N. K. Jemisin – The Fifth Season

N.K. Jemisin The fifth Season Rezension Zerrissene Erde

N. K. Jemisin vermischt in The Fifth Season Postapokalypse mit Fantasy und erzählt sprachlich anspruchsvoll von einer Welt am Abgrund.

Die Welt, in der Essun lebt, kennt nicht nur vier Jahreszeiten, sondern fünf. Dabei handelt es sich um die endzeitliche Fünftzeit, die sich durch Erdbeben oder ähnliche Naturereignisse zeigt und bereits einige Zivilisationen ausgelöscht hat. Die sogenannten Orogene können die Kraft der Erde manipulieren und werden mit Ablehnung betrachtet. Essun ist selbst eine Orogene, die in einem Dorf lebt, ohne dass Jija, ihr Mann, oder die anderen Bewohner von ihren Fähigkeiten wissen. Ihre Begabung hat sich allerdings auf ihre Kinder übertragen und Jija ermordet den gemeinsame n Sohn und flieht mit der Tochter. Während Essun die beiden verfolgt, kommt es zu einer neuen Apokalypse und mit einer neuen Fünftzeit bricht das Chaos aus…

Nein, N. K. Jemisin macht es ihren Lesern mit ihrem Roman The Fifth Season nicht gerade leicht. Das heißt aber nicht, dass ihre Fantasy-Saga nicht lesenswert wäre – ganz im Gegenteil. Sie erschafft eine fremdartige Welt, die sie mit neuen Begriffen und Wortschöpfungen füllt; zum Glück enthält das Buch ein umfangreiches Glossar. Die Welt von Essun ist düster, ständig drohen neue Katastrophen und die Gesellschaft ist straff gegliedert.

This is what you must remember: the ending of a story is just the beginning of another. This has happened before, after all. People die. Old orders pass. New societies are born. When we say “the world has ended” it’s usually a lie, because the planet is just fine.
But this is the way the world ends.
This is the way the world ends.
This is the way the worlds ends.
For the last time.

Jemisin hat sich dazu entschieden, den Teil der Handlung um Essun aus der eher selten genutzten zweiten Person zu erzählen, was zu einer starken Nähe mit Essun führt. Diese ist alles andere als die klassische Heldin, sondern voller Wut und Frust und ermordet Menschen, die sich ihr in den Weg stellen. Als Orogene war sie ihr Leben lang Verfolgung, Angst und Anfeindungen ausgesetzt. Außerdem kreist die Geschichte um zwei weitere weibliche Figuren. Neben Essun sind das Damaya und Syenite. Bei Damaya handelt es sich um ein junges Mädchen, dass am Fulcrum zur Orogenen ausgebildet wird. Syenite hat diese bereits hinter sich und lebt am selben Ort. Die Orogenen werden von den Wächtern sowohl beschützt als auch bedroht, für den Fall, dass sie sich mit ihrer Macht gegen die anderen Menschen wenden. Syenite wird gemeinsam mit Alabaster, einem der mächtigsten Orogenen, auf eine Mission geschickt, die ihre Sichtweise auf ihre Fähigkeiten und die Welt verändern wird. Außerdem soll sie mit Alabaster Kinder zeugen, die ebenfalls zu starken Orogenen erzogen werden können.

N.K. Jemisin The broken Earth Zerrissene Erde Rezension

Winter, Spring, Summer, Fall; Death is the fifth and master of all.

Jemisin erweist sich als eine großartige Autorin, die nicht nur eine spannende und intelligente Geschichte erzählt, sondern ebenso einen Fantasy-Roman geschaffen hat, der durch seine Originalität besticht. Die drei Handlungsstränge offenbaren nach und nach immer mehr über die komplexe Welt, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Magie (die hier allerdings anders bezeichnet wird), dabei immer unter der Prämisse, dass jederzeit eine nächste fünfte Jahreszeit beginnen kann. Dabei bewegt sie sich abseits der ausgetretenen Pfade des Genres und fügt ihm neue, moderne Aspekte hinzu. Dazu sorgt die sprachliche Ausgestaltung ebenfalls für Abwechslung und kann durch ihre Eigenartigkeit und Kraft für Begeisterung sorgen. Jemisin beweist, dass sie sowohl hart, emotional als auch poetisch schreiben kann. Klar, in dieser Welt sind die Glücksmomente an einer Hand abzuzählen und der Zorn, die Verzweiflung und Furcht der Protagonistinnen werden jederzeit greifbar geschildert. So wird immer die angemessene Tonlage gefunden, um den Leser tiefer in die Geschichte hineinzuziehen.

This is what you are at the vein, this small and pretty creature. This is the bedrock of your life. Father earth is right to despise you, but do not be ashamed. You may be a monster, but you are also great.

N. K. Jemisin bietet mit The Fifth Season, dessen Idee sie aufgrund eines NASA-Workshops für SciFi-Autoren entwickelt hat, erfrischende Fantasy in einem apokalyptischen Szenario, die etwas Neues wagt und diese originellen Ideen gekonnt umsetzt. Die Welt mit ihrer Komplexität schlägt ihre Leser immer mehr in ihren Bann und der Autorin gelingt ein ebenso abwechslungsreicher wie einprägsamer Stil, der den Roman deutlich von der Konkurrenz abhebt. The Fifth Season gehört für mich nicht nur zu den spannendsten und intelligentesten, sondern auch zu den besten Fantasygeschichten der letzten Jahre.

Eine deutsche Übersetzung dieses ersten Bandes ist bereits unter dem Titel Die zerrissene Erde erschienen und der zweite Teil für Februar 2020 angekündigt. Im Original liegen alle drei Bücher vor. Während für mich Band zwei The Obelisk Gate nicht ganz das sehr hohe Niveau des Auftakts erreichen konnte, gelingt mit The Stone Sky dafür ein würdiges Ende. Bis dahin bietet die Reihe Überraschungen und spannende Entwicklungen. Am Ende wird auch aufgedeckt, wer nun der Erzähler der Handlung ist. Übrigens wurden alle drei Romane mit dem Hugo Award ausgezeichnet.

 

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