Rückblick: Lesemonat Februar

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Nachdem wir im Dezember und Januar reichlich unmotiviert und auch anderweitig beschäftigt waren, widmen wir uns heute wieder unserem Monatsrückblick und teilen mit euch die Bücher, die wir im Februar gelesen haben.

Jennifer Clement – Gun Love

Seit ihrer Geburt lebt die vierzehnjährige Pearl gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Auto, das auf dem Parkplatz eines Trailerparks in Florida steht. Hier gehören Schießübungen zum Alltag und der wird für Pearl immer schwieriger, als mit Eli ein Mann auftaucht, der die vollständige Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich zieht. Hart und gleichzeitig poetisch erzählt die Autorin Jennifer Clement die Geschichte von Pearl, die immer tiefer in die sie umgebende Gewalt hineingezogen wird. Ein Roman über Waffenliebe und eine sehr eigene Mutter-Tochter-Beziehung, der noch lange in Erinnerung bleibt und nachklingt.

Rocko Schamoni – Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

Michael Sonntag ist Kunststudent, der sein Studium abgebrochen hat, um nun von Hartz IV zu leben, mit Alkoholikern abzuhängen, illegale Gelegenheitsjobs zu übernehmen und ab und zu als Roadie auf Tour auszuhelfen, wenn er nicht gerade betrunken durch den Kiez streift oder verkatert im Bett liegt. Auf den ersten Blick ein humoristisches, unterhaltsames Buch, schlägt es später aber auch durchaus ernste Töne an, wenn es darum geht, dass Sonntag seinen Platz im Leben und der Gesellschaft sucht, versucht, sich von seinem Heimatort und den dort herrschenden Strukturen zu lösen und etwas eigenes auf die Beine zu stellen.

Markus Zusak – Nichts weniger als ein Wunder

Dies ist die Geschichte der fünf Dunbar-Brüder, die nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem Vater alleingelassen werden und ganz auf sich gestellt nach ihren eigenen Regeln leben. Einzig Clay scheint es zu gelingen, einen Ausweg aus der Trauer über die Verluste zu finden und er ist es, der für Versöhnung sorgen kann. Die Familiengeschichte ist stilistisch sehr eigen gestaltet, was aber gerade bei den Metaphern nicht überzeugend gelingt. Da auch die Handlung sehr spannungs- und überraschungsarm daherkommt, steht hier am Ende eine Enttäuschung. Die Ausführliche Rezension findet ihr hier.

Walter Moers – Wilde Reise durch die Nacht

Der zwölfjährige Gustave stirbt eines Nachts, als sein Schiff in einen gefährlichen siamesischen Zwillingstornado gerät. Doch vielleicht kann er dem Tod ein Schnippchen schlagen: wenn Gustave sechs Aufgaben bis zum Ende der Nacht erfüllt, darf er weiterleben. Walter Moers einziger Roman, der nicht in Zamonien spielt, spinnt eine abenteuerliche und phantasievolle Geschichte rund um 21 Holzschnitte des französischen Künstlers Gustave Doré, die unter anderem Szenen aus John Miltons Paradise Lost, Dantes Inferno und Edgar Allan Poes The Raven abbilden. Einfallsreich, humorvoll und voller literarischer Querverweise ist Wilde Reise durch die Nacht nicht nur eine wundervolle Hommage an Gustave Doré, sondern auch an das Erzählen und die Phantasie selbst. Lest hier unsere Besprechung.

C.E. Morgan – Der Sport der Könige

Henry Forge und seine Tochter verfolgen einen gemeinsamen Traum: das beste Rennpferd aller Zeiten zu züchten. Besonders Henry verfolgt diese Vision fanatisch und ohne Rücksicht auf Verluste. Die Situation eskaliert, als der junge farbige Allmon Shaughnessey auf der Farm auftaucht. C. E. Morgan verbindet Pferderennsport und Rassismus zu bestimmenden Themen in ihrem Roman, der zwar durchaus Längen und stilistischen Ungereimtheiten aufweist, aber dennoch mit seinen eigenen Stärken punkten kann. Eine längere Besprechung erfolgt in den nächsten Tagen.

Hank Green – Ein wirklich unglaubliches Ding

April May, eine Kunststudentin aus New York, begegnet eines Nachts einer riesigen Roboterskupltur. Mit ihrem besten Freund Andy dreht sie ein Video über „Carl“, wie sie ihn taufen. Doch ihr harmloser Bericht geht in den nächsten Tagen völlig viral, da überall auf der Welt weitere Skulpturen auftauchen und niemand weiß, was es damit auf sich hat. Der Roman ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch so rasant, dass man ihn kaum aus der Hand legen möchte. Obwohl April nicht gerade eine sympathische Protagonistin ist, fiebert man mit ihr mit – vermutlich weil sie all unsere schlechtesten Eigenschaften in sich vereint. Während langsam der Hintergrund der Carls aufgedeckt wird, funktioniert das Buch vor allem als bissiger Kommentar auf unsere Social Media-Gesellschaft, in der wir, besessen von Likes, Views und ein paar Minuten Ruhm, alles verraten würden, was uns wichtig ist und uns keine Gedanken um mögliche Konsequenzen machen.

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