Jean-François Parot – Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

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Im ersten Band von Jean-François Parot ermittelt Commissaire Le Floch im Auftrag des Königs und erweist sich als kluger Ermittler im Paris des 18. Jahrhunderts.

Nach seinem Studium bei den Jesuiten arbeitet Nicolas Le Floch als Gehilfe bei einem Notar. Doch plötzlich wird er aus seinem Alltag gerissen und gelangt, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben, zum Polizeipräfekten von Paris. Im Winter 1761, mitten im Karneval, soll er Nachforschungen anstellen, die ihn in Spielhöllen, Bordelle und Verliese führen. Was als scheinbar kleiner Fall beginnt, entwickelt sich zu einem Mord, dessen Auswirkungen direkt den König betreffen können. Gelingt es Nicolas rechtzeitig, Licht ins Dunkel zu bringen und den Fall zu lösen?

Mit dem historischen Krimi Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel, liegt nun der erste Band einer Reihe des Autors Jean-François Parot vor, der sich in Frankreich großer Beliebtheit erfreut. Der Krimi bietet gute Unterhaltung, an manchen Stellen wirklich schöne Pariser Atmosphäre und einen sympathischen jungen Ermittler. Bei seinem Eintreffen in Paris ist Nicolas tief beeindruckt von der Metropole, findet sich in den Gassen kaum zurecht und droht, im Trubel des Karnevals unterzugehen. Über seine Jugend erfährt der Leser nur das Nötigste: Er ist Waise, verliebt in die Tochter seines Patenonkels und hat an einer Jesuitenschule eine gute Bildung genossen. Nun soll er im Auftrag des Polizeipräfekten Sartine innerhalb der Polizei ermitteln und andere Kommissare der Korruption überführen. Dafür wird er im Hause Lardin unterbracht, wo er sein Handwerk lernen soll. Doch eines Abends kommt Lardin nicht nach Hause. Nachdem Nicolas weitere Informationen von Sartine erhalten hat, entwickelt sich der Fall immer rasanter, es geschehen Morde und auch Nicolas selbst wird angegriffen. Hinter dem Verschwinden steckt viel mehr als er zunächst für möglich gehalten hätte.

Dieser Augenblick sollte Nicolas als derjenige seines wirklichen Eintritts in die Polizei in Erinnerung bleiben. Denn innerhalb weniger Minuten hatte er die Grenze überschritten, die den anständigen Menschen, der in unerschütterlichen Wahrheiten mit klaren Konturen verwurzelt ist, vom typischen Polizisten trennt, der niemals das oberste Ziel einer Untersuchung aus den Augen verlieren darf. Diese schwierige Kunst verlangt Entsagungen, Berechnungen und … die Bereitschaft, Bedenken über Bord zu werfen, im Zweifelsfall das zu opfern, was er für schön und edel hielt.

Was dem Fall leider abgeht sind wirkliche Spannung und Überraschungen. So kommen zwar immer neue Entwicklungen und Verstrickungen zum Vorschein, doch bieten diese keine keinen Wow-Effekt. Die Auflösung am Ende ist daher auch recht einfach vorauszuahnen. Dennoch bieten die Ermittlungen von Nicolas gute Unterhaltung, es macht einfach Spaß, dem jungen Mann zu folgen. Mit seiner etwas naiven, aber gleichzeitig unbekümmerten Art ist er ein sympathischer Ermittler. Dabei legt er eine Art des Verhaltens an den Tag, die von seinen Kollegen nicht immer positiv betrachtet wird. Was Parot ebenfalls gut gelingt, ist, mithilfe von atmosphärischen Beschreibungen ein Bild der Stadt Paris in der Vorstellung des Lesers entstehen zu lassen. Paris ist die heimliche Hauptfigur des Buches. Die Stimmung ist eher düster und stellenweise wird es auch ziemlich blutig.

Im Gegensatz zu Nicolas verleiht der Autor den anderen Figuren nur wenig psychologische Tiefe. Einzig der Polizeipräfekt Sartine kann mit seinem Verhalten noch überraschen. Dafür bietet der Roman neben historischen Personen wie einem Henker einige Nebenfiguren, die das Alltagsleben in Paris veranschaulichen. So etwa Tirepont, der einen Latrinendienst anbietet. Dafür trägt er auf seinen Schultern eine Stange an der Eimer befestigt sind, in denen die Menschen ihre Notdurft verrichten können – aus Mangel an öffentlichen Toiletten. So ist es kein Wunder, dass der Gestank immer wieder erwähnt wird. Auch auf der sprachlichen Ebene bemüht sich Parot um einen eher altertümlichen Klang, der auch in der Übersetzung erhalten bleibt. Dazu finden sich einige französische Begriffe, die sich gut in die Atmosphäre einfügen.

Mit dem Auftakt zu der Reihe um Commissaire Le Floch hat der Autor einen jungen und sympathischen Helden geschaffen, der Dreh- und Angelpunkt des historischen Krimis ist. Gleichzeitig schafft er eine düstere Atmosphäre des Paris im 18. Jahrhundert. Trotz seiner Unterhaltsamkeit mangelt es aber leider an richtiger Spannung und Überraschungsmomenten. Wer darüber hinwegsehen kann und Gefallen an historischen Krimis findet, sollte Nicolas Le Floch ab jetzt auf dem Schirm haben. Der zweite Band erscheint im Frühjahr.

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