John Williams – Nichts als die Nacht

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John Williams Novelle Nichts als die Nacht zeigt einen jungen Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seine „Seele zu säubern“ und sich immer tiefer in seiner Gefühlswelt aus Schuld und Scham verstrickt.

Nichts als die Nacht, das Debüt von John Williams, wurde von ihm im Alter von 22 Jahren geschrieben. Die Novelle erzählt von einem Tag im Leben des jungen Arthur Maxley in San Francisco. Wir folgen ihm zu einem Treffen mit einem alten Bekannten, der sich von ihm Geld leihen will und von hier aus zu dem Wiedersehen mit seinem Vater, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Das Gespräch mit dem Vater endet mit unausgesprochenen Vorwürfen, deren Gründe in Arthurs Kindheit liegen. Daraufhin zieht es ihn einen Nachtclub, in dem er eine betrunkene Frau kennenlernt, zu der er sich stark hingezogen fühlt.

Hier sieht es aus wie in meiner Seele, dachte er. Unordentlich und schmutzig. Er lächelte. So ein Quatsch, sagte er sich. Es ist nur ein Zimmer, und heute Vormittag kommt das Zimmermädchen, um sauber zu machen, nur meine Seele, die kann sie nicht putzen. Wer könnte das schon, die Seele säubern?

Die Handlung von Nichts als die Nacht gestaltet sich übersichtlich, ist sowohl örtlich als auch zeitlich eindeutig begrenzt. Arthur Maxley weiß mit seinem Leben nicht wirklich etwas anzufangen. Zum Studieren scheint ihm die Motivation zu fehlen, statt spazieren zu gehen, sucht er lieber eine Bar auf um sich zu betrinken und richtige Freunde hat er auch nicht. Auf Partys steht er nur alleine am Rand und beobachtet das Treiben um ihn herum. Arthur begegnet allem mit einem großen Misstrauen. Den Menschen, der Stadt und den Geräuschen um ihn herum, aber am meisten scheint er sich selbst zu misstrauen. Was er mit dem Alkohol versucht zu betäuben, ist ein Kindheitstrauma, das ihn immer noch verfolgt. Er sucht einen Weg zu vergessen, sich von der Einsamkeit zu befreien und ist ständig zerrissen von Scham und Schuld. Arthur macht einen gehetzten Eindruck, schwankt zwischen Überheblichkeit und Verletzbarkeit und ist seiner Angst, sowie seinen Erfahrungen der Verzweiflung und des Alleingelassenseins schutzlos ausgeliefert. Hilfe ist nicht in Sicht.

John Williams hat Nichts als die Nacht vor seinen anderen Romanen Stoner, Butcher‘s Crossing und Augustus geschrieben, die sich, nachdem sie vor einigen Jahren neu veröffentlicht wurden, zu einem großen Erfolg entwickelt haben. Bereits in seinem Debüt zeigt Williams an verschiedenen Stellen sein schriftstellerisches Talent, kommt für mich aber noch nicht an die Klasse seiner späteren Romane heran. So sind manche Passagen schon sehr gut, wohingegen andere noch sehr bemüht klingen. Gerade der Versuch, wirklich alles in Arthurs Gefühlswelt zu beschreiben, ist mir dann doch zu viel. Hier reihen sich Adjektive an Adjektive gefolgt von noch einem Vergleich, so dass wirklich jede Emotion dem Leser beschrieben wird und zeigt, dass manchmal weniger dann doch mehr ist. Auch die Sprachbilder sind nicht immer stimmig, wie etwa die Fluttore, die aus Leidenschaft bersten.

Dagegen gibt es aber ebenso Sätze, wie die Augen, die zu Seen aus flüssigem Schmerz werden und Passagen, die ich wirklich toll fand. Gerade der Einstig entwickelt einen unheimlichen Sog in die Welt von Arthur:

In diesem Traum, in dem er schwerelos und leblos war, ein alles umflutender Bewusstseinsnebel, der in der Weite der Dunkelheit brodelte und bebte, gab es anfangs kein Gefühl, nur undeutliches Wahrnehmen, ohne Blick und Verstand und fernab, allein imstande, zwischen sich und der Dunkelheit zu unterscheiden.

Was dem Text aber jederzeit anzumerken ist, ist die Rastlosigkeit Arthurs und sein immer stärker werdender Wunsch, seine Seele zu reinigen und endlich zu vergessen. Die Fieberhaftigkeit, mit der er durch die Straßen zieht, in Gesprächen immer wieder in Gedanken abschweift, sich in seiner eigenen (Traum-) Welt befindet  und verzweifelt auf der Suche nach Ruhe ist, – all das vermittelt die Novelle wunderbar. Die Intensität, mit der die ständig wechselnden Gefühlswelten über Arthur hereinbrechen, ist jederzeit spürbar.

Verlorene Zeit, dachte er, das ist die beste Zeit des Lebens. Die Zeit des Sommers, in der schillerndes Licht die Blätter der Bäume verwebt. An seine Kindheit dachte er stets wie an eine nie enden wollende Sommerzeit, in der ihm träges Glück Hirn und Glieder betäubte und entzückte.

Beim Lesen von John Williams Debüt Nichts als die Nacht ist es mir schwer gefallen, die Novelle nicht mit seinen anderen Werken zu vergleichen. Denn einem Vergleich hält sie nicht stand. Dennoch ist die Novelle bereits ein intensives Leseerlebnis, in dem der Leser tief in die kaputte Gefühlswelt des jungen Protagonisten Arthur eintaucht, auch wenn die Beschreibungen sprachlich nicht immer gelungen sind.

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