C. E. Morgan – Der Sport der Könige

C.E. Morgan Der Sport der Könige Rezension

C. E. Morgans Südstaatenroman erzählt ohne Beschönigung von Rassismus und dem Rennsport in Kentucky.

Henry Forge und seine Tochter Henrietta verfolgen gemeinsam den Traum, das beste Rennpferd aller Zeiten zu züchten. Henrys Familie gehört zu den ältesten Dynastien in Kentucky. Das Vollblut Hellsmouth bringt die besten Voraussetzungen mit, den Ansprüchen von Henry und Henrietta zu genügen. Das Unternehmen gerät allerdings immer mehr ins Wanken, als sich Henrietta in den neuen farbigen Pferdeknecht Allmon Shaughnessy verliebt und damit alte rassistische Überzeugungen zum Vorschein kommen.

Der Sport der Könige erzählt in typischer amerikanischer Weise eine Familiengeschichte, die gleichzeitig Zeit- und Sittenporträt ist. Handlungsort ist das Grenzland zwischen Kentucky und Ohio. Hier wird zunächst die Jugend von Henry dargestellt, der auf der Farm seines Vaters groß wird und einmal das Land erben soll, das schon seit Jahrhunderten von der Familie bestellt wird. Henrys Vater blickt mit viel Stolz auf da Vermächtnis der Familie und die damit verbundene Gründungsgeschichte. Nachdem Henry die Farm übernimmt, baut er sie gegen den Wunsch des Vaters zu einer Pferdezucht um. Seine Ehe verläuft alles andere als glücklich, so dass er bald mit der Tochter Henrietta alleine ist. Sie soll sich, ebenso wie er zuvor, der Familie und der Tradition unterwerfen.

Das gemeinsame Ziel der beiden ist es, das perfekte Rennpferd zu züchten. Doch bis es dazu kommen kann, müssen Gene reproduziert und wieder andere Pferde zusammengebracht werden, damit letztlich das Stutfohlen Hellsmouth am Ende dieser Linie steht und den Ansprüchen entspricht. Es ist wohl kaum Zufall, dass dem Roman ein Zitat von Charles Darwin vorangestellt ist, denn genetische Linien spielen nicht nur bei den Pferden eine zentrale Rolle. Henry überträgt das Prinzip auf sein eigenes Leben und will seine Gene nicht an irgendeine „verschwenden“.

Was hatte es für einen Sinn, etwas zu betrauern, das sich nicht aufhalten ließ? Und er war wirklich nicht aufzuhalten, der reißende Strom menschlicher Zerstörung, stark genug, um die Knochen alter Pferde – Tiere, so perfekt, dass sie etwas Mythisches hatten – davonzutragen und sie für immer Gott weiß wo anzuschwemmen.

Ein weiteres Thema, das sich durch den Roman und die Familiengeschichte der Forges zieht, ist Rassismus. In der Handlung ist die Ankunft des farbigen Allmon Henry ein Dorn im Auge, umso mehr, als sich Henrietta immer mehr für den Neuankömmling interessiert. Morgan erzählt auf knapp 950 Seiten (allerdings sehr groß gedruckt) eine großflächig angelegte Geschichte, die immer wieder durch Rückblenden unterbrochen wird und keinesfalls Südstaatenromantik aufkommen lässt. Sie setzt sich mit Rassismus, den Folgen der Abschaffung der Sklaverei für die Betroffenen, dem Leben der gesellschaftlich Ausgeschlossenen und natürlich dem Reitsport auseinander. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Handlung einige Zeit braucht, bis sie in Fahrt kommt. Bis dahin gilt es, die eine oder andere Länge zu überstehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Autorin ohne Not an manchen Stellen den Fokus verliert und abschweift. Auch stilistisch kommt es zu Ungereimtheiten. Warum muss jemand ohne Hut aufgrund der Sonne blinzeln, wenn seine Augenbrauen so lang sind, dass sie einen Hut beinahe überflüssig machen (S. 54)?

Wir müssen lernen, selbst zu entscheiden und nicht alles hinzunehmen; selbstkritisch zu sein; die Mächtigen argwöhnisch zu beäugen, auch die eigene unverdiente Macht. Wir wollen einfach Antworten haben, doch wir müssen sie ablehnen. Die einzig wahre Antwort ist, zu denken.

Dagegen sind die Beschreibungen der Pferdezucht und der Rennen die Stärke des Romans. Mit vielen Details versteht die Autorin es, sowohl den Alltag als auch die Wettkämpfe zu beschreiben. Immer wieder kommt sie dabei von der Darstellung der tierischen Natur auf die menschliche, die sich manchmal kaum unterscheiden. Im gesamten Roman sind immer wieder Passagen eingefügt, die sich mit der Geschichte des Pferdes und den biologischen Hintergründen beschäftigen. Vor allem Henrietta saugt dieses Wissen förmlich in sich auf. Die Aufzucht der Pferde wird dabei alles andere als verklärt, sondern sehr facettenreich und mit einigen negativen Aspekten dargestellt.

C. E. Morgan verbindet in ihrem Roman zwei Handlungslinien, die sich immer wieder überschneiden und ergänzen. Die Familiengeschichte ist ausufernd und mit vielen Details erzählt, auch wenn einige wenige stilistische Schnitzer zu finden sind, die den guten Gesamteindruck aber nicht schmälern.

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