Tad Williams – Die Hexenholzkrone

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Wiedersehen mit Osten Ard: Tad Williams gelingt mit Die Hexenholzkrone eine nostalgische Rückkehr, der allerdings die Neuerungen fehlen.

In der Welt von Osten Ard sind 30 Jahre seit den Ereignissen aus Der Engelsturm vergangen. Simon und Miriamel herrschen als Königspaar. Nach Jahren des Friedens droht nun erneut Gefahr. Während in Nabban die Adelshäuser zerstritten sind, geht der neue König in Hernystir seine eigenen Wege und Herzog Isgrimnur, treuer Freund und Verbündeter, liegt in Rimmersgard im Sterben. Dabei ahnen Simon und Miriamel nicht, dass die größte Gefahr noch weiter im Norden lauert, wo die Königin der Nornen aus ihrem Schlaf erwacht ist.

Mit seiner Reihe Das Geheimnis der großen Schwerter konnte Tad Williams in den 90er Jahren viele Fans gewinnen und sich als Fantasy-Autor etablieren. Abgesehen von einem kürzeren Ausflug mit Das Herz der verlorenen Dinge kehrte er bis hierhin nicht in seine Welt von Osten Ard zurück. In der Zeit sind natürlich nicht nur die Leser älter geworden, sondern auch den Figuren ist anzumerken, dass sie gealtert sind. Manche von ihnen, wie etwa Isgrimnur, stehen bereits kurz vor ihrem Tod. Der Einstieg ist wie ein Nachhausekommen: lauter bekannte Gesichter, die viele Leser bereits über hunderte Seiten begleitet haben. Für Neueinsteiger entfällt dieser Effekt natürlich. Generell lässt sich die neue Reihe unter dem Titel Der letzte König von Osten Ard aber ohne Vorwissen lesen und verstehen, einige Ereignisse werden zudem erklärt.

God’s Blood, have we truly become old? He wondered. I do not feel old. I feel the same, but…weathered. Like a ship that has plowed the same waves for many years. The rigging is slack, the sails have holes, but the bottom is still seaworthy.

Typisch für Williams erfolgt der Einstieg in die Handlung sehr langsam. Zunächst stehen das Wiedersehen vieler alter Freunde und die Einführung von neuen Charakteren an. Einer der wichtigsten dürfte Prinz Morgan sein, Enkelsohn und Erbe des Königspaars. Statt sich seiner Aufgaben und Pflichten zu widmen, lebt der Prinz lieber in den Tag hinein und ist eher in einer Taverne anzutreffen statt beim Hofzeremoniell. Nach dem Tod seines Vaters Prinz John Josua ist Morgan die Zukunft des Reiches, auch wenn er seinen Großeltern viel Sorgen bereitet.

Viele Motive der Ursprungsreihe finden sich hier wieder: ein geheimnisvolles Buch, die Gefahr aus dem Norden, die beginnende Freundschaft zwischen dem etwas unbedarften Jungen und einem Troll, um nur ein paar zu nennen. Etwas mehr Neues hätte es dann doch sein dürfen. Aber wer weiß, wie sich die Geschichte in den folgenden Bänden noch entwickelt. Neben den bekannten Figuren werden einige interessante neue Charaktere eingeführt. Vor allem die Einblicke in die Kultur der Nornen bieten dabei andere Perspektiven. Diese werden durch den Baumeister Viyeki (bereits bekannt durch Das Herz der verlorenen Dinge), seine Geliebte Tzoja und seine Tochter Nezeru geschildert. Hier werden endlich neue Handlungsstränge eröffnet, durch welche die Pläne der Nornen angedeutet werden, ohne dass alles offenbart wird.

In manchen Abschnitten findet Williams zu seiner alten Stärke zurück, schreibt voller Details und lässt seine Leser wieder tief in die Welt von Osten Ard eintauchen. Die hervorragend entworfene Fantasy-Welt ist immer noch durchdacht und profitiert von einer langen Geschichte, die von Williams geschickt mit den aktuellen Ereignissen verknüpft wird. Eher peinlich dagegen geraten manche Dialoge zwischen dem Königspaar, die zum fremdschämen einladen:

“Fool. Great clumping fool of a husband. By the sweet Mother of God, I shall miss you.”
“And I shall miss you. No more talk. Kiss me. It will be dawn soon.”
“Oh. Oh, what are you doing there?”
“Nothing but my duty. All this talk of duty has inspired me to send the King’s Hand on a state visit.”
“Simon! You really are like a child, did you know that? An irresponsible boy.”
“Then who is truly the fool, High Queen Miriamele? After all, you are the one who married me. But if you are ordering me to desist…”
“Save your temper, husband. I called you a name, but I did not tell you to stop.”

Mit Die Hexenholzkrone begibt sich Tad Williams wieder in seine Welt von Osten Ard. Es ist eine nostalgische Rückkehr, bei der Leser der Urtrilogie auf viele bekannte Gesichter und Orte treffen. Neu dagegen sind die Einblicke in die Gesellschaft der Nornen, die so auch zu den interessantesten Kapiteln des Romans gehören. Ansonsten verlässt sich Williams auf seine Stärken, den langsamen, dafür umso detailreicheren Aufbau des Plots und die bereits ausgearbeitete Welt, welche zu den Highlights zählt. Fans dürften zufrieden sein, auch wenn der Einstieg mehr neue Ideen vertragen könnte. Dafür hat der Autor jetzt zwei weitere Bände Zeit.

4 comments

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  1. Rückblick: Lesemonat November – Letusredsomebooks

    […] 30 Jahre nach den Ereignissen aus Das Geheimnis der großen Schwerter geht es in die Welt von Osten Ard, wo das Königspaar Simon und Miriamel deutlich gealtert ist. Angesichts der alten und neuen Gefahren müssen sie erneut mit ihren treuen Freunden zusammenstehen und ihr Königreich beschützen. Leser der alten Trilogie werden viele bekannte Elemente wiederfinden, was den Roman nostalgisch werden lässt. Neue Einblicke bieten die Perspektiven auf die Ziele und die Kultur der Nornen. Unterm Strich hätte Williams aber dennoch mehr Neues wagen können. Hier geht es zur ausführlichen Besprechung. […]

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