John Williams – Stoner

513QdnjzoaL._SX312_BO1,204,203,200_

©dtv

Die Schilderung eines normalen Lebens

William Stoner wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Sohn einfacher Farmer geboren. Seine Eltern beschließen, ihn an die Universität zu schicken, wo er Agrarwissenschaften studieren soll. Schnell entdeckt Stoner an der Universität seine Leidenschaft für die Literatur und wird schließlich Professor. Während des Studiums lernt er seine Frau kennen, mit der er eine Tochter bekommt.

John Williams Roman Stoner erschien bereits im Jahr 1967 und wurde im Jahr 2006 wiederveröffentlicht. Erzählt wird hier die Geschichte eines eigentlich normalen Mannes, dessen Leben vor allem vom Lernen und der Liebe beeinflusst wird. Der Leser begleitet Stoner bei seiner Entwicklung und hat dabei Teil an seinen Entscheidungen und Gedanken. Sein Leben verläuft ohne große Dramen und auch ohne besondere Höhepunkte. Seine Ehe ist unglücklich, an der Universität muss er die Feindschaft von Kollegen ertragen. Teilweise fand ich es schwer, die scheinbare Gleichmütigkeit, die Stoner an den Tag legt und mit der den Umständen seines Lebens begegnet, zu ertragen und wartete darauf, dass er sich endlich einmal richtig zu Wehr setzt und für sich kämpft. Obwohl ich mit seinem Verhalten oft nicht einverstanden war und ständig hoffte, dass er zum Beispiel seiner Frau klare Widerworte gibt, war er mir als Hauptcharakter sympathisch. Ständig tauchte ich tief in seine Gedankenwelt ein und konnte an seiner Selbstreflexion teilhaben. Stoner ist weder Held noch Schurke, sondern ein Mann aus armen Verhältnissen, der vom einfachen Farmer zum Universitätsprofessor aufsteigt. Besonders schön war es, ihn in den Phasen seines Lebens zu begleiten, in denen er wirklich glücklich und zufrieden war.

Was das Buch für mich zu etwas wirklich Besonderem macht, ist der einfache und klare Stil des Autors, der teilweise schon fast wehmütig oder lakonisch ist. Zurückhaltend und ohne zu werten beschreibt Williams das Leben von William Stoner und findet dabei immer die richtigen Worte, sei es um die unglückliche Ehe zu beschreiben, das schwierige Leben als Lehrer an der Universität oder die seltenen Phasen des Glücks. Ohne viele Sätze und Ausschweifungen verarbeitet der Autor verschiedene Themen wie die Liebe, die Leidenschaft für die Literatur oder die Bedeutung von Freundschaft. Die detaillierten Charakterstudien regen zum Nachdenken und Hinterfragen an.

Zum Glück wurde dieser Roman wiederentdeckt

Der Roman Stoner gehört zu den besten, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Die Art wie Williams hier das Leben seines Protagonisten beschreibt war sehr ergreifend. Das Leben von Stoner ist nicht besonders aufregend, aber trotzdem regt das Buch zum Nachdenken an und die stark ausgearbeiteten Charaktere sind sehr plastisch beschrieben. Obwohl mir Stoner als Person nicht wirklich immer sympathisch war, habe ich ihn sehr gerne durch sein trauriges und anrührendes Leben begleitet. Dieser Entwicklungs- und Eheroman ist jedem zu empfehlen.

 

5sterne

2 thoughts on “John Williams – Stoner

  1. Wie schön, daß wir in der lesenswertigen Einschätzung von STONER harmonisch übereinstimmen!
    Mit seiner zwischenmenschlichen Präzision, seinen poetisch-philosophischen Reflexionen und seiner lebenserfahrenen Tiefenschärfe ragt dieser Roman zeitlos heraus und verdient zu Recht das Prädikat Klassiker.
    John Williams wahrt in „Stoner“ eine bewundernswerte Balance zwischen mitgefühlvoller Charakterzeichnung und intellektueller Disziplin.
    Falls Ihr Lust zu einen Lesebesuch auf meinem Buchbesprechungs-Blog habt, hier folgt der Link zu meiner Rezension:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/04/20/stoner/

    Außerdem könnte Euch auch der sprachlich sehr feingeschliffene „ Mr Moonbloom“ von Edward Lewis Wallant gefallen.
    Die besondere Gabe des Autors, Edward Lewis Wallant, liegt in der zugleich einfühlsamen wie schonungslosen Beschreibung der verschiedenen Charaktere, die seinen Roman bevölkern. Es ist bewundernswert, wie er es schafft, mit wenigen Sätzen, manchmal sogar nur mit einem einzigen Satz und einer kurzen Dialogszene einen Charakter und eine dazugehörige biografische Entwicklung in glaubwürdige Erscheinung treten zu lassen.
    Linkwink:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2013/02/20/mr-moonbloom/

    Bibliophile Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s