Oliver Plaschka – Marco Polo. Bis ans Ende der Welt

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Die Welt will betrogen sein

Im Alter von 15 Jahren lernt Marco Polo zu ersten Mal seinen Vater, den Kaufmann Nicolò, kennen. Dieser war gemeinsam mit Marcos Onkel Maffeo in Asien unterwegs. Als die beiden erneut aufbrechen, werden sie von Marco begleitet. Ihr Ziel ist der Hof von Kublai Kahn, dem mächtigsten Herrscher der Welt. Nach einer zweijährigen Reise erreichen sie Xanadu, wo sich der Khan aufhält. Marco gelingt es, sowohl das Vertrauen des Khans, als auch das seines ältesten Sohnes zu erlangen. Während sein Onkel und Vater im Auftrag von Kublai durch dessen Reich reisen, muss sich Marco gegen Intrigen und Machtspiele am Hof zu Wehr setzen.

Mit seinem neuen Roman Marco Polo. Bis ans Ende der Welt begibt sich Autor Oliver Plaschka auf die Spuren des venezianischen Kaufmanns Marco Polo, der im 13. Jahrhundert bis nach China reiste und dort mit Kublai Khan, dem Herrscher der Mongolen, zusammentraf und später für diesen tätig war. Die Glaubwürdigkeit seiner Berichte wurde schon von seinen Zeitgenossen angezweifelt und ist bis heute immer noch umstritten.

Was für mich den besonderen Reiz des Romans ausmacht, ist die von Plaschka konstruierte Erzählsituation. Einige Jahre nach seiner Rückkehr befindet sich Marco in Gefangenschaft der Genuesen. Doch er ist nicht alleine. Sein Zellennachbar ist der Geschichtenerzähler und Literat Rustichello. Dieser lauscht den Erzählungen von Marco und macht sich Notizen, um die Reisen seines Mitgefangenen für die Nachwelt festzuhalten. Doch kann das, was Marco Polo ihm da erzählt, wirklich der Wahrheit entsprechen? Ist er bis nach China gereist, um dort dem mächtigen Kublai zu dienen? Oder ist er einfach nur ein Betrüger? Es ist spannend zu lesen, wie die beiden sich über Erzählungen ihrer Zeit unterhalten und dabei der Frage nachgehen, inwiefern der Erzähler die Wahrheit berichten muss. Dieser Teil des Romans ist der für mich deutlich bessere. So springt die Handlung zwischen den Berichten und den Gesprächen der beiden Gefangenen hin und her. Gerade zu Beginn ist es schwer, sich dem Zauber der Erzählung zu entziehen.

Ich habe mein Leben nicht gewählt. Mein Leben wählte mich; und es kam an einem Tag zu mir, da alle Wege in die Zukunft vor mir ausgebreitet lagen wie das Wasser auf den Straßen der Serenissima.

Der erste Teil des Romans beschreibt den Weg von Marco, seinem Vater und seinem Onkel nach China. Dieser ist für mich auch der stärkste des Buches. Oliver Plaschka gelingt es gut, die verschiedenen Kulturen und Landschaften zu beschreiben, welche von der Familie Polo durchwandert werden. Mit der Ankunft am Hof von Kublai verflacht die Handlung aber immer mehr. Die Darstellung der unterschiedlichen Kulturen ist immer noch ausführlich und nachvollziehbar beschrieben, aber leider konnte mich die Handlung nicht mehr fesseln. Die Figuren blieben mir größtenteils fremd und sind mir an manchen Stellen zu modern angelegt. Marcos liberale Einstellung gegenüber Homosexualität ist für einen Christen des 13. Jahrhunderts doch wenig glaubhaft. Ebenso sind die angekündigten Intrigen nicht spannend. Der Gegenspieler bleibt gesichtslos und letztlich ist die Auseinandersetzung dann auch schnell vorbei. Bei Marcos Berichten hatte ich das Gefühl, viele Seiten zu lesen, die mir aber nie nahe gegangen sind.

Ich kann meine Geschichten erzählen, wie ich es will.

Hatte der Venezianer ihm nicht selber mehr als einmal auf den Kopf zugesagt, was er von der Wahrheit hielt?

Die Wahrheit über Menschen und ihre Geschichten ist, dass sie manchmal voller Lügen stecken. Ich alleine entscheide, was die Wahrheit ist!

Trotz aller Kritik soll nicht verschwiegen werden, dass ich den Schreibstil des Autors sehr gerne mag. Ihm gelingt es wunderbar, die exotisch anmutenden Schauplätze in Szenen zu setzen, ebenso wie die Landschaftsbeschreibungen während der vielen Reiseberichte. Nur die Charakterdarstellung konnte mich (diesmal) nicht überzeugen.

Trotz Vorfreude eine Enttäuschung

Nachdem ich die Ankündigung des Romans gesehen hatte, war ich voller Vorfreude auf den Roman, da ich Oliver Plaschka als Autor gerne mag und gehofft hatte, dass er mit seinem historischen Roman aus der Masse hervorstechen kann. Leider ist das Buch für mich eine Enttäuschung geworden. Die Handlung um Marco Polos Reise ist mir zu flach, was durch die interessante Rahmenhandlung und den ansprechenden Schreibstil leider nicht wettgemacht werden kann.

Informationen zu Autor und Werk gibt es hier auf der Verlagsseite.

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Bibliographische Angaben:

Hardcover, Droemer HC
02.11.2016, 864 S.
ISBN: 978-3-426-28138-3

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