Hiromi Kawakami – People from my Neighbourhood

Hiromi Kawakami People from my Neighbourhood RezensionHiromi Kawakamis schmale, episodenhafte Kurzgeschichtensammlung People from my Neighbourhood ist absolut wundersam, merkwürdig, unterhaltsam und bezaubernd.

Auf nur 121 Seiten berichtet eine namenlose Erzählerin in Episoden von jeweils 1 bis 5 Seiten aus ihrem Leben in einer unbekannten japanischen Kleinstadt. Kindheitserinnerungen folgen auf aktuelle Begebenheiten sowie Erzählungen und Tratsch der Bewohner. Dabei bewegen sich alle Kurzgeschichten weitgehend im magischen Realismus bzw. im Surrealismus.

There’s a hell, the old man said, for people who are mean to chickens. If you get sent there, a giant chicken comes and spits fire on you, and pecks you, and tramples you with ist claws. And that goes on for ever.

Bei den von Kawakami präsentierten einzelnen Kurzgeschichten handelt es sich um sogenannte Microfiction – Erzählungen, die extrem kurz sind, und eben darum umso schwieriger zu schreiben. Wir lernen verschiedene Bewohner der japanischen Nachbarschaft kennen: Menschen, die aus Eiern schlüpfen, einen alten Mann mit zwei Schatten, eine Prinzessin, die zehn Leichen in ihrem Garten in Amerika vergraben hat und einen Mann, der eigentlich ein Fliegenschwarm ist. Wir erfahren von einer Schule, die komplett aus Süßigkeiten besteht und von einer Krankheit namens Pigeonitis, die alle Infizierten nach und nach in Tauben verwandelt. Einige Episoden waren definitiv zum Schmunzeln, andere berührend, doch ausnahmslos alle waren wundervoll absurd und unterhaltsam.

Ich musste mich sehr zusammenreißen, auch wirklich immer nur einzelne (oder zumindest wenige Episoden) am Stück zu lesen, damit ich das Buch nicht schon innerhalb von zwei Stunden durch habe – es hat so viel Spaß gemacht, in diese fiktive und extrem sonderbare Nachbarschaft einzutauchen, dass ich am liebsten ewig weitergelesen hätte.

„Make our breasts big!“ we implored, then solemnly chanted „Oops!“ twenty times each. Kanae and I wanted to grow breasts as quickly as possible so that we could fight aliens, wicked religious sects, and other forces of evil.

Die Grundidee des Buches hat mich sehr an den Podcast Welcome to Night Vale und die begleitenden Romane erinnert – Fans der verrückten Wüstenstadt werden an Kawakamis Buch mit Sicherheit genauso ihre Freude finden wie Leser*innen von Banana Yoshimoto oder Sayaka Murata.

Hiromi Kawakami zeichnet in People from my Neighbourhood ein herrlich skurriles Portrait einer phantastischen Stadt und ihrer einzigartigen Einwohner – für mich jetzt schon eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Auf Deutsch wurde es leider nicht übersetzt, aber weitere Werke der Autorin sind im Hanser Verlag erschienen. Mich hat die japanische Autorin mit diesem kleinen Juwel auf jeden Fall neugierig auf ihre anderen Romane gemacht.

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