Kurz und knackig: Unsichtbare Frauen (Caroline Criado-Perez)

Caroline Criado-Perez Unsichtbare Frauen Rezension

„Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert“ fasst der Untertitel Caroline Criado-Perez‘ Sachbuch Unsichtbare Frauen perfekt zusammen. Denn genau darum geht es hier: um zahlreiche Daten, Statistiken und Informationen, die uns zeigen, dass Entscheidungen in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aus verschiedenen Gründen auf den Erfahrungen, Erlebnissen und auch körperlichen Konstitutionen von Männern basieren.

Es herrscht also der Konsens, Frauen seien anormal, atypisch, einfach falsch. Warum können sie nicht sein wie Männer? Es tut mir leid, dass das weibliche Geschlecht so geheimnisvoll ist, aber wir können eben nicht wie Männer sein. Und diese Tatsache müssen Wissenschaftler, Politiker und Tech-Nerds einfach akzeptieren. Ja, das Einfache ist leichter. Es ist billiger. Aber es entspricht nicht der Realität.

Medikamente werden hauptsächlich an Männern getestet, Symptome und Krankheiten, die nur Frauen betreffen, werden für unglaubwürdig erklärt und nicht ernst genommen. Produkte der Verkehrs- und Arbeitssicherheit sind ebenfalls fast gänzlich am männlichen Körper orientiert und werden nur an ihm getestet. Frauen werden bei der Städteplanung einfach komplett übergangen und Infrastrukturen basieren oft nur auf dem männlichen Berufstätigen statt auf Frauen, die Haushalt, Erziehung und Pflege sowie teilweise noch ihre Arbeit unter einen Hut bringen müssen. Und selbst Voice Assistant Technologien sind nicht auf die Stimmen von Frauen abgestimmt, sodass sie potenzielle Gefahrenquellen im Alltag darstellen, zum Beispiel am Steuer. Die „männliche Norm“ ist eben keine Norm. Wir können nicht einfach alles vom männlichen auf den weiblichen Körper beziehen und davon ausgehen, dass dieser genauso reagiert. wir können männliche Erfahrungen nicht als allgemeingültig ansehen.

Criado-Perez präsentiert harte und schwer verdauliche Fakten und appelliert an unsere Gesellschaft, dass wir die Gender-Data-Gap unbedingt schließen müssen – viel zu viele Leben sind tagtäglich negativ davon beeinflusst und in Gefahr. Es ist ganz einfach: Wir müssen nur Frauen überall mit einbeziehen, in Studien, in Organisationen und Planungen, in den Entwurf von Regeln und Gesetzen. Erst dann können wir wirklich gleiche Rechte und Chancen für Männer und Frauen schaffen.

Wir müssen die Lücke in der Repräsentation von Frauen schließen. Wenn Frauen in der Forschung und Wissensproduktion an Entscheidungsprozessen beteiligt sind, werden Frauen nicht vergessen. Die Leben und Perspektiven von Frauen werden sichtbar. Davon profitieren Frauen auf der ganzen Welt.

Caroline Criado-Perez Sachbuch Unsichtbare Frauen ist eine wahnsinnig interessante Lektüre, die vollgepackt mit spannenden Fakten und Daten ist. Sie ist unheimlich informativ, gleichzeitig offenbart sie auch schockierende Ergebnisse, die einen beim Lesen extrem frustrieren können. Es ist geradezu erschütternd zu erfahren, dass Frauen in der Wissenschaft bei lebenswichtigen Forschungen einfach komplett übergangen werden – oftmals einfach aus Bequemlichkeit oder Ignoranz.

Ein wichtiges Buch, das uns die geschlechterspezifische Datenlücke vor Augen führt und zeigt, dass es schon lange an der Zeit ist, daran etwas zu ändern.

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