Rückblick: Lesemonat September

Rueckblick Lesemonat September

Im vergangenen September haben wir insgesamt sechs Bücher gelesen. Darunter eine Enttäuschung aber ebenso auch Romane, die uns begeistern konnten. Hier die von uns gelesenen Titel und eine knappe Einschätzung.

Carlos Fuentes – Aura

Du liest eine Annonce in der Zeitung : ein junger Historiker wird für eine Schreibtätigkeit gesucht, das Zimmer wird gestellt. Doch die Wohnung, die du betrittst, ist völlig dunkel, und die alte Frau, die deine Auftraggeberin ist, bekommst du zunächst nicht zu Gesicht. Dafür aber ihre wunderschöne Nichte Aura: „Endlich wirst du diese meergrünen Augen sehen, wie sie fluten, zu Gischt zerstäuben, wieder zu einem ruhigem Grün werden, um sich darauf von neuem wie eine Welle zu entflammen.“ Hinter dem zunächst erotisch anmutenden Cover verbirgt sich eine Schauergeschichte der alten Schule über Jugend, Tod und Begierde, geschrieben in der Du-Perspektive und verpackt in eine poetische Sprache, die schnell einen unheimlichen Sog entwickelt. Atmosphärisch erinnert das kurze Buch an Edgar Allan Poe, Gabriel García Marquez und Carlos Ruiz Zafón, und hat mir vermutlich deshalb auch so gut gefallen.

Walter Moers – Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär

Der Blaubär entführt seine Leser auf den Kontinent Zamonien, wo Intelligenz eine übertragbare Krankheit ist und Sandstürme schon mal viereckig daherkommen. In insgesamt 13 ½ Abschnitten erzählt der Blaubär von seinem Leben und seinen Abenteuern. Der Roman von Walter Moers ist voller phantastischer Einfälle und zeichnet sich zudem durch tollen Humor aus. Dazu sind die Lebensabschnitte des Blaubärs abwechslungsreich gestaltet und er wächst seinen Lesern mit jeder Seite immer mehr ans Herz. Zusätzlich sorgen die farbigen Illustrationen für stimmungsvolle Eindrücke. Ein Muss für jeden Bücherfan!

Ruth Emmie Lang – Beasts of Extraordinary Circumstance

Der Debütroman der geborenen Schottin begleitet das Leben des Waisenjungen Weylyn Grey, der nach dem Tod eine Zeit lang mit Wölfen in den Wäldern Michigans lebte und eine besondere Verbindung zur Natur wie zum Wetter hegt. Erzählt wird die Geschichte allerdings nie von Weylyn selbst, sondern von Menschen, die ihm begegnet sind und ihn eine Weile begleiteten, wie seine Adoptivschwester Lydia, seine Lehrerin Ms. Lowry oder der Junge Roarke, den eine Mutprobe zufällig in Weylyns heruntergekommene Hütte führt. Nicht nur die originellen Erzählperspektiven sondern vor allem auch der merk- und liebenswürdige Protagonist Weylyn haben mich völlig in ihren Bann gezogen. Die Geschichte ist, obwohl sie eher (magisch-)realistisch gehalten ist, wundervoll märchenhaft – die perfekte Herbstlektüre!

Für Fans von Ali Shaw (Das Mädchen mit den gläsernen Füßen), Katherine Arden (Der Bär und die Nachtigall), Neil Gaiman (Der Ozean am Ende der Straße) und Leigh Bardugos Kurzgeschichten (Die Sprache der Dornen).

Andrew Ridker – Die Altruisten

Arthur lädt zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau die beiden Kinder nach Hause ein, um sich mit ihnen zu versöhnen. Weder Maggie noch Ethan ahnen, dass ihr Vater eigentlich hinter ihrem Erbe her ist. Andrew Ridker konnte mit seiner Familiengeschichte keinen besonderen Eindruck hinterlassen, da es an Überraschungsmomenten und Originalität mangelt. Durch die Überzeichnung der Charaktere gelingt ihm dennoch ein kritischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft und auch stilistisch ist ihm wenig vorzuwerfen. Trotzdem ist Die Altruisten kein Roman, der aus der Masse heraussticht, wie ihr hier nachlesen könnt.

Sally Rooney – Gespräche mit Freunden

Frances und ihre Ex-Freundin Bobbi lernen das Ehepaar Melissa und Nick kennen, die als Fotojournalistin und Schauspieler arbeiten. Sie treffen sich bei Veranstaltungen, zum Essen und führen Gespräche über Politik, Freundschaft, Kunst und Sex. Frances fühlt sich immer stärker zum verheirateten Nick hingezogen…Gespräche mit Freunden mag eher langsam starten und kreist dabei sehr stark um die Figuren, wobei aus der Sicht für Frances erzählt wird. Mit der Zeit werden die Betrachtungen immer differenzierter und so auch spannender zu lesen, wodurch der Roman spätestens ab der Hälfte deutlich an Fahrt aufnimmt. Die ausführliche Besprechung erfolgt in Kürze.

Emma Glass – Peach

Die Novelle folgt Peach, die mit den unmittelbaren physischen, psychischen und emotionalen Auswirkungen einer Vergewaltigung zu kämpfen hat. Triggerwarnung: Vergewaltigung, Mord, Tierquälerei, Kannibalismus, Selbstverletzung, Stalking, explizite und grafische Darstellung von Gewalt. So schockierend die Themen sind, so faszinierend ist die Sprache. Peach erzählt in einem einzigen Bewusstseinsstrom und experimenteller Prosa, die manchmal schon an Lyrik erinnert, voller Sprachspiele und Symbolik davon, wie sie versucht, alleine mit dem Geschehenen zurechtzukommen. Sprachlich fand ich das Buch unglaublich ansprechend, inhaltlich ist bewusst vieles unklar gehalten: wie viel davon ist Realität, wie viel Symbolik und wie viel Traum, Halluzination? Es bleibt viel Interpretationsspielraum, was für jeden Leser vermutlich unterschiedlich positiv oder negativ ist. Vollkommen umgehauen hat mich das Buch glaube ich nicht, aber woran das liegt, kann ich noch nicht ganz sagen – es ist auf jeden Fall ein gelungenes Erstlingswerk, über das ich aber erst einmal in Ruhe nachdenken muss.

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