Adrian Tchaikovsky – Im Krieg

Adrian Tchaikovsky Im Krieg Rezension

Action und moralische Fragen: Unterhaltsam erzählt Adrian Tchaikovsky in Im Krieg die Geschichte von Rex, der nur ein guter Hund sein will.

Rex ist eine riesige technische Bioform mit dem Äußeren eines Hundes. Erschaffen wurde er, um in Kriegen zu kämpfen und die Befehle seines Herrchens zu befolgen. Als Anführer eines Rudels nimmt er mit anderen Bioformen an Auseinandersetzungen teil, die seit Jahren andauern und immer brutaler geführt werden. Doch als sein Herrchen vor dem Kriegsgericht steht, kommen Rex immer größere Zweifel an seiner Daseinsberichtigung und seinem blinden Gehorsam.

„Ich bin ein guter Hund.“ Fast schon mantraartig wiederholt Rex diesen Spruch, um sich zu versichern, immer das Richtige zu tun. Dabei ist er kein echter Hund, sondern das Ergebnis von Experimenten und eine für den Krieg erschaffene Bioform. Mit den Themen künstliche Intelligenz und Superwaffen bedient der Autor Adrian Tchaikovsky mit Im Krieg aktuelle Diskussionen. Rex ist nicht die einzige Bioform, zu seinem Rudel gehören außerdem die Bärin Honey, das Chamäleon-ähnliche Wesen Dragon und ein Bienenschwarm mit Namen Bees. Sie allen wurden aus menschlicher und tierischer DNS erschaffen und ihnen wurde der unbedingte Wille zu gehorchen einprogrammiert. So sind sie Teil von Kampfhandlungen in Mittelamerika im Auftrag von Großkonzernen. Die Öffentlichkeit scheint sich jedoch immer mehr für die Kämpfe zu interessieren, bei denen Kriegsverbrechen begangen werden, die nun vertuscht werden sollen. Für Rex wird es immer schwieriger, die angeblichen Feinde als solche zu betrachten und so stellt sich nicht nur er moralische Fragen nach richtigem und falschem Handeln.

Sie sind neu, noch im Experimentierstadium. Viele Leute wollen sie nicht. Ihr einziger Daseinszweck besteht darin, dass man sie dorthin schicken kann, wohin man keine Menschen schicken würde. Aktivisten behaupten allerdings, dass man sie für Dinge einsetzt, die menschliche Soldaten nicht täten. Eliminierungsmissionen – kein Gewissen, keine Reue.

Tchaikovsky erzählt die Geschichte von Rex routiniert- vielleicht sogar zu routiniert. Ohne nennenswerte Nebenschauplätze folgt die Handlung Rex von dem Kriegsschauplatz in ein Gefängnis und zu weiteren Orten. Alles wirkt gut durchdacht und geplant, wichtige Themen werden angeschnitten und dazu gibt es einige Actionsequenzen. Rex erscheint als ideale Hauptfigur: ein Hund, gerne auch als der beste Freund des Menschen bezeichnet, wird von seinem Herrchen hintergangen und beginnt, sein Handeln sowie seine Moral zu hinterfragen. Dazu kommen Überlegungen, wie der Umgang mit den Bioformen gestaltet werden soll, welche Rechte sie erhalten könnten und zu welchem Zweck sie überhaupt eingesetzt werden. Durch den Fokus auf Rex ist der Roman sehr stringent erzählt, keine Längen oder unnötig erscheinende Zwischenhandlungen stören. Wer allerdings den zuvor veröffentlichten Sci-Fi Roman des Autors, Die Kinder der Zeit, gelesen hat, könnte dennoch eine gewisse Enttäuschung erleben. An die dort erreichte Komplexität und Tiefe kann er mit Im Krieg nicht anknüpfen.

Was hält mich davon ab, ihnen etwas zu tun, abgesehen von meinen Gefühl für Gut und Böse – dem ich bekanntlich nicht vertrauen kann – oder meinen Wissen um die langfristigen Konsequenzen meiner Handlungen? Ich würde schlimme Dinge erdulden müssen. Andere Bioformen ebenfalls. Möglicherweise alle Bioformen. Denn das ist ein weiteres neues Wort, das ich kenne. Dulden. Wir sind hier nur geduldet. Alles, was wir gewonnen haben, kann uns wieder weggenommen werden.

Im Krieg erzählt spannend und actionreich die Geschichte der Bioform Rex. Schnörkellos behandelt Adrian Tchaikovsky aktuelle Themen, allerdings ohne dabei die Klasse seines letzten Romans erreichen. Dennoch ist ihm ein unterhaltsamer Roman gelungen, der sich wieder mit ethischen Fragen auseinandersetzt, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Darstellungen abzurutschen.

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