John Gwynne – Macht. Die Getreuen und Gefallenen

Macht

John Gwynnes Macht ist zwar kein originelles Fantasy-Debüt, aber der Autor schafft aus den bekannten Versatzstücken eine spannende Handlung um alte Prophezeiungen, Kriege, Intrigen und Götter.

Die Verfemten Lande waren einst das Reich der Giganten. Nach dem Krieg mit den Menschen sind kaum noch Giganten übrig und die Welt hat sich verändert. Einzig ihre zahlreiche Bauwerke zeugen noch von ihrem Dasein. Doch als alte Legenden und Mythen wieder erwachen, werden mit ihnen auch die Giganten zahlreicher und mutiger. Steine weinen Blut und eine alte Prophezeiung verkündet die Rückkehr der Götter. Der junge Corban wartet derweil sehnsüchtig darauf, der Schmiede seines Vaters zu entkommen und endlich zum Krieger ausgebildet zu werden.

Macht ist das Fantasy-Debüt des Schriftstellers John Gwynne und der erste Band der Tetralogie Die Getreuen und Gefallenen. Gleich von Beginn an etabliert der Autor mehrere Erzählperspektiven, von denen vor allem zwei Handlungsstränge am stärksten verfolgt werden: zum einen das Aufwachsen von Corban und zum anderen der Aufstieg des adligen Veradis. Gerade die Entwicklung von Corban ist gerade im Fantasy-Genre sehr klassisch. Er wächst als Sohn eines Schmiedes auf, träumt aber vor allem davon, ein großer Krieger zu werden und Heldentaten zu vollbringen. Dazu ist er sehr neugierig und findet im Laufe der Handlung einige außergewöhnliche Freunde. Veradis dagegen ist bereits am Hof eines Königs, wo er schnell zum engsten Vertrauten des Prinzen Nathair wird. Nathair selbst verfolgt große Pläne.

„Wir leben in einer sehr bedeutsamen Zeit. Mit vielen Veränderungen. Einer Zeit, in der wir Entscheidungen zu treffen haben. Eine neue Ordnung wird kommen. Und ich werde mich an die erinnern, die mir geholfen haben, genauso wie an jene, die mich behindert haben, wenn meine Allianz weiter fortgeschritten ist.“

John Gwynne erfindet mit seinem Debüt das Fantasy-Genre natürlich nicht neu, trotzdem bietet er gute und spannende Unterhaltung. Leser, die mit dem Genre vertraut sind, werden nur wenig Neues entdecken: alte Prophezeiungen, Kriege zwischen den Göttern, die Suche nach Auserwählten, die für die eine oder andere Seite in den Kampf ziehen – insgesamt also nichts Überraschendes. Gwynne gelingt es aber, das Tempo ziemlich hoch zu halten. Corban macht eine neue Erfahrung und Entdeckung nach der anderen und Veradis reist schnell von einem Ort zum anderem im Auftrag seines Prinzen. Da bleibt nur wenig Platz für lange Erklärungen und Beschreibungen. Daneben gibt es natürlich auch allerhand Intrigen, leider ist der Plot-Twist dennoch sehr vorhersehbar. Neben Corban und Nathair werden weitere Kapitel aus der Sicht von anderen Figuren geschildert. Dabei ist Corbans Schwester Cywen die einzige weibliche Figur, aus deren Perspektive erzählt wird. Generell sind Frauen eher unterrepräsentiert in Macht und spielen mit wenigen Ausnahmen auch keine große Rolle.

Insgesamt schafft es Gwynne gut, die Entwicklung seiner Figuren darzustellen. Zwischendurch werden auch einige Kampf-Szenen geschildert, die für ausreichend Abwechslung und Spannung sorgen. Ebenso positiv ist, dass Gwynne genau zu wissen scheint, was er erzählen will. Die Geschichte wirkt keineswegs überladen und es werden nicht ständig neue Charaktere oder Handlungen eingeführt, deren Sinn unklar bleibt und die dann im Sande verlaufen, ohne großen Einfluss auf das große Ganze zu haben.

„Zum Beispiel, dass die Giganten zum ersten Mal seit Generationen in großer Zahl angreifen. Dass sich immer mehr Gesetzlose zusammenfinden, um uns zu überfallen und auszuplündern. Dass Kreaturen, Bestien, kühner als je zuvor durch die Dunkelheit schleichen. Und was noch schlimmer ist: Die Gigantensteine haben begonnen, Blut zu weinen. Nun sagt mir nicht, dass ihr von diesen Dingen nichts gehört habt.“

Sprachlich kommt der Roman dazu auch solide daher, ohne negativ oder positiv aufzufallen. Der einzige Aspekt, der mich deutlich gestört hat ist, dass sich alle Charaktere gegenseitig duzen. Gerade auf Versammlungen von Königen, die gerade über das Schicksal der Welt verhandeln, hat das ständige „du“ auf mich einen unfreiwillig komischen Eindruck gemacht. Die Verwendung des „Sie“ hätte der Stimmung und Atmosphäre deutlich besser getan.

Mit Macht gelingt John Gwynne mehr als nur ein solider Debütroman. Er bedient sich bekannter Handlungsmuster und verbindet diese auf spannende Weise, um seine Geschichte zu erzählen. Damit schafft er keinen originellen Fantasy-Roman, aber dennoch einen, der interessante Charaktere und eine spannende Handlung bietet.

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