Markus Zusak – Nichts weniger als ein Wunder

Markus Zusak Nichts weniger als ein Wunder Rezension

Markus Zusak verfolgt in Nichts weniger als ein Wunder einen sehr eigenen Stil, der aber ebenso wenig überzeugen kann, wie die überraschungsarme Handlung.

Nachdem ihre Mutter gestorben ist und ihr Vater sie verlassen hat, leben die fünf Dunbar-Brüder alleine und nach ihren ganz eigenen Regeln. Jeder sucht nach einem eigenen Weg, mit der Vergangenheit und der Trauer um den Verlust umzugehen. Dann beschließt einer der jüngsten, Clay, eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die dabei helfen soll, die Vergangenheit zu überwinden und die Familie zu retten.

Verlust und der Umgang mit Trauer sind prägende Themen des neuen Romans von Markus Zusak, der den Titel Nichts weniger als ein Wunder trägt. Geschrieben ist die Geschichte aus der Sicht des ältesten Dunbar-Bruders Matthew, der die Familiengeschichte mit einer alten Familien-Schreibmaschine festhält. Die Brüder sind eine Gruppe von Jungs und jungen Männern, die nach dem Verlust ihrer Eltern eine sehr eigene Art des Lebens gefunden haben und dabei trotz ständiger Auseinandersetzungen immer fest zusammenhalten. Das Haus ist außerdem bevölkert von Tieren: einem Hund, einer Katze, einem Vogel, einem Fisch und einem Maultier, die Namen aus den griechischen Sagen tragen, wie etwa Hektor oder Achilles.

Matthew will davon berichten, wie der vierte Dunbar-Junge Clay alles verändert hat. Durch den Tod der Mutter und dem Weggang des Vaters sind die Brüder ohne Eltern. Sie trauern auf der einen Seite um die geliebte Mutter und sind auf der anderen Seite voller Zorn auf den Vater, der sie allein gelassen hat und den sie seitdem nur noch „Mörder“ nennen. Clay verausgabt sich ständig bis zur völligen körperlichen Erschöpfung, ohne zu wissen, wofür das Training und die Kraft letztlich gut sein sollen. Als der Vater unverhofft eines Abends im Wohnzimmer sitzt und um Hilfe bittet, ist es Clay, der sich bereit erklärt zu helfen. Er scheint zunächst auch der Einzige zu sein, der die Hintergründe der Familiengeschichte wissen will und dem Vater eine neue Chance einräumt.

Und gemeinsam gingen wir weiter, durch die Menschenmenge und die Worte der Menschen und eine vor Sonne geschwollene Stadt. Und mit uns ging der Tod.

Markus Zusak verfolgt einen sehr eigenen und durchaus gewöhnungsbedürftigen Stil. Vor allem das aneinanderreihen von kurzen Sätzen fällt auf, wie zum Beispiel: „Tolle Flitterwochen. Claudia war auf der Arbeit. Die Mädchen waren in der Schule. Aber einem Teil von mir gefiel das. Einem großen Teil von mir gefiel es sogar sehr.“ Diese Art des Schreibens findet sich alle paar Seiten wieder. Eine andere Auffälligkeit ist die exzessive Verwendung von Metaphern, die alles andere als klassisch sind. Da ist das Licht schon mal „aspirinweiß“, die Sonne am Himmel ist „barbarisch“ wie ein „Wikinger“ oder Bilder aus dem „Toaster gesprungen“. So gelingt zwar eine sehr eigene Sprache, die allerdings gleichzeitig auch sehr sperrig ist – und ob die Sprachbilder wirklich gelungen sind, ist auch diskussionswürdig.

Die eigentliche Handlung wird da schon eher konventionell mithilfe von Rückblicken und kurzen Andeutungen auf die Zukunft erzählt. Neben dem Alltag der Brüder wird so auch die Lebensgeschichte der Eltern dargestellt, wie die Mutter aus der UDSSR in die USA gelangt und zufällig auf ihren zukünftigen Mann trifft. Der Roman lebt vor allem von den Dunbar-Brüdern und ihrem ungewöhnlichen Verhalten, ihrer Art mit der Situation umzugehen. Der Fokus liegt dabei auf Clay, dem von seiner Mutter vor ihrem Tod die Familiengeschichte anvertraut wurde und er ist somit der Einzige, der für eine Versöhnung und für mehr Hoffnung in der Zukunft sorgen kann. Die Wendungen der Familiengeschichte bieten inhaltlich allerdings keine Überraschungen und setzen eher auf Emotionen.

Wir Jungen stritten und prügelten uns. Das Sterben tat uns so weh. Aber manchmal versuchten wir, ihm davonzulaufen, es auszulachen und anzuspucken – während wir gleichzeitig Abstand hielten. Bestenfalls unterbrachen wir es. Wenn der Tod sie schon holen wollte, würden wir es ihm zumindest nicht leicht machen.

Eine Familiengeschichte über Tod, Trauer, Hoffnung und Versöhnung. Während die Handlung eher auf der Gefühlsebene funktioniert, ist der Stil wohl die größte Herausforderung. Vor allem die Sprachbilder geraten dabei öfter schief und die immer wiederkehrenden kurzen Sätze sind vielleicht zu Beginn noch abwechslungsreich, auf Dauer aber ermüdend. Auch inhaltlich gelingt es Zusak nicht, den Leser zu fesseln und so steht am Ende eine Enttäuschung.

 

2 comments

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  1. Mikka Liest

    Huhu,

    ach, wie schade! Ich muss zugeben, mir hat das Buch sogar gut gefallen, es ist sogar mein Monatshighlight… Ich fand es manchmal sperrig und den Stil sehr ungewöhnlich, aber für mich passte dann doch alles zusammen.

    Aber das ist ja alles, wie immer, Geschmacksache. ;-)

    LG,
    Mikka

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  2. Rückblick: Lesemonat Februar – Letusredsomebooks

    […] Dies ist die Geschichte der fünf Dunbar-Brüder, die nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem Vater alleingelassen werden und ganz auf sich gestellt nach ihren eigenen Regeln leben. Einzig Clay scheint es zu gelingen, einen Ausweg aus der Trauer über die Verluste zu finden und er ist es, der für Versöhnung sorgen kann. Die Familiengeschichte ist stilistisch sehr eigen gestaltet, was aber gerade bei den Metaphern nicht überzeugend gelingt. Da auch die Handlung sehr spannungs- und überraschungsarm daherkommt, steht hier am Ende eine Enttäuschung. Die Ausführliche Rezension findet ihr hier. […]

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