Cixin Liu – Jenseits der Zeit

Cixin Liu Jenseits der Zeit Rezension

Mit Jenseits der Zeit liefert Cixin Liu ein würdiges Ende seiner Trilogie und beweist erneut seinen unerschöpflichen Ideenreichtum.

Achtung: Da es sich um den dritten Teil einer Reihe handelt, finden sich im Text Spoiler zur Handlung der beiden vorhergegangen Bände.

Mehrere hundert Jahre nachdem die Menschheit herausgefunden hat, dass sie nicht alleine im Universum ist und die Trisolaris-Flotte sich auf den Weg zur Erde gemacht hat, scheint es möglich, dass die beiden Zivilisationen friedlich nebeneinander existieren. Durch den Austausch zwischen den beiden Völkern macht die Wissenschaft auf der Erde sprunghaft Fortschritte. Als die Forscherin Cheng Xin im 21. Jahrhundert aus dem Kälteschlaf geweckt wird, soll sie anstelle des ehemaligen Wandschauers Luo Ji über das Abkommen mit den Trisolariern wachen. Doch die haben nur auf eine Möglichkeit gewartet, die Unvorsichtigkeit der Menschen zu nutzen und schlagen blitzschnell zu.

Mit Jenseits der Zeit hat Cixin Liu seine Trisolaris-Trilogie um den Konflikt zwischen der Menschheit und einer fremden Zivilisation nun abgeschlossen. Wer bis hierhin gelesen hat, will wohl endlich wissen, wie es ausgeht. Und so viel sei verraten, der Roman hält einige Überraschungen und Ideen bereit, mit denen deutlich mehr als nur ein Buch gefüllt werden kann.

Als das Leben aus dem Wasser an Land ging, war das ein Meilenstein der Evolution, doch die Fische, die aus dem Meer gestiegen waren, waren danach keine Fische mehr. Wenn der Mensch wirklich den Weltraum erobert und sich vom Leben auf der Erde befreit, ist er kein Mensch mehr. Daher möchte ich Ihnen allen einen Gedanken mit auf den Weg geben: Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie ohne einen Blick zurück losziehen in die Tiefen des Weltraums. Der Preis, den Sie dafür zahlen, ist höher, als Sie sich vorstellen können.

Die für mich wohl größte Überraschung war, dass der Konflikt mit den Trisolariern recht schnell abgehandelt wird und nach knapp einem Drittel keine Rolle mehr spielt. Dafür geht es immer tiefer in den Weltraum, den dunklen Wald, hinein. Liu bleibt hier seiner Linie und seinem Stil treu: der Fokus liegt auf der Handlung und der Wissenschaft, nicht auf den Charakteren, die blass daherkommen. Ebenso ist der Stil zu Beginn immer noch gewöhnungsbedürftig aufgrund der Flut an Informationen, die hier vermittelt werden. Aber wer bis hierhin gekommen ist, wird davon kaum überrascht sein. Dafür entfaltet sich die Handlung deutlich schneller als in den Vorgängern und reißt seine Leser mit.

Cixin Liu Trisolaris Trilogie

Der Roman hält viele erinnerungswürdige Szenen bereit. Etwa das Auffinden der Überreste einer Zivilisation, die von der dritten in die vierte Dimension gewechselt ist, um der Bedrohung des dunklen Waldes zu entkommen. Oder das Falten eines Universums von der dritten in die zweite Dimension, so dass es wie ein unendlich großes Gemälde für seine Betrachter wirkt. Der Autor bleibt sich ebenso treu bei seiner Darstellung der Menschheit als unterlegene Zivilisation. Daran kann auch die Technologie der Trisolarier nichts ändern.

Wir wissen heute, dass dieser Weg für jede Zivilisation der gleiche ist: Wir erwachen in einer kleinen Wiege, dann purzeln wir heraus und fliegen davon, fliegen immer höher und weiter, und irgendwann, irgendwann ist unser kleines Schicksal das Schicksal des ganzen Universums. Jedes intelligente Wesen strebt danach, einmal so groß zu werden wie seine Gedanken.

Wie gewohnt gibt es im Anhang Erläuterungen zu den beschriebenen Phänomenen. Hatte ich durchaus schon Probleme in den vorigen Bänden allem zu folgen, wurden diese beim Abschluss noch einmal vergrößert. Alleine sich vorzustellen, dass auf ein paar Seiten in der Handlung Milliarden Jahre vergehen, ist mehr als nur eine Herausforderung. Die Grundhaltung ist sehr negativ und wenig hoffnungsreich. Cheng Xin schlittert von einer schwierigen Situation in die nächste. Die Angst vor der Zerstörung ihres Sonnensystems ist für die Menschheit immer präsent und eine Lösung nicht in Sicht. Die Weite des Weltalls ist bei Liu ebenso faszinierend wie beängstigend.

Die Dunkelheit wich, und die Zeit begann. Die menschliche Sprache kennt keinen angemessen Begriff für den Augenblick des Anbeginns der Zeit. Es wäre falsch zu sagen, dass die Zeit anfing, nachdem sie durch die Tür gegangen waren, denn schon der Begriff „nachdem“ beinhaltet eine Vorstellung von Zeit. Hier war keine Zeit, und ohne Zeit gab es kein „Davor“ und „Danach“. „Nach“ dem Überschreiten der Schwelle konnte sowohl ein Milliardstel von einer Milliardstel Sekunde vergangen sein als auch eine Milliarde Jahre.

Auch im letzten Teil seiner Trilogie gelingt es Cixin Liu, seine Leser zu überraschen und neue Ideen einzubauen. Jenseits der Zeit ist ein würdiger Abschluss dieser Science-Fiction Reihe, wobei es eine Herausforderung darstellt, allem zu folgen und alles zu verstehen. Wer sich noch nicht an Lius Werk herangewagt hat, bekommt nun die Möglichkeit, alle drei Romane am Stück zu lesen und in eine Welt voller außergewöhnlicher Gedanken einzutauchen.

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