Brom – Slewfoot

Ein puritanisches Dorf, ein uraltes Wesen im Wald und eine Frau, die aufhört, sich zu entschuldigen: Slewfoot ist düsterer Folk Horror mit klarer Botschaft und viel Lust an der Eskalation.

Brom verlegt seinen Roman ins puritanische Neuengland des 17. Jahrhunderts. Im Zentrum steht Abitha, eine junge Frau, die nach dem Tod ihres Mannes mittellos und isoliert zurückbleibt. In einer streng religiösen Gemeinschaft, in der weibliche Selbstständigkeit ohnehin misstrauisch beäugt wird, gerät sie zunehmend unter Druck: wirtschaftlich, sozial, moralisch. Gleichzeitig erwacht im nahegelegenen Wald ein Wesen, das sich später Slewfoot nennt – eine archaische, gehörnte Gestalt, halb Naturgeist, halb Dämon, die ihre eigene Vergangenheit erst wieder zusammensetzen muss. Die Wege der beiden kreuzen sich, und aus dieser Begegnung entsteht eine Allianz, die für das Dorf und seine rigiden Machtstrukturen zur Bedrohung wird.

Was Slewfoot besonders unterhaltsam macht, ist die Mischung aus atmosphärischem Folk Horror, Rachegeschichte und fast schon märchenhafter Fabel. Brom zeichnet das puritanische Setting detailreich, ohne sich in Historismus zu verlieren. Man spürt die Kälte, die Angst vor Sünde, die allgegenwärtige Kontrolle durch Kirche und Gemeinschaft. Gleichzeitig ist der Roman sehr zugänglich erzählt, mit klarer Dramaturgie und deutlicher Figurenzeichnung. Abitha ist keine gebrochene Heldin, sondern eine Figur, die Schritt für Schritt erkennt, wie eng das Korsett ist, in das sie gezwängt wurde – und die irgendwann beschließt, es nicht länger zu tragen.

Thematisch ist das alles wenig subtil. Slewfoot arbeitet deutlich heraus, dass das eigentliche Grauen nicht im Wald lauert, sondern im religiösen Fanatismus, in patriarchaler Besitzlogik und in der Lust an sozialer Bestrafung. Die Dorfgemeinschaft wird zur geschlossenen Front aus Angst, Neid und Machtmissbrauch. Das ist stellenweise sehr „on the nose“ – die moralische Stoßrichtung des Romans ist nie versteckt, sondern klar formuliert. Wer literarische Ambivalenzen sucht, wird hier weniger fündig. Brom interessiert sich stärker für Wirkung als für Mehrdeutigkeit.

Gerade darin liegt aber auch ein Teil des Reizes. Der Roman weiß genau, was er erzählen will: eine Geschichte über weibliche Selbstermächtigung in einer Welt, die Frauen systematisch klein hält. Und er erzählt sie mit Nachdruck. Dabei wechselt der Ton immer wieder überraschend. Neben brutalen, teils expliziten Gewaltszenen gibt es Momente von trockenem, fast schelmischem Humor. Besonders in der Darstellung von Slewfoot selbst, der die menschlichen Regeln und religiösen Vorstellungen mit einer Mischung aus Naivität und archaischer Logik betrachtet. Diese Passagen lockern die Schwere auf und geben dem Roman eine zusätzliche Ebene.

 

Die Brutalität ist nicht zu unterschätzen. Wenn die Geschichte eskaliert, dann richtig. Brom spart nicht an drastischen Bildern, weder körperlich noch emotional. Das kann stellenweise hart sein, wirkt aber im Kontext der Geschichte konsequent. Die Gewalt ist hier nicht Selbstzweck, sondern Ausdruck einer langen, aufgestauten Wut – sowohl auf Seiten der Figuren als auch auf erzählerischer Ebene.

Sprachlich ist Slewfoot klar und bildhaft, ohne unnötige Schnörkel. Man merkt, dass Brom als Illustrator denkt: Szenen haben oft eine starke visuelle Qualität, beinahe wie sorgfältig komponierte Gemälde. Begleitet wird das Ganze außerdem von Illustrationen des Autors, die die Atmosphäre perfekt unterstreichen.

Für mich war Slewfoot vor allem ein sehr gutes, packendes Leseerlebnis. Kein Roman, der durch subtile Zwischentöne besticht, sondern einer, der mit klarer Haltung, starken Bildern und emotionaler Wucht arbeitet. Ich mochte die Mischung aus Folk Horror, feministischer Rachefantasie und moralischer Fabel, auch wenn manches sehr deutlich formuliert ist. Nicht alles ist nuanciert, aber vieles ist wirkungsvoll.

Unterm Strich ist Slewfoot ein unterhaltsamer, stellenweise humorvoller, oft brutaler Roman mit klarer Botschaft. Wer Lust auf atmosphärischen Hexen-Horror mit politischem Kern hat und keine Angst vor deutlichen moralischen Linien, wird hier bestens bedient. Für mich kein literarisches Meisterwerk, aber ein stark erzähltes, eindringliches Buch, das genau weiß, was es sein will – und das ziemlich konsequent durchzieht.

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