Mary Beard – SPQR. Die tausendjährige Geschichte Roms

Mary Beard SPQR die tausendjaehrige Geschichte Roms Rezension

Mit der Cambridge Professorin im antiken Roman: Mary Beard erkundet in SPQR das erste römische Jahrtausend.

Auf fast 600 Seiten versucht Mary Beard, eine tausendjährige Geschichte des römischen Reiches zu erzählen. Die Autorin ist Professorin für Klassische Altertumswissenschaft an der Universität von Cambridge. Mit dem Titel SPQR greift sie eine immer noch berühmte römische Redewendung auf: Senatus Populusque Romanus („Senat und Volk von Rom“) . Das Kürzel findet sich bis heute in der Stadt Rom, etwa auf Gullideckeln oder Abfalleimern.

Die Geschichte Roms ist eine große Herausforderung, da es nicht nur eine einzige Erzählung gibt, besonders nicht, nachdem die römische Welt sich über Italien hinaus ausgedehnt hatte. Die Geschichte Roms ist nicht gleich die Geschichte des römischen Britannien oder des römischen Afrika.

Der Zeitrahmen den Beard betrachtet, lässt sich genau bestimmen: sie beginnt im 8. Jahrhundert v. Chr. mit der Gründung Roms und lässt ihre Darstellung im Jahr 212 n. Chr. und dem Erlass von Kaiser Caracalla enden, der sämtlichen Bewohnern des Reiches die römische Bürgerschaft verlieh. Das erste Kapitel setzt jedoch nicht mit dem Beginn der Stadt Rom ein, sondern mit einer der wohl bekanntesten Figuren der römischen Geschichte: mit Cicero, der im Senat eine seiner bekannten Reden gegen Catilina zu halten. Für Beard eine der Episoden, die die Bedeutung des römischen Volks und des Senats bis heute unterstreicht. Wirklich überzeugen kann dieser Einstieg allerdings nicht. Für die Hinführung zum Untergang der Republik wären andere Figuren wie etwa Sulla durchaus prägnanter gewesen.

Auf das erste Kapitel folgend, arbeitet sich Beard chronologisch durch die römische Geschichte. Sie beginnt bei den Königen der Frühzeit und gelangt über die Republik bis zur Kaiserzeit. Mit Hilfe von archäologischen Zeugnissen und zeitgenössischen Quellen stellt sie auf der einen Seite eine Ereignisgeschichte dar und auf der anderen Seite streut sie ebenfalls immer wieder Exkurse zur Sozialgeschichte ein. Beard geht der Frage nach, wie es den Römern gelang, nicht nur ständig ihren Herrschaftsbereich auszudehnen, sondern mit welchen Mitteln es ihnen möglich war, diese Stellung zu erhalten. Der Fokus liegt dabei klar auf der Stadt Rom und den Strukturen des Reiches. Den Provinzen und den dortigen Vorgängen wird nur ein Kapitel gewidmet. Dabei hinterfragt sie an manchen Stellen sowohl zeitgenössische als auch moderne Interpretationen. Bei immerhin drei Autoren liefert sie auch eine etwas längere Quellenkritik.

Durch viele erzählerisch ausgeschmückte Passagen ist das Buch sicherlich einfacher zu lesen als die Fachliteratur. Während ihrer Darstellung geht sie ebenso auf moderne und antike Mythen ein und bietet für deren Entstehung und Erklärung eigene Gedanken und Interpretationen.

Mittlerweile glaube ich nicht mehr, wie ich es früher einmal naiv tat, dass wir unmittelbar von den Römern viel lernen können – ebenso wenig wie von den alten Griechen oder anderen alten Kulturen.

Wer sich für die römische Geschichte interessiert und einen übersichtlichen und kompakten Einstieg sucht, der wird mit SPQR nur wenig falsch machen können. Dabei sollte allerdings klar sein, dass es wohl kaum möglich ist, auf 600 Seiten einen so langen Zeitraum in all seinen Facetten darzustellen und zu erfassen. Leser, die durch andere Lektüre bereits einiges an Vorwissen mitbringen, werden dagegen nur wenig Überraschendes und Neues finden.

2 comments

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  1. Rückblick: Lesemonat März – Letusredsomebooks

    […] Die Cambridge-Professorin führt den Leser in SPQR durch die ersten tausend Jahre der römischen Geschichte. Beginnend bei den Gründungsmythen und der Königszeit im 8. Jahrhundert v. Chr. endet sie im Jahr 212 n. Chr. und dem Erlass, allen Einwohnern des Reiches das römische Bürgerrecht zu verleihen. Beard baut ihre Darstellungen chronologisch auf, bezieht sich auf zeitgenössische Quellen und archäologische Funde. Einige Kapitel befassen sich auch mit der Sozialgeschichte. Grundsätzlich liegt der Fokus aber den Entwicklungen in der Stadt Rom, den politischen Vorgängen in den Provinzen ist dagegen nur ein Kapitel gewidmet. Auf knapp 600 Seiten ist es natürlich nicht möglich, alle Details und Entwicklungen darzustellen, dennoch bietet das Buch für Einsteiger in die römische Geschichte eine gute Übersicht und weitere Lektüreempfehlungen. Die ausführliche Besprechung findet ihr hier. […]

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