Shani Boianjiu – Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

9783462045581

Drei Mädchen, die im Nahen Osten ihren Militärdienst leisten

Die drei Freundinnen Yael, Lea und Avishag leben in einem kleinen israelischen Dorf an der Grenze zum Libanon. Schon während der Schulzeit spielen Themen wie Krieg und Tod eine große Rolle in ihrem Leben. Nach dem Schulabschluss werden alle drei zum Militärdienst eingezogen und voneinander getrennt. Shani Boianjiu beschreibt das Leben der Soldatinnen abwechselnd aus der Perspektive von Avishag, Yael und Lea, die zwischen Langeweile auf den Stützpunkten, ihrer Einsamkeit und grausamen Erlebnissen gefangen sind.

Es ist ein spannender Einblick in das Leben der israelischen Jugend – wenn man das Geschehen nicht allzu nah an sich heranlässt. Dabei hat mir vor allem Boianjius kühler und distanzierter Schreibstil geholfen. Durch diesen fühlte ich mich wie ein Beobachter statt ein Teil der Geschichte zu werden. Andernfalls hätte mich das Buch wohl emotional sehr mitgenommen, da ich doch ab und zu näher am Wasser gebaut bin.

Einige Rezensionen im Internet kritisieren diese Distanz, die die Autorin aufbaut – für mich zeigt sich jedoch die Abgeklärtheit, mit der die jungen Mädchen beim Militär dem Tod und dem Schrecken gegenüber stehen. Für sie ist es nichts Besonderes, wenn Freunde ermordet werden; und das macht mich sehr betroffen. Gerade wir, die wir in gut behüteten Verhältnissen in Europa aufgewachsen sind, können uns nur schwer so ein Leben vorstellen. Mit 18 Jahren waren meine einzigen Sorgen ein halbwegs gutes Abitur zu schaffen und meine Jugend so gut es geht zu genießen. Wenn man allerdings zum Militärdienst in einem ständig unter Spannung stehenden Land verpflichtet ist, sieht das alles ganz anders aus.

Ein interessantes Erlebnis, doch irgendetwas fehlt

Diesen Einblick fand ich sehr faszinierend, doch so hundertprozentig zufrieden war ich nach dem Lesen nicht. Vielleicht lag es daran, dass Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst nicht wie eine abgeschlossene Geschichte wirkt, sondern vielmehr wie die Beschreibung eines Lebensabschnitts, die Aneinanderreihung von Geschehnissen, jedoch ohne Höhepunkte oder ein klares Ende. Vielleicht habe ich aber auch trotzdem ein paar Emotionen zwischen all der Abgebrühtheit vermisst, auch wenn ich das Buch dann heulend wie ein Schlosshund zusammengeklappt hätte – zumindest hätte sich das Ganze dann etwas runder angefühlt.

3sterne

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