Joshua Ferris – Männer, die sich schlecht benehmen

Joshua Ferris Männer die sich schlecht benehmen Kurzgeschichten Rezension

Joshua Ferris beschäftigt sich in seinen Geschichten kritisch mit Männern und Männlichkeit. Mit Männer, die sich schlecht benehmen hat er kluge und teilweise komische Storys geschrieben.

In der Danksagung von Joshua Ferris Story-Sammlung Männer, die sich schlecht benehmen befindet sich eine kurze Passage, in der er Frauen dankt, die ihn dazu ermutigt haben, seine männlichen Figuren noch negativer darzustellen. Und das ist ihm tatsächlich gelungen: seine Geschlechtsgenossen wirken alles andere als sympathisch. Männer stehen im Mittelpunkt der Storys, sie sind alt, jung, arm, reich und wohnen in den unterschiedlichen Ecken der USA.

Der Großteil der Geschichten ist relativ ähnlich aufgebaut. Der Protagonist befindet sich in einer mal mehr, mal weniger alltäglichen Situation, in der er sich eben daneben benimmt. Auslöser für das Verhalten ist meistens eine Frau. In der ersten Story mit dem Titel Die Dinnerparty bereitet ein Paar ein Abendessen für ein befreundetes Pärchen vor. Bereits während der Vorbereitung beginnt der Mann zu trinken und lästert immer mehr über die Gäste und beschreibt in negativen Tönen den Ablauf des Abends. Als das Paar nicht erscheint, sind die Reaktionen unterschiedlich: während er Absicht unterstellt, beginnt sie sich Sorgen zu machen – immerhin handelt es sich um ihre beste Freundin.

Sie besaß genug Selbsterkenntnis, um zu wissen, dass das Glück, das sie suchte, so wenig von einem Partner erzeugt werden konnte wie die Erlösung von Schmerzen. Selbst jemand, der viel lebendiger, achtsamer und lebensmutiger war als Jay, wäre damit überfordert gewesen. Nein, das, was sie sucht, musste sie schon in sich selbst finden. Und es war der mangelnde Mut in ihr selbst, der sie dabei am meisten beschäftigte.

Ferris gelingt es, mit nur wenigen Worten oder Sätzen komplexe Situationen zu beschreiben oder bestimmte Stimmungen hervorzurufen. Auch die Dialoge sind in den meisten Fällen treffend dargestellt. Obwohl die Figuren in der Regel unsympathisch sind und die eigentliche Situationen ernst, finden sich in vielen Storys skurrile, komische Momente. Was viele Figuren umtreibt, ist die Angst, den eigenen oder von außen herangetragenen Ansprüchen nicht genügen zu können. Ein Drehbuchautor, der auf den großen Durchbruch hofft, überlegt Ewigkeiten, ob eine Partyeinladung wirklich für ihn bestimmt ist, bevor er der Gastgeberin, die deutlich erfolgreicher ist als er selbst, antwortet. Auf der Party selbst denkt er nur über seine Außenwirkung nach und betrinkt sich dennoch hemmungslos.

Wenn es um Beziehungen geht, ist Ferris schonungslos. Auch hier betont er Optimierungsdruck und den Vergleich mit anderen. In Im Laufe des Abends sind Tom und Sophie auf dem Weg zu einem Abendessen mit ihren Eltern, als sie eine Frau entdeckt, die sie für die Affäre ihres Mannes hält. Sophie verfolgt die Frau und kommt zu dem Schluss, dass die Affäre „schöner“ ist als sie selbst. Fast schon systematisch ließe sich das Problem zwischen den Männern und ihren Frauen auf mangelnde Kommunikation herunterbrechen.

Jack war ein anständiger Mann, aber er musste sich jetzt eine ernste Frage stellen. Was tut ein Mann – und ich meine einen echten Mann, also was tut ein echter Mann –, wenn er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat?

Zugegeben sind aber auch nicht alle Storys auf demselben  Niveau gelungen. Manche sind schneller vergessen als die anderen. Gerade im Vergleich zu den Gelungenen fällt hier auf, dass sich manches zu sehr wiederholt und nichts wirklich Neues hinzugefügt wird.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, kommen die Geschlechtsgenossen des Autors in Männer, die sich schlecht benehmen nicht besonders gut weg. In den meisten Fällen handelt es sich um Egozentriker oder Betrüger. Joshua Ferris Storys sind immer dann am besten, wenn er komische Situationen mit Ernst verbindet und die Figuren mit präziser Beobachtung beschreibt.

 

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