerung Ragnarök.

All that kept me from madness was thinking of this moment, rehearsing it in my mind, imagining the days when my beautiful children and I would end the time of the gods and end the world.

Als Kind waren es vor allen Dingen die römischen und griechischen Götter die mich faszinierten – besonders letztere. Zeus und seine unzähligen Frauen, Athene, die aus dem Haupt ihres Vaters entsprang, der Raub der Helena, die Musen und Nymphen, Herakles und Achilles, Hades und seine Unterwelt, all das war eine riesige, unbekannte und spannende Welt für ein zehnjähriges Mädchen. Die nordische Mythologie jedoch hatte mich nie näher interessiert und ich könnte jetzt leider nicht erklären, warum. Schade einerseits, andererseits aber auch eine sehr gute Voraussetzung, um Gaimans Nordische Mythen und Sagen zu lesen.

In seinem Vorwort erklärt der Autor, dass er keinerlei Absicht besitzt, die Mythen neu zu spinnen, es geht ihm lediglich um die möglichst korrekte und vollständige Wiedergabe ebendieser. In fünfzehn Kapiteln schreibt Gaiman in schlichter Sprache, auch auf dieser Ebene also originalgetreu, über die nordischen Götter und ihre Eskapaden. Gaimans zwei Hauptquellen für die Sagen sind die sogenannte Prosa-Edda von Snorri Sturluson (13. Jahrhundert) sowie die noch ältere Lieder-Edda, deren Autor(en) unbekannt ist/sind. Edda ist das nordische Wort für Urgroßmutter – somit sind die Sammlungen quasi als „Urgroßmutters Geschichten“ übersetzbar. Manche Mythen in Gaimans Buch sind Hybride aus beiden Quellen, da sie zum Teil unterschiedlich detailliert dargestellt wurden oder auch unterschiedliche Fakten enthielten.

No one, then or now, wanted to drink the mead that came out of Odin’s arse. But whenever you hear bad poets declaiming their bad poetry, filled with foolish similies and ugly rhymes, you will know which of the meads the have tasted.

Ein wenig hat mir Gaimans wundervoller Schreibstil schon gefehlt, denn gerade der macht unter anderem seine Bücher aus. Trotzdem war die Lektüre für mich eine große Freude, was aber vor allem daran lag, dass ich nicht mit den Mythen vertraut war. Kenner der nordischen Sagen werden hier wohl kaum etwas Neues erfahren, haben aber einen Band, in den sie immer wieder mal reinlesen können. Ich persönlich war fasziniert von den Göttern, ihrer Welt und ihren Schandtaten – oftmals haben mich die Geschichten an Fabeln und die in ihnen vorkommenden Trickster erinnert, da Odin, Thor, Loki und die anderen sich ebenfalls ständig gegenseitig täuschen und austricksen, oder auch Fremde in Mitleidenschaft ziehen.

Des Öfteren habe ich auch Parallelen zu verschiedenen Serien (allen voran natürlich Vikings aber auch Game of Thrones) oder Computerspielen und sogar zur Bibel feststellen müssen – ich meine, die beiden ersten Menschen, die Göttervater Odin erschafft, heißen Ask und Embla, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich fand es sehr spannend, immer wieder auf Namen zu stoßen, die ich irgendwoher kannte oder auf Details, die es so ähnlich schon einmal irgendwo anders gab.

Neil Gaimans neustes Werk Nordische Mythen und Sagen ist ein unterhaltsames Buch, das einen völlig fasziniert in die Welt der nordischen Götter abtauchen lässt. Es ist vielleicht nicht wirklich innovativ, aber ein schönes Leseerlebnis, bei dem man außerdem noch einiges lernen kann, solange man noch kein versierter Fan der nordischen Mythologie ist.

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